LOST PLACES Der alte Vilser (Schlamm-)Platz

Kühles Nass vom Güllefass

Nichts für Warmduscher: Vor mehr als 60 Jahren kam das Wasser für die Spieler noch aus einem Güllefass – auch im Winter.
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Nichts für Warmduscher: Vor mehr als 60 Jahren kam das Wasser für die Spieler noch aus einem Güllefass – auch im Winter.

Keine Duschen, dafür aber ein Güllefass, heiße Erbsensuppe und eine Blaskapelle. Der alte Fußballplatz des SV Bruchhausen-Vilsen am ehemaligen Gasthaus Peters hatte durchaus Charme. Im Rahmen unserer Serie „Lost Places“ erinnern wir heute an diesen verschwundenen Ort.

Bruchhausen-Vilsen – „Der Platz war eng. Die Bande war fast direkt an der Außenlinie, und im Winter glich das Spielfeld oft einer Schlammwüste, weil ja keine Drainage zur Verfügung stand. Die Gegner sind nicht gerade voller Freude zu uns nach Bruchhausen-Vilsen gekommen.“ Das sagen die beiden 69-jährigen Hermann Hamann und Johann Mügge (beides Urgesteine des SV Bruchhausen-Vilsen) über den alten Sportplatz am ehemaligen Gasthaus Peters.

Von 1935 bis 1959 war der Platz die Heimat des 1920 als reinem Fußball-Verein gegründeten Clubs. Hamann und Mügge spielten zwar nie selbst drauf, haben aber als Jungs oft zugeschaut. Vor 1935 spielten die Teams auf einem Platz am Marktplatz. Die jetzige Martplatzarena wird seit 1959 genutzt.

Auch der Bürgermeister war regelmäßig da.

Heinz-Wilhelm Kraft, der mit dem SV Bruchhausen-Vilsen 1955 den Titel in der Fußball-Kreisliga holte.

Zum jetzigen Vilser Areal hat Johann Mügge eine ganz besondere Beziehung. Sein Opa Hermann verpachtete das Gelände an die Samtgemeinde, und die wiederum schloss einen Nutzungsvertrag mit dem Fußballverein. Mittlerweile gehören Enkel Johann die Flächen, die weiterhin an die Gemeinde verpachtet sind. Das angrenzende „Gasthaus Mügge“ wurde von Johann Mügge mittlerweile verkauft. Dass der Verein vom Gasthaus Peters an den Marktplatz umzog, lag daran, „dass geplante Modernisierungsarbeiten am alten Platz nicht vorgenommen werden konnten“, erinnert sich Mügge, der mit dem Verein als Geschäftsführer, Ü 65-Spieler („die Klasse wird von uns als Grabstein-Liga bezeichnet“) und auch Trainer immer noch sehr eng verbunden ist.

Dicht gedrängt verfolgten die Zuschauer die Spiele auf dem alten Vilser Platz am Gasthaus Peters.

Aber auch sein langjähriger Freund Hermann Hamann engagiert sich stark im Verein und ist immer noch im Ältestenrat. Der 69-Jährige, der Mügge schon seit 55 Jahren kennt, war aber auch schon Rechnungsführer und Spieler. Im Kreis Diepholz war er einige Jahre der Vorsitzender des Jugend-Sportgerichts. Aktuell engagiert sich Hamann auch im Rat des Fleckens Bruchhausen-Vilsen.

Doch zurück zum alten Sportplatz. Komfort sah anders aus. „Heutzutage würde da wohl keiner mehr freiwillig drauf spielen. Die Ansprüche sind doch jetzt ganz andere“, sagt Hamann.

Einer, der ganz genau weiß, wie es damals als aktiver Fußballer auf dem alten Platz war, ist Heinz-Wilhelm Kraft. Der jetzt 83-Jährige feierte auf diesem Platz unter anderem die Kreisliga-Meisterschaft und den damit verbundenen Bezirksklassen-Aufstieg im Jahre 1955. Einige Jahre später spielte Vilsen gar in der Amateurliga, der damals vierthöchsten Klasse in Deutschland. Da war Kraft aber nicht mehr dabei. Der jetzige Rentner erinnert sich aber noch ganz genau an die damaligen Umstände: „Eine richtige Umkleidekabine gab es nicht. Umgezogen haben wir uns immer auf dem Saal im Gasthaus. Natürlich gab es auch keine richtigen Duschen. Da stand dann ein Güllefass mit Wasser auf dem Platz, wo wir uns nach dem Spiel waschen konnten. Und im Winter hat uns die Frau Peters immer noch eine Wanne mit warmem Wasser hingestellt, wo wir uns alle gewaschen haben. Eine Wohltat, um den ganzen Schlamm vom Platz wieder los zu werden.“

Im Jahre 1955 holte sich der SV Bruchhausen-Vilsen auf dem Platz bei Peters den Kreisliga-Titel. Mit dabei war auch Heinz-Wilhelm Kraft (5. von links).

Kraft erinnert sich auch noch gern daran, „dass am Sonntag bei den Spielen immer viele Zuschauer kamen. Auch der Bürgermeister war regelmäßig da. Zur Unterhaltung gab es im Ort doch sonst nicht viel. Da wurde auf dem Platz Erbsensuppe gekocht, und eine Blaskapelle hat gespielt. Da war echt richtig was los.“

Kraft wechselte dann jedoch noch zum TV Bruchhausen-Vilsen und machte sich dort in der Zeit von 1986 bis 2002 unter anderem als erfolgreicher Leichtathletik-Trainer einen Namen. So führte er den Neubruchhauser Roman Fricke als A-Jugendlichen zu DM-Titeln im Hochsprung und im Achtkampf.

Die Zeit auf dem Sportplatz bei Peters möchten jedoch weder Hamann, Mügge noch Kraft missen, denn alle Drei betonen immer wieder, „dass der Zusammenhalt innerhalb des Vereins doch wirklich groß war“.

So unkomfortabel die äußeren Umstände vor mehr als 60 Jahren auf dem Platz am Gasthaus Peters auch gewesen sein mögen. Eines würde sich der Verfasser des Textes auch heute bei Spielen in der Martplatzarena wünschen: Eine richtig schöne Erbsensuppe. Blaskapelle muss nicht sein.

Auf dem alten Gelände: Johann Mügge (links) und Hermann Hamann haben sich auf dem einstigen Platz getroffen. Im Hintergrund das ehemalige Gasthaus Peters.
Auf dem jetzigen Gelände: Mügge und Hamann vor der Marktplatzarena, die nun schon seit mehr als 60 Jahren genutzt wird.

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