Dieter Plaggemeyer gibt Fußball-Kreisvorsitz 2014 ab – und erklärt, warum

„Jeder Mensch sollte ein sinnvolles Hobby haben“

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Hier fiebert er mit: Dieter Plaggemeyer auf der Tribüne des BSV Rehden, seines Heimat-Clubs.

Kreis-Diepholz/Rehden - Von Cord Krüger. Seit 20 Jahren steht Dieter Plaggemeyer an der Spitze des Fußball-Kreisverbands Diepholz – eine lange Zeit. Und mehr als diese zwei Jahrzehnte kommen nicht hinzu, wie der Vorsitzende jüngst seinen Vorstandskollegen unmissverständlich mitteilte.

Wenn am 19. Juli 2014 die Delegierten aller Vereine zum Fußball-Kreistag zusammentreffen, stellt sich der pensionierte Lehrer nicht mehr zur Wiederwahl. „Meine Entscheidung steht fest, ich will meinen Abgang selbst bestimmen“, sagt der Rehdener.

Herr Plaggemeyer, im Januar hatte Karl Rothmund als Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbands noch versprochen, Sie zu einer weiteren Amtszeit zu überreden. Warum ist der mächtige DFB-Vize da gescheitert?

Dieter Plaggemeyer (66):Jemanden für ein Ehrenamt zu gewinnen, ist Überzeugungsarbeit, nicht Überredungskunst. Ehrenämter übernimmt man freiwillig und gibt sie auch aus freien Stücken zurück. Insofern ist es meine Entscheidung, nicht wieder zu kandidieren. Es ist sicherlich auch eine Frage des Alters. Viel wichtiger ist mir jedoch die Botschaft: Es geht mir darum, Jüngere in die Verantwortung zu nehmen, wenn es jemanden gibt. Das ist für diese Funktion gegeben.

Dürfen Sie da schon Näheres verraten?

Plaggemeyer:Wir haben im geschäftsführenden Vorstand überlegt, wie eine Nachfolge realisiert werden kann. Es wäre unverantwortlich, wenn man damit spekulativ umgehen würde. Andreas Henze ist bereit, meine Nachfolge anzutreten. Er ist seit zehn Jahren einer meiner Stellvertreter und hat viel Erfahrung im Schiedsrichterwesen. Er hat mein persönliches Vertrauen und die Unterstützung des Vorstands. Gleichwohl bedeutet ein Wechsel auch, dass an anderer Stelle Lücken entstehen. Da sind die Vereine in der Verantwortung, dem NFV-Kreis geeignete Kolleginnen und Kollegen für unterschiedlichste Aufgaben anzubieten.

1993 hatten Sie das Amt an der Kreis-Spitze übernommen. Damals gab es noch D-Mark, Bundeskanzler Kohl und vierstellige Postleitzahlen. Was hat sich für die Fußballer verändert?

Plaggemeyer:Der Fußball ist weiter rund, und es wird immer noch auf zwei Tore gespielt. Die Veränderungen sind überwiegend im organisatorisch-administrativen Bereich zu finden: Spielklassenreformen wie Abschaffung der Bezirksklassen, elektronische Medien in der Verwaltung und der Lehrarbeit. Da gab es die entscheidenden Impulse aus dem Kreis Diepholz. Um nur zwei Namen zu nennen: Wilfried Heitmann und Dieter Wolf waren es 1996, die auch mit Unterstützung aus dem Kreis die Schiedsrichterlehrarbeit revolutionierten. Die CD „Fußball mit Pfiff“ war der gelungene Einstieg.

Darüber hinaus – Fußball ist zunehmend ein Wirtschaftsgut geworden, nicht nur in der Bundesliga, sondern auch bis auf Kreisebene. Geblieben sind die Emotionen, die der Fußball auf jeder Ebene auslöst und damit Menschen begeistert.

Welche Entwicklungen machen Sie stolz?

Plaggemeyer:Stolz ist das falsche Wort. Aber Zufriedenheit darüber, dass es zusammen mit vielen Sportkollegen in den Ausschüssen und Vereinen gelungen ist, den NFV-Kreis Diepholz im Niedersächsischen Fußballverband so zu positionieren, dass wir anerkannt sind, akzeptiert werden und über uns mit Respekt berichtet wird.

Und auf welche Veränderungen hätten Sie lieber verzichtet?

Plaggemeyer:Veränderungen sind Ausdruck der gesellschaftlichen Entwicklung. Es hilft nicht, über gestern zu lamentieren oder das Rad zurückdrehen zu wollen. Der Blick muss nach vorne gerichtet sein.

Also anders gefragt: Gab es Momente oder schlaflose Nächte, in denen Sie mal daran gedacht haben, alles hinzuwerfen?

Plaggemeyer: Hinschmeißen und Weglaufen ist einfach. Ich wurde 1993 immerhin einstimmig gewählt und danach sieben Mal – soweit ich mich erinnere immer ohne Gegenstimme – wiedergewählt. Die Position des Kreisvorsitzenden, der mittlerweile über 20 000 Fußballer aus 75 Vereinen repräsentiert, betrachte ich als eine herausragende Aufgabe, die man nicht über Nacht einfach wegwirft. Schließlich sind mehr als 50 Mitarbeiter in der „Firma NFV-Kreis Diepholz“ ehrenamtlich tätig. Dafür hat man auch Verantwortung.

Kam auf dieser Ebene schon mal die Idee auf, für höhere Ämter auf Verbandsebene zu kandidieren?

Plaggemeyer:Nein, ich hatte nie die Absicht, auf höherer Ebene „etwas zu werden“. Es gab mal ein Angebot, das ich jedoch nicht weiter verfolgt habe. Als Kreisvorsitzender kann man zusammen mit anderen Mitarbeitern konkret gestalten und sieht die Auswirkungen unmittelbar. Das ist schön.

Ihr Heimatverein ist seit 1957 der BSV Rehden. Wer Sie in den Waldsportstätten beobachtet, lernt da schon mal den Fußball-Fan und nicht den Funktionär Plaggemeyer kennen. Wie gut lässt sich beides trennen?

Plaggemeyer:Ich freue mich als Fußballfan und als Kreisvorsitzender über jedes gute und faire Spiel. Insofern will ich das auch überhaupt nicht trennen.

Wird man Sie jetzt öfter am Spielfeldrand in Rehden antreffen?

Plaggemeyer:Nein, es gibt außer Fußball noch andere angenehme Dinge.

Und sieht man Sie weiter als ehrenamtlichen Mitarbeiter auf Kreisebene?

Plaggemeyer:Ich werde nicht für ein Wahlamt zur Verfügung stehen. Ich kann mir vorstellen, an bestimmten Projekten mitzuwirken, wenn der Vorstand das will.

Haben Sie Angst vor dem Loslassen oder Bedenken, dass Sie Ihrem Nachfolger irgendwann mal mit Ratschlägen – und seien sie noch zu gut gemeint – auf die Füße treten könnten?

Plaggemeyer: Angst vor dem Loslassen habe ich nicht. Ratschläge werde ich nur geben, wenn ich gefragt werde.

Welche Schlagzeile möchten Sie nach ihrem Ausstieg irgendwann einmal über den Fußballkreis Diepholz lesen?

Plaggemeyer: Schlagzeilen reduzieren Inhalte. Ich wünsche mir nur eine Berichterstattung, die von Sachlichkeit und konstruktiver Kritik geprägt ist.

Diese guten Nachrichten würden Sie dann bestimmt ebenso ausschneiden und abheften. Wie umfangreich ist Ihr Archiv, das Sie seit Ihrer Pensionierung vor gut einem Jahr aufgebaut haben?

Plaggemeyer:Ich habe seit 1993 alle mir zugänglichen Zeitungsartikel, überwiegend die der Kreiszeitung, gesammelt. Etwa fast 1 000 Artikel und Bilder, die die Entwicklung im Fußballkreis dokumentieren.

Wie reagiert Ihre Frau auf die stetig wachsende Fußball-Sammlung? Hat Sie den Glauben noch nicht verloren, dass Sie irgendwann von dieser Liebe zum runden Leder ablassen?

Plaggemeyer:Jeder Mensch sollte ein sinnvolles Hobby haben!

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