LOST PLACES Keeper Weise schießt das erste Tor auf idyllischem Waldsportplatz

Kuriose Premiere im Barnstorfer Hunteholz

Stefan Müller (l.) und Detlef Gehrke haben vor Jahren noch auf dem Hunteholz-Sportplatz gekickt.
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Laubgehölz auf dem ehemaligen Hunteholz-Sportplatz in Barnstorf: Stefan Müller (l.) und Detlef Gehrke haben vor Jahren noch auf diesem Gelände gekickt.

An den früheren Hunteholz-Sportplatz in Barnstorf können sich Friedrich und Detlef Gehrke sowie der ehemalige Spielertrainer Stefan Müller vom Barnstorfer SV noch gut erinnern. Heute gibt es das Areal nicht mehr, hier steht ein Wald mit Laubgehölz.

Barnstorf – Da kommen Erinnerungen hoch bei Detlef Gehrke, früherer Stürmer beim Barnstorfer SV, wenn er an die Zeit auf dem Sportgelände im Hunteholz (hier kickte er zehn Jahre lang) denkt: „Von der Lage her war das ein toller Sportplatz.“

In den Jahren von 1962 bis 1989 gingen Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer durch eine Zauntür, links stand ein Kassenhäuschen, danach kamen sie auf den Platz. Um den Sportplatz (hier gingen nur Punktspiele über die Bühne – trainiert wurde auf dem damaligen Platz an der B 51) herum waren mehrere Holzbänke verteilt. Hinter dem linken Tor hat auf einem Bahndamm ein hoher Zaun gestanden, denn dahinter verläuft noch heute die Bahnstrecke Bremen-Osnabrück. Ein Ball ist auf die Gleise aber selten geflogen.

Und wo zogen sich die Kicker und die Unparteiischen um und duschten? Das erfolgte in der 500 bis 600 Meter entfernten alten Turnhalle (wurde 2003 abgerissen) in der Mühlenstraße. Da der Hunteholz-Sportplatz über keine Kanalisation verfügte und keine Toiletten zur Verfügung standen, ging’s im Notfall für das kleinere Geschäft hinter den Baum oder aufs „Örtchen“ zum angrenzenden Tennisheim des TC „Grün-Weiß“ Barnstorf.

„Von der Turnhalle aus haben wir einen Fußmarsch zum Platz gemacht. Entspannt durch den Wald zu gehen und dann zu kicken, das hatte schon das gewisse Etwas“, sagt Barnstorfs früherer Spielertrainer Stefan Müller rückblickend. Als damals 25-Jähriger (er kam vom TuS Blau-Weiß Lohne) kickte er noch eine Saison mit dem BSV auf dem Hunteholz-Sportplatz. Er sicherte sich in der Serie 1988/1989 auf Anhieb mit der Mannschaft die Meisterschaft in der Fußball-Bezirksklasse mit 53:7 Punkten vor dem SC Twistringen (47:13) und dem SV Mörsen-Scharrendorf (43:17). Die Barnstorfer stiegen in die Bezirksliga auf, zogen anschließend in das neue Sundering-Stadion um.

Gehrke und Dilling treffen beim 3:7

Die Anlage wurde am 27. Mai 1989 mit dem Freundschaftsspiel gegen den damals amtierenden deutschen Meister SV Werder Bremen eingeweiht. Die Barnstorfer verkauften sich vor 2 500 Zuschauern gegen das Team (unter anderem wirkten Thomas Schaaf, Frank Neubarth, Dieter Eilts, Jonny Otten und Michael Kutzop mit) von Trainer-Legende Otto Rehhagel teuer, unterlagen nur mit 3:7 (0:4). BSV-Angreifer Detlef Gehrke schoss die Treffer zum 1:5 und 3:7. Frank Dilling erzielte das zwischenzeitliche 2:7. Für den 59-jährigen Detlef Gehrke, heute stellvertretender Vorsitzender beim BSV, hat das Highlight in seiner 15-jährigen Karriere einen besonderen Stellenwert: „Auf diese zwei Tore bin ich schon ganz schön stolz.“

Der Hunteholz-Platz wurde am 5. August 1962 mit dem Spiel zwischen dem Barnstorfer SV und dem SV Marhorst eingeweiht. Die Hausherren siegten damals mit 5:3, das erste BSV-Tor auf dem Feld schoss Lothar Weise, der eigentlich als Keeper zwischen den Pfosten stand, aber in dieser Partie als Stürmer eingesetzt wurde.

Kolkhorst erzielt Ehrentor - 1:3

Auch der 71-jährige Friedel Gehrke, seit 63 Jahren Mitglied beim Barnstorfer SV und älterer Bruder von Detlef Gehrke, kann sich noch an die eine oder andere Begegnung im Hunteholz erinnern. So bezwang der BSV im Huntegau-Pokal am 21. April 1973 den SV Mörsen-Scharrendorf nach Toren von Hans-Joachim Welp und Egon Koch mit 2:0 (0:0). Einen Monat später (20. Mai) ging’s vor 731 Zuschauern im Pokal gegen den Verbandsligisten SC Twistringen. „Beim SCT stand mit Klaus Brüggemann ein Barnstorfer Junge im Tor. Was waren wir heiß auf dieses Spiel – und dann vor so vielen Zuschauern. Es war einfach gigantisch“, unterstreicht der damals als Vorstopper mitwirkende Friedel Gehrke rückblickend. Die Gastgeber unterlagen dem Favoriten am Ende mit 1:3 (0:1). Den Barnstorfer Ehrentreffer markierte Udo Kolkhorst.

Was ist aus dem Hunteholz-Areal geworden? Die Fleckensgemeinde Barnstorf hatte ihr Pachtverhältnis mit der Friedrich-Plate-Stiftung für das Sportgelände im Hunteholz aufgelöst. Der Platz lag zunächst einige Zeit lang brach, wurde dann mit heimischen Laubgehölzen aufgeforstet. An den Sportplatz im Wald erinnern heute nur noch verbogene Metallpfosten, ansonsten dient das Hunteholz als Erholungsgebiet für Barnstorfer Bürger. Der eine oder andere geht im Sommer in das Freizeitbad Hunteholz oder schlägt auf den Tennisplätzen des TC GW Barnstorf auf. Auf alle Fälle ist der Reiz des idyllischen Gebiets geblieben.

Bild aus den 80er-Jahren am Kassenhäuschen (v.l.): Der jahrelange Platzwart und -kassierer Werner Welp (†), Heinz Kühne (†) und der stellvertretende Vorsitzende Klaus Alpers (†) sowie im Hintergrund Richard Gehrke, langjähriger BSV-Geschäftsführer.
Helfereinsatz beim Platzverkauf im Hunteholz: Werner Welp (v.r.), Dr. Karl-Heinz Pelle, Rolf Diehls, Klaus Alpers, Walter Albers, Ralf Habekost sowie von links: Anneliese Albrecht, Hannelore Gehrke, Hildegard Alpers und Helga Müller.

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