Antoni Gruber aus Syke hat seine ganz eigene Sichtweise von der Kampfsportart

„Karate-Filme? Die sind doch totaler Quatsch!“

Schaffte es bis zu den deutschen Meisterschaften im Karate: Antoni Gruber aus Syke. ·
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Schaffte es bis zu den deutschen Meisterschaften im Karate: Antoni Gruber aus Syke. ·

Syke - Von Arne Flügge„Karate-Filme?“, fragt Antoni Gruber, „da hab’ ich mal reingezappt. Die schaue ich mir nicht an.“ Denn was Leinwandhelden wie Bruce Lee, Jean-Claude van Damme oder Steven Segal da alles anstellen würden, sei doch fernab der Realität und hätte mit dem wahren Karate nun so gar nichts zu tun. „Diese Filme sind doch nur brutal“, meint der junge Syker: „Die machen zehn Saltos in der Luft am Stück, springen von irgendwelchen Klippen, ohne sich weh zu tun und werfen Menschen meterweit gegen die Wand. Das ist doch totaler Quatsch.“ Daher hängen in seinem Zimmer auch keine Poster von Action-Stars, sondern vielmehr die putzigen Figuren aus der Eiszeit. „Ich bin ein Ice-Age-Fan“, grinst Antoni.

Karate ist für Gruber, der gerade erst elf Jahre alt geworden ist, im September Vize-Landesmeister wurde und nun erstmals an den deutschen Meisterschaften teilnehmen durfte, etwas anderes als rohe Gewalt und die Fähigkeit, andere regelrecht auseinanderzunehmen. Für ihn ist Karate in erster Linie Sport, Spaß, Selbstverteidigung und erlernen von Disziplin. „Wenn ich aus der Schule komme, muss ich erst Hausaufgaben machen. Dann bin ich ganz schön gestresst, und beim Karate kann ich mich dann abends auspowern“, sagt Gruber, der die fünfte Klasse des Gymnasiums in Syke besucht. Lieblingsfächer: Sport und Kunst. „Da muss ich nicht so viel machen“, sagt der Junge schelmisch.

Es ist auch die Philosophie, die hinter dem Karatedo, dem „Weg der offenen Hand“ steckt, die ihn anspornte, den Sport zu erlenen. „Jede Technik hat ihren eigenen Namen. Und es ist interessant, etwas darüber zu erfahren, die japanischen Begriffe zu lernen“, berichtet Antoni. Schon eine erstaunlich erwachsene Sichtweise. „Und ich finde es einfach cool, so zu kämpfen.“ Das gleicht schon eher einem Elfjährigen.

Es war die Neugier, die ihn vor vier Jahren zu der Kampfsportart brachte. Mittlerweile hat er den gelb-orangen Gürtel. Kinder und Jugendliche müssen Halbgurtprüfungen absolvieren. Und so wird es wohl noch zehn weitere Prüfungen und rund vier weitere Jahre dauern, bis er endlich seinen großen Traum in Händen hält: den schwarzen Gürtel.

Mit nur 1,32 Meter Körpergröße und lediglich 27,5 Kilogramm Gewicht ist Antoni Gruber vom Verein „Skip Syke“ ein Floh in dieser Kampfsportart. Was ihn aber nicht daran hindert, diese mit eiserner Disziplin zu betreiben. „Jetzt im Winter bin ich sowieso nicht mehr so oft draußen zum Spielen, da nahm ich immer ein bisschen zu“, grinst er. Doch seine eher schmächtige Statur hatte ihm gerade zu Beginn sehr zu schaffen gemacht, als er die Techniken noch nicht so beherrschte wie jetzt. „Ich wusste manchmal gar nicht, wie ich richtig stehen soll, was ich machen soll“, erinnert sich Antoni. „Weil er zu klein und zu leicht ist, hat er viele Turniere verloren“, sagt sein Trainer Björn Strote, „doch Toni ist ein Junge, der sich durchbeißt. Er ist immer beim Training, unheimlich fleißig. Wenn er dabei bleibt, ist ihm in Zukunft alles zuzutrauen.“ Bei den deutschen Meisterschaften in Coburg hatte er das Pech, gleich auf einen Top-Gegner zu treffen. Antoni schied in der ersten Runde aus. Das ist für ihn aber nur Ansporn. Aufzugeben – das war und ist nicht sein Ding. Geholfen hat ihm dabei auch seine zweite Sportart, das Schach: „Da lernst du, geduldig und ruhig zu sein.“

Angst, sich im Training oder bei einem Wettkampf mal zu verletzen, hat er nicht. „Natürlich kann so etwas immer mal passieren. Doch der Vorteil bei uns ist ja, dass wir noch ohne Kontakte kämpfen. Es kommt auf die saubere Technik der Schläge, Tritte und Blöcke an“, sagt Antoni. Und sein Trainer ergänzt: „Es geht um die Kontrolle des Körpers, Punkte zu holen und damit den Wettkampf zu gewinnen, nicht darum, dem anderen weh zu tun. Die Jungs müssen doch hinterher zusammen noch einen Burger essen können.“ Erst mit zunehmendem Alter seien mehr Kontakte erlaubt – freilich immer mit Schutzkleidung.

Verfechter der traditionellen Kampfart krisitieren allerdings, dass das abgeschwächte Karate als Sport den eigentlichen Sinn verunglimpfen würde. „Diesen Streit gibt es, seit Karate Sport ist“, sagt Trainer Strote: „Bei der ersten WM gab es beispielsweise noch keinen Tiefschutz, mittlerweile ist er Pflicht. Wichtig ist doch, dass die Techniken richtig und präzise angewandt werden.“

Gleichwohl erlernt Antoni Gruber, der in seiner Freizeit gern mit dem BMX-Rad fährt oder seinem Hund spazieren geht, die vier Säulen des Karate: die Techniken, Kämpfe mit einem imaginären Gegner, Begegnung mit einem realen Gegner und die Selbstverteidigung. „Alles natürlich altersspezifisch“, wie Strote betont.

Gestern Abend war wieder Training. Und nach der zweistündigen Einheit war Antoni Gruber wie immer „ziemlich kaputt. Uns wird es nicht zu leicht gemacht, aber auch nicht zu schwer. Wir lernen viel.“ Vor allem eines: „Karate wird nicht zum Spaß, sondern nur im Notfall benutzt.“

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