Neele Eckhardts Traum bleibt trotz Verschiebung die Olympia-Teilnahme / „Ich gebe nicht auf“

Kampfansage nach Schockstarre

Schöner Moment: Neele Eckhardt holte sich im Februar den Dreisprung-Hallentitel in Leipzig. Foto: imago

Göttingen - Von Gerd Töbelmann. Fast vier Jahre lang hatte Neele Eckhardt nur ein sportliches Ziel: Die Teilnahme an den Olympischen Spielen im Juli/August in Tokio. Am Dienstag kam dann die Hiobsbotschaft, die sie vielleicht aufgrund der Coronakrise erwartet hatte, aber dennoch in ein tiefes Loch fallen ließ: IOC-Präsident Thomas Bach verkündete nach Bitte von Japans Regierungschef Shinzo Abe die Verschiebung um ein Jahr (genauer Termin noch unklar). „Das war ein Schock für mich, von dem ich mich noch immer nicht ganz erholt habe“, erklärt die 27-jährige Dreispringerin, die bis 2013 für den TSV Asendorf startete und dann zur LG Göttingen wechselte.

Man mag es ja kaum glauben, aber irgendwie war Eckhardt auch erleichtert, dass die Entscheidung dann doch recht zügig gefallen war und es keine Verschiebung zum Beispiel in den Winter gegeben hatte. Die Top-Athletin klärt auf: „In den vergangenen Jahren hatte ich mit zwei Lungenentzündungen zu kämpfen, die mich sportlich immer weit zurückgeworfen haben. Und dann im Winter in ein Land reisen, wo vielleicht nicht klar ist, ob man sich nicht doch noch anstecken kann? Das wäre für mich als Risikoperson nicht infrage gekommen. Dann hätte ich das ganze Ding abgesagt. So aber bleibt noch die Hoffnung, dass ich 2021 meine ersten Olympischen Spiele erlebe.“

In diesem Jahr wäre sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dabei gewesen. Deutschland hat drei Startplätze. Eckhardt hatte die Quali-Norm (14,32 Meter) zwar noch nicht erfüllt, wegen ihrer guten Platzierzung in der Weltbestenliste aber auch so beste Karten. „Es sah ziemlich gut aus“, sagt sie. Das IOC hat nun gerade beschlossen, dass alle Athleten, die für 2020 qualifiziert waren, auch 2021 antreten dürfen. Weil Eckhardt nicht dazugehört, hat sie irgendwo im Hinterkopf den „Worst Case: Dass ich dieses Jahr relativ sicher in Tokio gewesen wäre, es nächstes Jahr dann aber nicht bin.“ Doch ingesamt klingt sie zuversichtlich: „Meine Form stimmt. Und wenn ich dann die Norm für nächstes Jahr schaffe, bin ich auf der sicheren Seite.“

Für ihre Teilnahme 2020 hat sie viel geopfert und extra ein Urlaubs-Semester genommen, um sich zusammen mit ihrem Heimtrainer Frank Reinhardt (seit 2008 arbeiten die beiden schon zusammen) auf das Highlight vorzubereiten. Auch die momentan schlechten Bedingungen (in Göttingen sind ebenfalls alle Sportanlagen dicht) halten sie nicht davon ab, jeden Tag ab 16.00 Uhr zusammen mit Reinhardt eine Einheit im Freien zu absolvieren. Morgens nach dem Frühstück schiebt Eckhardt noch eine Yoga-Einheit ein. „Eigentlich bin ich momentan gut drauf“, sagt Eckhardt, die eine Bestleistung von 14,35 Metern aufzuweisen hat und vor nicht allzu langer Zeit Deutsche Meisterin in der Halle wurde. Dabei besiegte sie Dauerrivalin Kristin Gierisch.

Quasi als Generalprobe wollte die ehemalige Asendorferin (damals unter den Fittichen von Trainerin Ute Schröder) Anfang Juni bei der DM in Braunschweig starten und die Form überprüfen. Mittlerweile wurde das Meting verschoben.

„Die Titelkämpfe wurden für Anfang Juni festgelegt, um unseren Athleten eine Qualifikationsmöglichkeit für die Olympischen Spiele in Tokio zu geben“, erklärte Jürgen Kessing, Präsident des Deutschen Leichtathletik Verbandes, am Freitag. „Nachdem die Spiele jetzt auf 2021 verlegt worden sind, werden wir die Titelkämpfe im Sinne aller Athleten und Vereine auf einen neuen Termin verschieben.“ Momentan gebe es wegen der Einschränkung des Trainings keine Chancengleichheit.

Auch die Europameisterschaften Ende August in Paris, die Eckhardt eigentlich fest eingeplant hatte, stehen auf der Kippe.

Mittlerweile hat sich die Dreispringerin mit der Situation schweren Herzens arrangiert: „Ich habe auch gar nicht so viel Zeit, um Frust zu schieben. Schließlich bin ich gerade umgezogen – und da ist immer was zu tun. Wenn alles eingeräumt ist, möchte ich mein Jura-Studium ergänzen und an der Fern-Uni in Hagen noch Sportecht hinzufügen. Man muss ja was um die Ohren haben, wenn man sich schon sportlich nicht auspowern kann. Und ich brauche Abwechslung.“

Ihren Traum von Olympia will sich Eckhardt aber auf alle Fälle noch erfüllen. Nach der Schockstarre folgt nun die energische Kampfansage: „Ich habe zuletzt mein ganzes Leben darauf ausgerichtet. Da werde ich jetzt doch nicht aufgeben. Nein. Ich werde es im kommenden Jahr erneut versuchen. Auch wenn ich dann wohl zwei weitere Urlaubs-Semester nehmen muss.“

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