Hammerhartes Auftaktprogramm für Bezirksliga-Aufsteiger Wagenfeld / Müller verteidigt großen Kader

Keine Schonzeit für „Feierbiester“

Wagenfeld - Von Cord KrügerWenn sich Stefan Müller jetzt auf dem Trainingsplatz umsieht, hegt er Hoffnung. Hoffnung, „dass diese grausamen Zeiten der Vergangenheit angehören“, wünscht sich der Trainer des TuS Wagenfeld. Wer ihn so reden hört, könnte meinen, dass seine Mannschaft gerade einen Abstieg hinter sich hat. Dabei sicherte sich das junge Team souverän die Kreismeisterschaft und damit den Aufstieg in die Bezirksliga. Doch Perfektionist Müller ging anscheinend phasenweise durch die Hölle.

„Da hatten wir zwischenzeitlich nur 14, 15 Leute, die fit waren. Und als wir fünf Spieltage vor Schluss die Meisterschaft sicher hatten, haben meine Jungs nur noch einen Sieg zustande gebracht“, kritisiert der Coach die verbesserungswürdige Einstellung seiner „Feierbiester“. Dass es die junge Truppe mit einem Durchschnittsalter von 24 Jahren gern mal krachen lässt, kennt der 50-Jährige nach inzwischen zwei Jahren als „Chef“. „Und ganz klar: Die mannschaftliche Geschlossenheit ist unsere größte Stärke. Aber in der neuen Liga reicht das nicht. Deshalb werde ich jetzt gewisse Reizpunkte setzen.“

Vier dieser Reizpunkte sind schon jetzt unübersehbar: die Neuverpflichtungen Marius Oprea und Muharem Sünün vom Landesliga-Absteiger SG Diepholz sowie Danny Lange vom BSV Rehden II und Hauke Wendt vom FC Sulingen II. Somit zählt der Kader jetzt 24 Mann – doch Müller wehrt sich gegen den Einwand der personellen Überbesetzung: „Wir haben acht Studenten dabei, die stehen mir also ab Oktober wieder nur sporadisch zur Verfügung. Und wenn sie am Wochenende nach Hause kommen, freuen sie sich so sehr über die Heimkehr, dass sie schon mal von Freitag bis Samstag feiern…“

Die Neuen hingegen beleben den Konkurrenzkampf – und könnten Müller beim Einstudieren eines neuen Systems helfen: „In der Kreisliga haben wir nicht mit einer Viererkette gespielt. Und ich will auch nicht dahin kommen, dass wir das fest einführen – denn dann beraube ich einen Thorsten Dünnemann seiner großen Stärken“, sagt der Fußball-Lehrer über seinen Libero. Lange habe in der Vorbereitung „absolut überzeugt“ und zeige seine Stärke in den Zweikämpfen. Auch Sünün zeigte seine Stärken in Eins-gegen-Eins-Situationen – „darüber hinaus ist er stark am Ball und schnell“. Oprea hingegen könnte das Wagenfelder Problem auf der rechten Mittelfeldseite lösen, urteilt Müller über den technisch versierten Rumänen.

Verstärkung Nummer vier ähnelt laut Trainer-Gutachten einem ungeschliffenen Rohdiamanten: „Ich bin froh, dass wir Hauke Wendt bekommen haben. Das ist ein begnadeter Zehner – und der FC Sulingen wusste das auch, deshalb galt er ja schon letztes Jahr als Kandidat für die Erste und sollte auch diesmal bleiben. Hauke muss sich aber noch an die höheren Anforderungen der Liga gewöhnen.“

Und dann ist da noch ein Neuzugang, der den TuS-Fans bereits bestens bekannt ist: Dennis Mentner kehrt nach zwei Jahren beim SV Mörsen-Scharrendorf und fast ebenso langer Leidenszeit wegen seines zweiten Kreuzbandrisses zurück: „Er wurde hier schon so etwas wie der Messias von Wagenfeld gefeiert. Mal sehen, wie schnell er sich wieder herankämpfen kann“, sagt Müller.

„Unsere Defizite liegen im Offensivbereich – da ist nur Cristian Nasui gesetzt“, verdeutlicht der 50-Jährige. Ganz hinten weiß er um die Zuverlässigkeit von Keeper Torben Kolkhorst, doch trotzdem: „Für uns kann es von Anfang an nur um den Klassenerhalt gehen. Eine Schonzeit bekommt sowieso keine Mannschaft, aber wir haben noch ein hammerhartes Auftaktprogramm“, sagt der Barnstorfer über die drei Auswärtsspiele in den ersten vier Partien. Aber wer weiß: Vielleicht bewahren sich seine Jungs den Elan der Vorbereitung und schrauben ihre tänzerischen Einlagen außerhalb des Platzes ein wenig zurück…

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