Torwart-Dauerbrenner mit 59 wieder im Barrier Kreisliga-Kasten

Köitschs Hochzeitstag mit Handschuhen

Karsten Köitsch im Gladbach-Trikot
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Seit etwa 40 Jahren ist Karsten Köitsch Torwart im Herrenbereich – als Trainer stand er unter anderem bei der TSG Osterholz-Gödestorf an der Seitenlinie. Mit 59 spielte der Gladbach-Fan kürzlich wieder in der Kreisliga für den TSV Barrien.

Er ist die personifizierte Fußball-Verrücktheit: Karsten Köitsch lebt seit Jahrzehnten sein Hobby enthusiastisch aus. Jetzt half der 59-Jährige sogar wieder bei der ersten Mannschaft des Kreisligisten TSV Barrien aus. Wie Köitsch tickt, zeigte sich auch bei seiner Hochzeit 1994.

Barrien – „Die ganze Familie“, findet Karsten Köitsch, „ist ein bisschen fußballverrückt“. Nun, auf seine Frau Corinna sowie Tochter Milena und Sohn Lukas mag diese Beschreibung zutreffen. Auf ihn selbst eher nicht. Da ist „ein bisschen“ ein bisschen untertrieben. Beispiel gefällig? Bitteschön! Nehmen wir den 17. Oktober. Köitsch spielt mit der Ü50 der SG Barrien/Gessel beim TuS Sudweyhe.

Und da hatte Daniele Guerra, Coach der Barrier „Ersten“, so eine Idee. „Er hat gesagt: ,Wenn du eh da bist, kannst du doch danach noch bei uns ins Tor gehen‘“, erzählt der Keeper. Er tat es tatsächlich und spielte wieder in der Kreisliga. Mit 59 Jahren! Seine Frau und sein Sohn schauten zu, wollten danach aber wieder nach Hause. Köitsch blieb und zog sich anschließend noch die Bezirksliga-Partie seines langjährigen Vereins SV Heiligenfelde rein. „Da war ich dann insgesamt sieben Stunden auf dem Sudweyher Sportplatz“, rechnet er zusammen.

Aktiv in der Ü50, Ü40, Zweiten und Ersten: „A-Jugend darf ich ja leider nicht mehr spielen“

Solche Tage sind zwar auch bei ihm selten, kommen aber immer mal wieder vor. Denn Köitsch hilft in Barrien, wo er kann, spielt mehr Fußball denn je – er hat in dieser Saison schon vor Sudweyhe mal in der „Ersten“ zwischen den Pfosten gestanden: „Gegen Bramstedt vor ein paar Wochen.“ Auch in der vergangenen Serie war der Schulhausmeister mehrfach quasi fußballerischer „Feuerwehrmann“ beim Kreisligisten. In der „Zweiten“ mischte er ebenfalls schon mit. Und in der Ü40 und Ü50 sowieso. „A-Jugend darf ich ja leider nicht mehr spielen“, sagt er und lacht: „Aber sonst mache ich alles, was geht.“

Er kann in der Kreisliga noch mithalten. Es ist ein Wunder, aber es ist so!

Daniele Guerra, Trainer des Kreisligisten TSV Barrien, über Karsten Köitsch (59)

Als Torwart bewege man sich ja nicht so viel und könne bis in ein höheres Alter aktiv sein, meint Köitsch. Beispiele hierfür gibt es auch im Profibereich. Italiens Ikone Gianluigi Buffon etwa kann es noch immer nicht lassen. Aktuell steht „Gigi“ beim Zweitligisten Parma Calcio unter Vertrag. Er ist 43 – ein Alter, über das Köitsch schmunzelt: „Dann kann er ja noch 20 Jahre weiterspielen . . .“

Coach Guerra ist voll des Lobes

Beim noch sieglosen Tabellenletzten Barrien sind sie natürlich heilfroh, den Joker Köitsch bei Bedarf ziehen zu können. Kürzlich fielen die etatmäßigen Keeper Jan Finkendei, Mario Radtke und Florian Bries aus, Ü40-Torwart Jan Trümper wurde wegen der großen Personalnot als Ersatzfeldspieler gebraucht. Und „Kalle“, wie sie ihn alle nennen, zog sich die Handschuhe an. „Ich würde es jederzeit wieder so machen“, sagt Coach Guerra über das Comeback seines Torwarttrainers – und fügt anerkennend hinzu: „,Kalle ist noch topfit. Die Reflexe? 100-prozentig! Er hat gut gehalten und trug keine Schuld an den Gegentoren.“

Doch da muss Köitsch sanft widersprechen. Gleich fünfmal musste er gegen Sudweyhe II (0:5) hinter sich greifen und urteilt selbstkritisch: „Zwei der Tore hätte ich mit Mitte 30 noch verhindert. Die Fitness kann mit fast 60 nicht mehr so da sein.“ Das Torwartspiel verlerne man zwar nicht, aber: „Man kommt eben nicht mehr in die letzte Ecke, gerade bei den großen Toren.“

Auch Ehefrau Corinna ist Fan der „Fohlenelf“

Das war früher freilich noch anders. Bei seinem Stammverein in Barrien durchlief Köitsch alle Jugendmannschaften und schaffte den Sprung in die erste Herren. Seine erfolgreichste Zeit hatte er dann beim SV Heiligenfelde, wo er sich kreisweit einen Namen machte und die meisten seiner schönsten Momente als Torwart erlebte (siehe Steckbrief). Und wo er seine Frau kennenlernte. Corinna hatte in Mönchengladbach studiert und war Borussia-Fan. Wie er auch. Das passte. „Ich glaube, dass man sich mit zehn, elf Jahren orientiert, was für ein Fan man wird. Und Gladbach hatte damals seine große Zeit“, erinnert sich Köitsch. Seine Kinder – Milena spielt in Heiligenfelde, Lukas in Gödestorf, beide arbeiten auch in den jeweiligen Spartenleitungen – fiebern ebenfalls mit der „Fohlenelf“ mit. „Das“, sagt Köitsch und lacht wieder, „ist die gute Erziehung“.

Kuriose Anekdote am Hochzeitstag

Oft schaut die Familie (wohnt in Gödestorf) auch bei seinen Partien zu. Wie oft er aber noch beim Kreisliga-Team einspringt, vermag der 59-Jährige nicht zu sagen. Fakt ist, dass der Körper es nach wie vor mitmacht: „Den Tag danach habe ich schon schlimmer erlebt als in Sudweyhe, das ging. Nach dem Torwarttraining tun mir die Knochen manchmal mehr weh.“ Der Dauerbrenner, der seine Karriere im Herrenbereich nach einem Kreuzband-riss 2009 eigentlich beendet hatte, will weiterhalten – solange es ihm Spaß macht. Er sagt: „Wenn sie mich brauchen, bin ich da!“ Nur auf Kunstrasen – wie in Sudweyhe – muss es wegen des härteren Bodens nicht mehr unbedingt sein. „Als ich hörte, dass wir auf Kunstrasen spielen, ist mir die Kinnlade runtergefallen“, berichtet Köitsch. Und trotzdem stellte er sich in die Kiste. Er ist eben ein Fußballer, auf den man sich verlassen kann.

Hierzu noch ein zweites Beispiel, wie „Kalle“ so tickt, wenn es um seinen Sport geht. 1994 heirateten die Köitschs standesamtlich. Es war ein Freitag. Anschließend folgte eine kleine Feier mit den Trauzeugen und den Eltern in „Vollmer‘s Gasthaus“ in Syke. Zum Empfang gab es auch ein, zwei Gläschen Sekt. Das gehört ja dazu. Doch nach dem Essen musste Köitsch los. „Wir haben um 19.30 Uhr in Bramstedt gespielt, da stand ich im Tor. Und Corinna hat zugeguckt“, erzählt der Fußballverrückte und ergänzt: „Ich bin echt froh, so eine verständnisvolle Frau zu haben.“

Steckbrief

Name: Karsten Köitsch

Alter: 59

Geburtsort: Bremen

Familienstand: verheiratet mit Corinna (55), Tochter Milena (25), Sohn Lukas (21)

Beruf: Schulhausmeister bei der Stadt Syke

Vereine als Spieler: 1970 - 1990: TSV Barrien (alle Jugendmannschaften und 1. Herren), 1990 - 1997: SV Heiligenfelde, 1997/1998: BBV Union Bremen, 1998/1999 TVE Nordwohlde, 1999 - 2006: SV Heiligenfelde, 2006/2007: TSG Osterholz-Gödestorf, 2008 - 2010: SV Heiligenfelde (2. Herren), 2010 - 2013: TuS Syke (Ü 40), 2012 bis heute: TSV Barrien (1. und 2. Herren, Ü 40, Ü 50)

Vereine als Trainer: 2004 - 2007: SV Heiligenfelde (Co-Trainer), 2010 - 2013: TuS Syke (Co-Trainer), 2013 - 2019: TSG Osterholz-Gödestorf

Schönste sportliche Erlebnisse: Aufstieg in die Bezirksklasse (1992 und 2005), die Bezirksliga (1994), Relegation und Nichtabstieg (1995) und Kreispokalsieg (2004) mit dem SV Heiligenfelde, Aufstieg in die Kreisliga A mit dem SV Heiligenfelde II (2009), Aufstieg in die 1. Kreisklasse (2017) und die Kreisliga (2018) mit der TSG Osterholz-Gödestorf, Teilnahme an der Ü 40-Niedersachsenmeisterschaft mit der SG Barrien (2019)

Bitterste sportliche Momente: Niederlage mit Heiligenfelde im Kreispokalfinale gegen Lemförde (2003), Kreuzbandriss (2009), Abstieg aus der Kreisliga mit der TSG Osterholz-Gödestorf (2019)

Hobbys: Musik, mit Freunden Kaffee trinken

Lieblingstorwart: früher Toni Schumacher

Lieblingsverein: Borussia Mönchengladbach

Das Geheimnis meiner Fitness ist, ...dass ich mich regelmäßig sportlich betätige.

Wie viele Paar Torwarthandschuhe im Laufe der Karriere: ca. 80 bis 100

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