Stuhrer „Tri-Wölfe“ auf Kona

Oliver Sebrantke und Jan Neubauer finishen beim Ironman auf Hawaii

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Geschafft! Oliver Sebrantke beim Überqueren der Ziellinie auf dem Ali’i Drive in Kona.

Kona - Von Malte Rehnert. Wasserfälle angucken, einen Vulkan auch. Und ein wenig Wellenreiten. Und Schnorcheln. All das auf Hawaii. Und auf dem Rückweg am Wochenende ein kurzer Aufenthalt in Los Angeles. Das sind für Oliver Sebrantke die Punkte auf seiner ganz persönlichen Belohnungsliste.

„Jetzt ist Genuss angesagt. Meine Freundin und ich machen nun Urlaub. Und endlich kann ich alles essen“, sagte der 41-Jährige. Am Sonntag hatte er – genau wie sein Vereinskollege Jan Neubauer von den „Tri-Wölfen“ des LC Hansa Stuhr – den legendären und vor allem wegen der großen Hitze gefürchteten Ironman bewältigt.

„Ich habe wirklich schon vieles erlebt, auch ein paar verrückte Sachen – aber noch nichts Vergleichbares. Man kann das eigentlich alles nicht so richtig in Worte fassen“, meint Sebrantke: „Hawaii ist für mich die Krönung.“ Der Triathlon auf der paradiesischen Inselkette im Pazifik gilt als der schwerste der Welt. „Und jetzt weiß ich, dass das stimmt“, urteilt Sebrantke. Nach 9:43,09 Stunden war er im Ziel, Neubauer brauchte fast eine Stunde länger (10:42,58).

„Ich konnte die bunten Fische sehen“

Bevor er mit seiner Frau, seinem Kind und seinen Eltern vor Ort ein paar freie Tage genoss, gab Neubauer auf der Vereinshomepage noch ein kurzes Statement ab – und haderte ein bisschen: „Ich hatte leistungstechnisch einen eher gebrauchten Tag erwischt und ziemlich mit der Hitze zu kämpfen. Ich freue mich aber sehr, das Rennen ins Ziel gebracht zu haben.“ Zudem gratulierte der 38-Jährige dem anderen „Tri-Wolf“ Sebrantke: „Olli hat ein ganz starkes Rennen in Asphalt und Pazifik gebrannt. Chapeau.“

Für Marathon-Spezialist Sebrantke, der noch nicht allzu lange im Triathlon aktiv ist, waren die 3,8 Kilometer Schwimmen im offenen Meer das Schönste am ganzen Wettkampf. „Das hat mich echt umgehauen“, schwärmt er: „Mit fast 2 500 Athleten gleichzeitig starten, das Wasser warm wie in der Badewanne – und glasklar. Ich konnte während des Schwimmens die bunten Fische unter mir sehen.“ 

Das übliche Hauen und Stechen bei einem so riesigen Teilnehmerfeld störte ihn nicht: „Man bekommt mal eine Hand auf den Kopf oder einen Fuß ins Gesicht. Aber das gehört dazu, das macht keiner mit Absicht. Und man teilt ja auch aus.“ Nach einer Stunde und zwölf Minuten stieg Sebrantke zufrieden aus dem Wasser. „Ich war nur etwas langsamer als Jan, der sonst deutlich schneller ist als ich.“

Aufholjagd auf der Radstrecke

Auf der 180 Kilometer langen Radstrecke schloss der eine Stuhrer dann zum anderen auf. Sebrantke: „Als ungefähr 60 Kilometer gefahren waren, habe ich vor mir jemanden in Orange und Blau gesehen. Ich dachte: ein Holländer oder Jan.“ Es war Neubauer, an den er sich herangearbeitet, mit dem er ein paar Worte gewechselt und von dem er sich dann – etwa bei Kilometer 120 – etwas abgesetzt habe.

Jan Neubauer hatte „ziemlich mit der Hitze zu kämpfen“ – und zog beim Laufen den Reißverschluss seines Renn-Outfits auf.

Die abschließenden 42,195 Laufkilometer, teilweise an Lavafeldern entlang, wollte Sebrantke dann eigentlich unter drei Stunden schaffen. Es gelang ihm nicht – und er seufzt: „Der Marathon war nicht schön. Das Gefühl, dass ich gleich einbreche, kenne ich sonst nicht. Die erste Hälfte ging, aber dann war es gefühlt nur noch eine Qual.“ 

Die krassen Bedingungen umschreibt Sebrantke wie folgt: „Von links kam die Hitze, von rechts, von hinten, dazu Wind wie aus einem Föhn. Der Asphalt war so heiß, dass man dachte, das Gummi der Schuhe schmilzt. Und von oben ballerte die Sonne.“ Und es sei auf diesem Streckenabschnitt „kein Mensch“ zum Anfeuern gewesen. „Ans Aufgeben habe ich nicht gedacht, aber ans Gehen“, gesteht Sebrantke: „Mal eben nur zehn Meter oder so.“ Doch er riss sich am Riemen, denn: „Gehen ist ein No-Go.“

Am Ende war Sebrantke „super zufrieden. Ich hatte ungefähr kalkuliert, dass ich eine Stunde langsamer bin als in Hamburg.“ In der Hansestadt hatte er im August in 9:22,23 Stunden sein Hawaii-Ticket gelöst – nun war er etwa 40 Minuten schneller als gedacht.

Zieleinlauf wie in Trance

Den Zieleinlauf auf dem berühmten Ali’i Drive in Kona erlebte Sebrantke „wie in Trance. Ich kann mich gar nicht mehr richtig daran erinnern. Ich war so erschöpft, dass ich keinen klaren Gedanken fassen konnte. Nach fünf Minuten ging es wieder.“

Die Strapazen des Wettkampftags, an dem er „zehn bis 15 Liter getrunken“ hatte, habe Sebrantke „sehr gut verkraftet. Ich habe meine Freundin, die gelaufen ist, schon wieder ein bisschen auf dem Rad begleitet.“

Nach dem Ironman ist die Ausdauersport-Saison für den 41-Jährigen so gut wie beendet. „Mitte November laufe ich noch den Athen-Marathon“, kündigt Sebrantke an: „Aber das soll mehr zum Spaß sein.“ Und würde er noch mal auf Hawaii antreten? „Momentan würde ich Nein sagen. Einmal reicht mir.“

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