Neuer Trainer kommt von Regionalliga-Konkurrent Oberneuland

Kristian Arambasic soll Rehden retten

Ab sofort gibt er in Rehden die Richtung vor: Kristian Arambasic wechselt Regionalliga-intern vom FC Oberneuland in die Waldsportstätten. Seine Mission sowohl bisher beim FCO als auch nun beim BSV: den Abstieg verhindern.
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Ab sofort gibt er in Rehden die Richtung vor: Kristian Arambasic wechselt Regionalliga-intern vom FC Oberneuland in die Waldsportstätten. Seine Mission sowohl bisher beim FCO als auch nun beim BSV: den Abstieg verhindern.

Rehden – Kristian Arambasic hatte den BSV Rehden mächtig geärgert. Damals, Ende August, trotzte er dem Favoriten auf dessen eigenem Platz mit dem FC Oberneuland einen 3:2-Sieg ab – nach zweimaligem Rückstand. Trotz allen BSV-Frusts hinterließ der Fußball-Trainer bei den Verantwortlichen der Schwarz-Weißen aber einen bleibenden Eindruck. Und zwar einen derart positiven, dass der 44-Jährige mit sofortiger Wirkung den Posten des Chefcoaches beim Nord-Regionalligisten übernimmt!

Am Freitagabend verabschiedete er sich von „seinem“ FCO, den er seit 2017 betreute und 2020 aus der Bremen- in die Regionalliga führte. „Das wird emotional“, ahnte er schon vorher: „Ich bin dem Verein unendlich dankbar für alles, aber vielleicht ist es jetzt nach viereinhalb Jahren genau die richtige Zeit für mich und die Spieler, dass etwas Neues kommt.“

Schon Montag erste Einheit mit der Mannschaft

Für Rehdens Vereinspräsident Friedrich Schilling kommt hingegen kein gänzlich „Neuer“ in die Gemeinde: „Ich kenne Herrn Arambasic schon seit Jahren und habe mich auch ein paarmal mit ihm unterhalten – aber ich wusste nicht, dass er eine Ausstiegsklausel in seinem Vertrag hat“, gestand der Club-Boss. Nun erfuhr er es – zum Leidwesen des FCO und zum Frohlocken des BSV: Schon am Montag leitet Arambasic sein erstes Training in den Waldsportstätten und beerbt damit den Mitte Dezember entlassenen Andreas Golombek.

Gutes Verhältnis: Vor ihren Regionalliga-Duellen tauschten sich Kristian Arambasic und Andreas Golombek angeregt aus. Jetzt tritt Oberneulands bisheriger Coach die Nachfolge des in Rehden entlassenen Golombek an.

Einen Kollegen, den der Uefa-A-Lizenz-Inhaber überaus schätzt: „,Golo’ hat hier in Rehden eine Mannschaft aufgebaut, die guten Fußball gezeigt hat, und wir zwei haben ein Super-Verhältnis.“ Nach jenem 3:2-Sieg hatte er ihn in der Pressekonferenz sogar gegen Kritik verteidigt. Nun steht der Vater dreier Kinder bei den Schwarz-Weißen selbst im Fokus.

Zur Person: Kristian Arambasic

Kristian Arambasic (44) ist ein „Kind“ des Bremer Fußballs. Als Spieler schnürte er unter anderem für den SC Weyhe die Schuhe, zu dem er nach Intermezzi bei der SG Aumund-Vegesack und Eintracht Delmenhorst zwischen 1999 und 2002 zweimal zurückkehrte. Nach weiteren Stationen beim VfL 07 und Aumund-Vegesack II trainierte er Vegesacks Erste in der Bremen-Liga bis Sommer 2014 (legendär: seine mitreißende Kabinen-Ansprache vor dem DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim). Es folgten drei Monate als Coach bei Regionalligist VfB Oldenburg und zwei Jahre bei Bremen-Ligist Brinkumer SV (bis Sommer 2017), denen sich nun viereinhalb Jahre in Oberneuland anschlosen. Auszug aus Arambasics Bilanz: je drei Bremer Pokal- und Hallenmasters-Siege, Meister der Bremen-Liga 2020, Bremer Trainer des Jahres 2019. ck

„Erst einmal muss ich die Mannschaft kennenlernen – und wir müssen zusammen aufarbeiten, warum wir jetzt so dastehen.“ Und zwar in der Abstiegsrunde mit nur neun aus der Hinserie mitgenommenen Punkten – eine prekäre Situation: „Sechs der zwölf Clubs steigen ab – also 50 Prozent“, mahnt Arambasic: „Für ein Team, das lange die Aufstiegsrunde als Ziel hatte, ist das natürlich ein Motivationsschock. Aber woran hat es gelegen? Nur am Trainer? Das ist mir zu einfach.“

Die ersten Hebel will er hinten ansetzen, weiß er mit Blick auf die „viel zu vielen Gegentore“. 35 Mal schlug es in den 18 Partien des Südstaffel-Siebten ein – genauso oft wie bei Schlusslicht Oberneuland. Zu denken gibt dem neuen Übungsleiter, dass viele Treffer nach der 70. Minute fielen: „Da braucht man kein Fußball-Fachmann zu sein, um zu erkennen, woran es liegt.“ Die offenbar konditionellen Defizite gelte es jetzt, durch „Hochschrauben der Ausdauer“ zu minimieren.

Parallel will der Sozialpädagoge in vielen Einzelgesprächen erfahren, „was ich der Mannschaft zurzeit überhaupt zumuten kann“. Dann hofft er, den Akteuren nach und nach seine Spielidee näherbringen zu können: „Dazu zählt vor allem, dass wir auf dem Platz sauber arbeiten, taktisch diszipliniert auftreten – und dass jeder erkennt, dass keiner allein gewinnen kann, sondern nur zusammen als Mannschaft.“

„Ein paar Arambasics bleiben ja noch in Oberneuland“

Natürlich erfuhr er es als erster Spieler des FC Oberneuland – und Alessio Arambasic sei „sehr traurig“ gewesen, als Papa Kristian der Familie seine Entscheidung für den BSV Rehden mitteilte. Arambasics Sohn schaffte es nach dem Wechsel aus der A-Jugend des JFV Nordwest zum FCO sofort in den Stamm des Regionalliga-Teams, bestritt im defensiven Mittelfeld 17 von 18 möglichen Partien. Nun folgt der 19-Jährige nicht dem Vater. „Mir war wichtig, dass ein paar Arambasics noch hier bleiben“, scherzt der scheidende Coach. Damit meint er auch seine Frau Mirian, die sich im Club unter anderem um die Homepage und Facebook-Präsenz kümmert – und nun auch um die Sponsoren, was bisher ihr Mann mit erledigte. ck

Diese Grundsätze kamen in den Gesprächen mit der Clubführung gut an. Von allen in Erwägung gezogenen Kandidaten „hat uns Arambasic am besten gefallen“, sagt Schilling zu den gemeinsamen Überlegungen mit seinen beiden Sportvorständen Rüdiger Hoppe und Sandy Peter Röhrbein: „Er kennt die Regionalliga bestens, wohnt in Bremen, damit also ziemlich in der Nähe – und es passt auch von den anderen Parametern her.“

Den ersten Kontakt stellten die Rehdener kurz vor Weihnachten her, „das war aber eher ein loses Abtasten“, schildert Arambasic. Derartige Anrufe habe es schon „zu Zeiten von Michael Weinberg gegeben“, berichtet er von damaligen Sondierungen mit dem Mann, der bis zum Februar Sportvorstand in Rehden war.

Gabel amüsiert über Gerüchte

Dass sein Name in der Gerüchteküche umherschwirrte, amüsierte Mike Gabel schon ein wenig. Als sich am Freitag die Nachricht verbreitete, dass Kristian Arambasic als Trainer des FC Oberneuland aussteigt, wurde Gabel als möglicher Nachfolger gehandelt. „Das ist ja schön zu hören! Wer sagt denn sowas?“, entfuhr es dem Trainer des Bremen-Ligisten Brinkumer SV. Im selben Atemzug stellte er jedoch klar: „Es gab bis zum jetzigen Stand keine Gespräche mit Oberneuland. Ganz davon abgesehen, erfahre ich hier in Brinkum eine gewisse Wertschätzung – und weiß das auch zu würdigen.“ Gabel denkt also nicht an einen Wechsel, und der FCO offenbar aktuell auch nicht an eine Neuverpflichtung für sein Trainerteam. Stattdessen soll einer von Arambasics Assistenten aufrücken, wie der scheidende Coach verriet: „Es ist geplant, dass mein Co-Trainer Daniel Prause erst mal meine Aufgaben übernimmt. Ob das auf Dauer sein wird, muss man dann sehen.“ ck

Vorige Woche nahmen die Verhandlungen Fahrt auf – mit dem Ergebnis, dass der Bremer dem Liga-Konkurrenten zusagte. Am Saisonziel ändert sich für Arambasic nichts: Sowohl mit Oberneuland als auch mit dem BSV „geht es nur um den Klassenerhalt. Das wird schwierig, aber sechs Wochen Zeit bis zum ersten Pflichtspiel sind nicht schlecht. Und ich hoffe, dass jeder aus der Mannschaft begreift, dass das jetzt ein Neustart für alle ist.“

Von Cord Krüger

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