„Schwerster Entscheidung meines Lebens“

Daniel Korobkos Karate-Rückzug – „Es ist schade“

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In diesem Outfit ist Daniel Korobko (rechts, hier bei der Europameisterschaft in Aalborg) seit knapp einem Jahr nicht mehr zu anzutreffen.

Syke - Er ist hochtalentiert, war bei einer Europameisterschaft und in seiner Gewichtsklasse erste Wahl beim Bundestrainer – und doch hat Daniel Korobko im März seine Karate-Karriere beendet, bevor sie so richtig losgehen konnte. „Obwohl er seinen ersten und damit einzigen Kampf bei der EM verloren hat, gab es sportlich keinen Grund aufzuhören“, verrät Korobkos Heimtrainer Björn Strote vom Skip Syke: „Er hat nur positives Feedback bekommen. Darum kam die Entscheidung für mich sehr überraschend.“

Für den heute 16 Jahre alten Korobko war die Niederlage im dänischen Aalborg hingegen eine weitere kleine Entscheidungshilfe in seinem Denkprozess. Er machte zwar zunächst noch eine Zeit lang weiter, nach seinem dritten Platz bei den Open International Youth of Orleans in Frankreich knapp einen Monat später teilte er Strote seine Entscheidung allerdings mit. „Bronze war für mich ein ganz schöner Abschluss“, erzählt Korobko.

Und dennoch war die Medaille ein weiterer Beleg für die Aussage seines Trainers, dass die Gründe für den Rückzug dieses so talentierten jungen Sykers nicht im sportlichen Bereich zu finden sind. Stattdessen zählt Korobko andere Punkte auf. „Ich musste immer meine Gewichtsklasse halten, dafür meist abnehmen. Das wollte ich nicht mehr“, erklärt er: „Außerdem habe ich gemerkt, dass ich für die Zeit, die ich investiert habe, nicht genug zurückbekommen habe.“ Das macht er einem Beispiel fest: „Ich kenne jemanden, der bei Werder spielt und ähnlich viel investiert, aber schon Geld dafür bekommt.“

Beides Faktoren, die Korobkos Entscheidung beeinflusst haben. Der Hauptgrund ist allerdings ein anderer, der so simpel wie verständlich klingt: Zeit. Gerade für die Schule. Der Gymnasiast ist derzeit in der zehnten Klasse, 2023 steht voraussichtlich das Abitur an. „Karate war zwei Jahre lang der größte Teil meines Lebens, ich hatte jeden Tag Training, war jedes Wochenende zum Beispiel für Turniere weg“, erklärt Korobko, dem das Ganze einfach „zu viel“ geworden sei: „Ich habe gemerkt, wie drastisch in dieser Zeit mein Notenschnitt runtergegangen ist.“ Seitdem sei es in der Schule deutlich besser gelaufen, außerdem habe er nun Zeit, durch einen Nebenjob (bei Subway) schon ein bisschen Geld „für den Führerschein oder ein Studium“ zu verdienen. Beides Gründe, die ihn „die bisher schwerste Entscheidung meines Lebens“ nicht bereuen lassen: „Ab und zu kommt schon noch mal so ein komisches Gefühl hoch, aber im Großen und Ganzen bin ich ganz glücklich.“

Im Gegensatz zu Strote, der logischerweise „enttäuscht“ ist: „Und ich glaube, das kann mir auch keiner übel nehmen.“ Dennoch betont er immer wieder, dass es zwischen ihm und seinem ehemaligen Schüler „null“ böses Blut gebe und er die Entscheidung verstehen kann. Zu einem ähnlichen inneren Zwiespalt führt bei Strote die immer noch bestehende Beziehung zu Korobko, der nicht nur selbst ein hervorragender Karateka war, sondern beim Skip auch Training gegeben hat. Der 16-Jährige schaut noch immer bei den Einheiten vorbei und coacht bei Turnieren – wenn es sich zeitlich einrichten lässt. „Ja, ich freue mich darüber“, sagt Strote auf der einen Seite klar, auf der anderen hört es sich so an: „Es ist schwer anwendbar, weil Training etwas planmäßig, strukturiertes ist. Und es wird eben schwierig, wenn es seltener wird. Die Kids schauen zu Daniel auf, weil er gut war, weil er bei einer EM war. Aber je mehr Abstand er gewinnt, desto weniger wird das.“

Strote hofft „jeden Tag, jede Woche darauf, dass sich etwas Neues auftut, und Daniel vielleicht so plötzlich anders denkt, wie seine Entscheidung damals auch gefallen ist“. Im Moment sieht es allerdings nicht danach aus. „Ich habe eigentlich komplett damit abgeschlossen“, meint Korobko. „Es ist einfach schade“, fasst sein Ex-Coach zusammen: „Ich glaube, das ist eine gute Überschrift für dieses Thema.“

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