Rehdens Bosnier

Josip Tomic: Frohnatur mit Tiefgang

Josip Tomic und Frau Martina
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Privates Glück: Anfang 2020 heiratete Josip Tomic seine langjährige Freundin Martina.

„Jammern bringt einen nicht weiter“ – kaum ein Satz passt wohl so gut zu Josip Tomic wie dieser. Der Mittelfeldspieler des BSV Rehden ist ein positiver Mensch, das hilft ihm auf dem Platz, privat und bei der Arbeit.

Rehden – Als sich Josip Tomic auf den Weg nach Deutschland machte, hatte die Bundesrepublik noch einen Außenminister namens Guido Westerwelle. Lang ist es also her, als der damals 19-Jährige aus Bosnien-Herzegowina den Riesen-Schritt wagte. Im Reisegepäck einen Traum. „Wie jeder junge Mann hatte ich ein großes Ziel vor Augen: Ich wollte es unbedingt in den Profifußball schaffen.“ In wenigen Tagen startet der 28-Jährige in seine achte Viertliga-Saison, der finale Schritt ins Profitum blieb ihm bisher verwehrt.

Gram oder gar Groll spürt er nicht, es würde auch so gar nicht zu seinem Naturell passen. „Ich von der Einstellung her einfach ein Typ, der die Sachen immer positiv sieht, sie positiv nimmt. So bin ich einfach. Ob jetzt bei der Arbeit, beim Fußball oder im Privatleben: Jammern bringt einen nicht weiter.“

Rehden, Rosenheim, Türkgücü – und wieder Rehden

Tomic ist mit sich im Reinen. Der 29-Jährige gehört mittlerweile zu den dienstältesten Spielern beim Regionalligsten BSV Rehden, arbeitet bei Walter Lang Honig in Bremen und heiratete kürzlich seine langjährige Freundin Martina. „Ich bin sehr, sehr glücklich“, betont der Mittelfeldspieler.

Der Schritt nach Rehden war also richtig; wenngleich es anfangs nicht einfach war für den 19-Jährigen. Deutschlands berühmt-berüchtigte Bürokratie war das erste Hindernis. „Da hat mir Herr Schilling (Rehdens Clubchef, d. Red.) zum Glück sehr geholfen, er hat alles für mich erledigt, sodass ich schließlich mein Visum bekommen habe“, sagt Tomic und erinnert sich weiter: „Die neue Sprache, die neue Kultur – es war plötzlich alles anders für mich.“ Zur Akklimatisierung half es, dass er in Rehden auf Mitspieler traf, die ebenfalls in Ländern des ehemaligen Jugoslawien aufgewachsen waren. „Aber ich habe sofort immer wieder probiert, Deutsch zu sprechen.“ Er lernte es in Rekordzeit.

Sportlich lief es zunächst holprig. In eineinhalb Jahren kam Tomic auf 21 Liga-Spiele für Rehden. „Wir waren im Mittelfeld richtig gut besetzt. An Spielern wie Kevin Artmann, Florian Stütz oder Marius Winkelmann kam ich damals nicht vorbei.“ Und so stellte er fest: „Ich war jung, und ich musste mehr spielen. Also habe ich mich entschieden, eine Mannschaft zu finden, wo ich mehr Spielanteile bekomme.“ Die Wahl fiel auf den TSV 1860 Rosenheim. Im äußersten Süden Deutschlands blühte Tomic auf, zählte zu den absoluten Stammspielern, stieg in die Regionalliga Süd auf. „Es war für mich eine erfolgreiche Zeit in Bayern.“ Nach einer kurzen Zwischenstation bei Türkgücü München landete er im Winter 2017/2018 wieder in Rehden. Den Kontakt zur Rückkehr hatte Rehdens langjähriger Führungsspieler Viktor Pekrul hergestellt. Seitdem gehört Tomic zu den Vielspielern bei den Schwarz-Weißen.

Eine starke Technik und eine exzellente Übersicht zeichnen den Fußballer Josip Tomic aus.

Einher ging Tomics Entwicklung mit der des Clubs. Unter den Trainern Heiner Backhaus, Maarten Schops und nun Andreas Golombek wurde aus dem ständigen Abstiegskandidaten zuletzt ein Team für sicherere Tabellen-Regionen. Tomic kennt den Grund für die Erfolgskurve.

„Der Teamzusammenhalt ist unsere große Stärke“, sagt der technisch-feine Fußballer: „Obwohl wir viele Spieler aus verschiedenen Kulturen und Ländern haben, bekommen wir es immer wieder hin, eine absolute Einheit zu entwickeln. Das ist das A und O in dieser Liga. Wenn man vielleicht mal nicht den besten Tag erwischt, aber trotzdem alles reinhaut, kommt am Ende immer etwas dabei heraus.“

Einer für alle, alle für einen. Diese Denk- und Arbeitsweise habe sich in den vergangenen Jahren beim BSV Rehden absolut etabliert, betont Tomic: „Wenn einer einen schlechten Tag hat, müssen die anderen umso mehr da sein.“ Das sei nicht nur auf dem Spielfeld so: „Die Stimmung ist wirklich gut in der Kabine, da gibt es keinen, der aus der Reihe tanzt. Alle ziehen mit, das macht richtig Spaß.“

Auf dem Fußballplatz kann Tomic abschalten

Spaß. Dieses Wort fällt häufig in Gesprächen mit Tomic. Er kommt extrem reflektiert und auch mal nachdenklich daher, stellt aber immer die Lebensfreude in den Mittelpunkt seines Denkens und Handelns. „Ich schätze das, was ich habe“, sagt er: „Ich bin gesund, ich spiele Fußball, darf damit machen, was ich liebe. Ich bin mit der Frau verheiratet, die ich liebe. Und dann habe ich auch noch eine Arbeit, mit der ich super zufrieden bin. Da muss ich auch meinen Arbeitgeber loben, der das alles unterstützt, der Verständnis dafür hat, wie zeitintensiv der Fußball ist.“

Leistungssport und Arbeit – das ist seit jeher die Strategie beim BSV Rehden. „Das ist schon nicht wenig, was wir hier investieren“, stellt Tomic klar, sagt aber auch: „Wir haben es uns selbst ausgesucht.“ Außerdem sei der Alltagsstress, der sich durchaus mal aufbauen kann, verflogen, sobald er auf den Platz steht. „Ich vergesse dann einfach alles um mich herum, ich gebe einfach Gas.“ Das sorgt für Hochstimmung: „Es gibt kein besseres Gefühl, als jenes nach dem Training, wenn du dich komplett ausgepowert hast, Zeit mit den Jungs verbracht hast, einfach zusammen Spaß gehabt hast.“

Und in Momenten wie diesen erkennt Tomic, dass es ihm seit 2013 ziemlich gut ergangen ist. „Ich weiß selbst, wie es ist, in einem Land aufzuwachsen, wo die Voraussetzungen, die Prioritäten für die Menschen ganz andere sind“, sagt Tomic: „Dort haben die Leute nicht immer die Möglichkeit, das zu tun, was sie am glücklichsten machen würde.“

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