Bassums Pistolenschütze Denis Rother hat sein Hobby zum Beruf gemacht

Keller der Glückseligkeit

Es gibt schlechtere Arbeitsplätze: Denis Rother bei der Inbetriebnahme des neuen Kleinkaliberstands in Gibraltar. Der Luftpistolenschütze des SV Bassum von 1848 arbeitet nicht nur für eine Firma, die elektronische Schießstandanlagen herstellt, sondern geht auch regelmäßig für die Bassumer in der Bundesliga auf Ringe-Jagd. Fotos: Rother/Krüger

Bassum/Melle - Von Julian Diekmann. Denis Rother gehört ohne Zweifel zu den besten Luftpistolen-Schützen in Deutschland. Bereits seit vielen Jahren geht er für den SV Bassum von 1848 in der Bundesliga Nord auf Ringe-Jagd. Und er hat gegenüber seinen Teamkollegen einen entscheidenden Vorteil.

Wenn der 39-Jährige dem Training in der „Lindenstadt“ mal nicht beiwohnen kann, dann begibt sich Rother nach Dienstschluss einfach in das Kellergewölbe seines Arbeitgebers Meyton Elektronik GmbH. „Theoretisch kann ich auch bei der Arbeit trainieren“, berichtet Rother freimütig. Denn sein Arbeitgeber mit Sitz in Melle-Bruchmühlen (Landkreis Osnabrück) zählt weltweit zu den führenden Herstellern elektronischer Schießstandanlagen. Und genau so eine befindet sich eben auch im Keller von Meyton Elektronik, für die Rother seit 2017 angestellt ist. „Es kommt hin und wieder vor, dass ich beruflich enorm eingespannt bin. Dann ist es für mich nicht immer möglich, unter der Woche den weiten Weg nach Bassum zu finden. Immerhin fahre ich pro Strecke gut eine Stunde“, erklärt Rother, der in der Nähe seines Arbeitgebers wohnt: „Ich habe dann die Möglichkeit, im Keller zu üben und an meiner Technik zu feilen.“

Und diese Alternative nimmt Rother, der bei seiner Firma als Supportleiter arbeitet, gerne wahr. „Gerade, wenn ich vor wichtigen Wettkämpfen stehe oder neben der Luftpistole andere Disziplinen trainiere, ist es natürlich ein entscheidender Vorteil“, gesteht Rother, der auch daheim alle Vorrichtungen für einen eigenen Schießstand besitzt: „Nur leider fehlt mir zu Hause der nötige Platz, um die Anlage aufzubauen.“ Umso besser, dass er sich in den Keller seiner Firma zurückziehen kann. „Das ist eine praktische Alternative zum Training in Bassum“, sagt der gebürtige Bremer, der Anfang der 1990er-Jahre beim SV Oberneuland die Liebe zum Schießsport für sich entdeckte.

Vor wenigen Jahren hat Rother sein Hobby dann zum Beruf gemacht. „Das war aber eher ein Zufall“, erinnert er sich noch gut zurück: „Bei der deutschen Meisterschaft 2016 in München bin ich zufällig mit dem technischen Leiter von Meyton, Steffen Hoffmann (heute Geschäftsführer, Anm. Red.), ins Gespräch gekommen. Er erzählte mir damals, dass seine Firma händeringend nach einem Techniker sucht. Also habe ich mich einfach mal bei der Firma beworben, da ich nach meiner Bundeswehrzeit eine Weiterbildung als Maschinenbautechniker abgeschlossen hatte und schon immer technikaffin war.“ Ein Bewerbungsgespräch später hatte Rother den Job, fing damals als Servicetechniker im Innen- und Außendienst an und stieg wenig später zum Supportleiter auf.

In dieser Funktion ist Rother für sein Unternehmen weltweit im Einsatz – vorzugsweise im asiatischen Raum. „Ich war gerade erst für zwei Wochen in Japan, habe dort die nationale Meisterschaft begleitet. Ich war dafür zuständig, dass die Anlage reibungslos funktioniert. Mit 3 500 Teilnehmern war es zudem ein sehr großes Event“, blickt Rother nicht ohne Stolz zurück: „Ich bin aber auch des Öfteren in China unterwegs. Der Schießsport hat sowohl dort als auch in Japan einen hohen Stellenwert.“ Selbst in Australien, wo die Anlagen seiner Firma, die sich 1991 gründete, genutzt werden, war er schon. Auch wenn der fünfte Kontinent jetzt nicht unbedingt zur Weltspitze im Schießsport zählt. „Das sind eher Nationen wie Russland, Ukraine, China oder Japan. Aber auch Deutschland muss sich vor denen nicht verstecken. Wir sind mit diesen Top-Nationen auf Augenhöhe“, weiß der Rother, der gerne einmal die Schießstandanlagen für die Olympischen Spiele technisch überwachen würde.

Aber auch ohne Olympia hat der Bassumer Sportschütze durch seinen Beruf einiges erlebt. Als er in Süddeutschland Ende 2018 bei einem Bundesliga-Wettkampf für seine Firma im Einsatz war, hat er den fast perfekten Durchgang beobachtet. Damals schoss die Ukrainerin Olena Kostevych, Olympiasiegerin von Athen 2004 und einst für die Sportschützengilde Bassum 98 aktiv, unglaubliche 399 von 400 Ringen – ein fantastischer Bundesliga-Rekord. „So etwas habe ich vorher noch nicht gesehen“, sagt Rother, der gerade mit Bassum das Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft verpasst hat: „Das ist natürlich schade. Aber wir greifen in der neuen Saison wieder an.“

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