Viel Verständnis für Saisonabbruch

Handballer konzentrieren sich schon auf die neue Serie

Hartmut Engelke, Coach des TuS Sulingen, lächelt.
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Macht sich bereits Gedanken über die neue Saison: Hartmut Engelke, Coach beim TuS Sulingen.

Wieder nichts! Aufgrund der Pandemie hat der Handball-Verband Niedersachsen nun auch die Saison 2020/2021 abgebrochen. Bei den Trainern der höherklassigen Mannschaften überwiegt das Verständnis dafür.

  • Zweite Saison hintereinander im Eimer.
  • Trainer begrüßen Planungssicherheit.
  • Workout statt Würfe aufs Tor.

Syke – Überraschend kam die Nachricht nicht – eher mit langem Anlauf: Nach der Verlängerung des Corona-Lockdowns und der nicht absehbaren Perspektive – gerade für die Mannschaftssportarten – hat sich der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) am Montagabend in seiner Präsidiumssitzung dazu entschlossen, die Saison in seinen Ligen abzubrechen (wir berichteten). Zuvor hatte die Verbandsspitze mit den Vertretern ihrer Gliederungen die Lage erörtert. Damit fällt die zweite Saison in Folge der Pandemie zum Opfer. Absteiger gibt es nicht, Aufsteiger nur aus den Oberligen in die Dritte Liga.

Überrascht zeigte sich Heiner Thiemann, Trainer des Oberligisten HSG Hunte-Aue Löwen, von dem Saison-Aus nicht: „Ich habe das nicht anders erwartet. Wir müssen uns der Gesamtsituation anpassen. Dass sich darüber keiner freut, ist doch klar.“ Wie es weitergeht, weiß der 69-Jährige nicht, sagt aber: „Ich setze große Hoffnungen in das Impfen.“

Ähnlich sieht es Malte Helmerking, Trainer beim Verbandsligisten HSG Hunte-Aue Löwen II: „Ich persönlich denke, dass das die einzig richtige Entscheidung ist. Ein Hin und Her hilft keinem, da ist eine klare Entscheidung besser. Natürlich ist das schade und wird dem einen oder anderen sauer aufstoßen. Aber so kann sich jeder Verein damit auseinandersetzen und für die neue Saison – ich hoffe diese wird normal starten und verlaufen – planen und Gespräche führen.“

Der 35-Jährige gewinnt dem Saison-Aus noch einen positiven Aspekt ab: „Meiner Meinung nach ist die Entscheidung auch für die Spieler einfacher, so können sich alle auf die Familie konzentrieren und sich pünktlich zur nächsten Vorbereitung in Schwung bringen.“

Kritik vom HVN: Politik zwingt zum Saison-Aus

Der HVN unterstrich in einer Erklärung, dass die Beschlüsse von Bund und Ländern ihn zwingen würden, „die Saison der Ober-, Verbands- und Landesligen sowie der Landesklassen für beendet zu erklären“. Die bisherigen Spiele würden nicht gewertet. Den offiziellen Beschluss des Präsidiums kündigen Präsident Stefan Hüdepohl und Vizepräsident Jens Schoof noch für diese Woche an. Die Gliederungen in den Regionen des Verbands wollten den Beschluss für ihre Ligen übernehmen, heißt es vom HVN. Laut HVN-Vizepräsident Schoof halte der Deutsche Handballbund daran fest, in den Dritten Ligen Aufsteiger aus den Oberligen aufzunehmen: „Das hat zur Folge, dass wir in den nächsten Wochen eine Abfrage bei den Vereinen der Oberligen der Frauen und Männer starten und die Bereitschaft zur Teilnahme einer Aufstiegsrunde abfragen.“ Dann müsse der HVN einen Modus zum Ermitteln der Aufstiegsplätze erarbeiten – einschließlich Hygiene- und Testkonzepten.

Auch Mike Owsianowski ist dem Verband nicht böse. „Es ist absolut verständlich und die richtige Entscheidung“, betont der Übungsleiter des Landesligisten HSG Stuhr: „Es gibt momentan viel wichtigere Sachen als den Amateursport.“ Der 37-Jährige hat nach wie vor noch nicht ein einziges Spiel seines Teams gecoacht, entsprechend sei er zwar „traurig“ und hätte „natürlich gerne gespielt“, aber die „vernünftige und sinnvolle Enscheidung“ sei der Abbruch allemal. Außerdem habe man auch „nicht so viel zu verlieren, da unsere Liga eh noch nicht angefangen hat“, erklärt „Owo“.

Seine Hoffnung liegt nun ebenfalls auf der neuen Serie: „Die sollen das erst mal in den Griff kriegen, damit wir dann hoffentlich irgendwann ab Sommer wieder in die Halle können, um zumindest die neue Saison relativ zeitnah und pünktlich im September starten zu können.“

Als eine „am Ende nachvollziehbare Entscheidung“ bezeichnete Hartmut Engelke den Schlussstrich. Der Trainer der Landesklassen-Männer vom TuS Sulingen sah zu wenig Zeit bis zu einem halbwegs geordneten Saisonende: „Alles vor dem 7. März ist sowieso noch kein Thema, nach der anschließenden Vorbereitungszeit von zwei Wochen wären wir bei Ende März. Und ich glaube, im Amateurhandball hält sich bei den meisten die Lust in Grenzen, bis Ende Juli zu spielen.“ Das sehe bei den Fußballern anders aus: „Die haben vergleichsweise größere Kader und können auch Ausfälle auffangen. Und sie sind Englische Wochen oder Spieltage an einem Mittwoch- oder Freitagabend gewohnt. Bei uns im Handball geht das nicht immer“, erinnert der 51-Jährige an die nur begrenzt zur Verfügung stehenden Hallenzeiten.

Landesklassen werden noch nicht „abgewickelt“

Die Handballregion Mitte-Niedersachsen trägt den Beschluss des Handball-Verbands Niedersachsen mit – und bricht die Saison ab. „Es hätte keinen Sinn gemacht, noch länger zu warten. Keiner weiß, wann die Mannschaften wieder in die Hallen dürfen. Wir hätten es niemals umgesetzt bekommen, noch eine vernünftige Saison zu spielen“, erklärt der Vorsitzende Steffen Mundt. Sein Vorstandskollege Friedhelm Gollnow ist gleicher Meinung. „Uns sind die Hände gebunden. Die Gesundheit geht vor“, betont der stellvertretende Vorsitzende.

Der Zwangsabbruch bringt gleichzeitig eine Verlängerung mit sich. Die Landesklassen der Männer (in der auch der TuS Sulingen, die HSG Bruchhausen-Vilsen/Asendorf und die HSG Phoenix spielen) und die der Frauen (mit der HSG Phoenix und den Vilserinnen) sollten eigentlich zum Saisonende wieder gestrichen werden. „Ohne Spielbetrieb gibt es keine sportlich, faire Entscheidung was die Auf- und Absteiger betrifft. Somit existieren die Klassen noch ein Jahr länger“, klärt Gollnow auf.

Bereits nach den ersten Ankündigungen des HVN im Dezember, die Saison Anfang des Jahres wieder aufzunehmen, „dachte ich mir schon: Da ist der Wunsch Vater des Gedankens“, gesteht Engelke: „Selbst dann, wenn es wieder losgegangen wäre, muss man überlegen, wie groß die Gefahr vereinzelter Spielausfälle gewesen wäre – etwa bei Inzidenzwerten wie jetzt im Landkreis Wesermarsch.“

Jetzt gehe es darum, „unsere Leute zu halten“, weiß der Trainer mit Blick auf die aktuelle Kontaktsperre im Lockdown – und die kommende Saison. Bisher „stehen wir als Mannschaft gut miteinander in Kontakt, bestreiten in Kleingruppen eine Lauf-Challenge, und jeder bekommt seine Workout-Aufgaben von 15 bis 20 Minuten.“

Gerd Anton befürchtet Abgänge

Engelkes Klassengefährte Gerd Anton als Trainer der HSG Bruchhausen-Vilsen/Asendorf kann zurzeit ebenfalls nicht viel Gruppendynamisches anbieten – „mit ausnahme unserer zwei Sporttreffen pro Woche via Internet“ und der gelegentlichen Lauftreffs. „Es nützt aber nichts, sich darüber aufzuregen“, weiß der 63-Jährige, der die Entscheidung zum Abbruch als „verständlich und absehbar“ bezeichnet. Auch der erfahrene Coach hatte nach den immer wieder hinfälligen Ankündigungen des HVN so seine Zweifel: „Erst war von einem Wiederbeginn im Dezember die Rede, dann von Mitte Januar und Ende Januar.“

Durch die nun vollzogene nächste Zwangspause sieht Anton weitreichendere Folgen für den Handball und andere Mannschaftssportarten: „Der eine oder andere könnte jetzt gemerkt haben, dass Sport auch ohne wöchentlich zwei- oder dreimalige Verpflichtungen und den Stress am Wochenende möglich ist. Stattdessen geht er ins Fitnessstudio, wann er will. Ich würde mir wünschen, dass sich die Entscheidungsträger nicht nur nach blanken Zahlen wie den Inzidenzwerten richten. Da spielen auch andere gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.“ ck/mbo/fs

Setzt große Hoffnungen in das Impfen: Heiner Thiemann, Trainer bei der HSG Hunte-Aue Löwen.

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