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„Jagd“ auf Keiler, Reh und Dachs - Kirsten Hasenbank vom SV Dreye ist Deutsche Meisterin im 3D-Bogenschießen

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Keiler „erlegt“: Die Deutsche Meisterin Kirsten Hasenbank (von links), Dreyes Spartenleiter Thomas Koch und Fachschießsportleiter Bogen Achim Hoppe mit der Tierimitation.
Keiler „erlegt“: Die Deutsche Meisterin Kirsten Hasenbank (von links), Dreyes Spartenleiter Thomas Koch und Fachschießsportleiter Bogen Achim Hoppe mit der Tierimitation. © -

Flupp, Flupp, Flupp – einen Volltreffer nach dem nächsten landet Kirsten Hasenbank. Ihre drei Pfeile schlagen bei der Demonstration ihres Könnens mitten im Herzen des Keilers ein. Doch die bohrenden Spitzen im Körper können diesem Wildschwein nichts anhaben. Unberührt hält sich der massige Paarhufer auf allen Vieren. Kein Wunder, schließlich handelt es sich bei dem Allesfresser lediglich um eine täuschend echte Kunststoff-Nachbildung.

Dreye – „Auf echte Tiere würde ich niemals schießen“, beteuert Hasenbank mit ihrem Blankbogen in der Hand. Stattdessen „jagt“ die 62-Jährige vom Sportverein Dreye Attrappen wie den Keiler im Sportnebenzentrum an der Kirchweyher Straße. In diesem sogenannten 3D-Bogenschießen kürte sich Hasenbank unlängst zur Deutschen Meisterin des Deutschen Bogensport Verbands (DBSV). Bereits zum zweiten Mal nach 2017.

Dabei „erlegte“ die Bremerin aus einer Entfernung zwischen fünf und 50 Metern als treffsicherste Bogenschützin unter 350 Teilnehmerinnen Rehe auf Lichtungen, Dachse und Bieber im Unterholz, aber auch Eulen auf Ästen. Schauplatz für den Rund-Parcours mit seinen 28 Zielen war Hannoversch Mündens 729-Seelen-Ortsteil Volkmarshausen, eingebettet in den idyllischen Bramwald. Zwischen den Bäumen und über die Anhöhen musste Hasenbank „viel laufen und ordentlich kraxeln“.

Ziel erfasst: Kirsten Hasenbank vom SV Dreye visiert den Keiler an – keinen echten, sondern eine Nachbildung. Sie ist Deutsche Meisterin im 3D-Bogenschießen.
Ziel erfasst: Kirsten Hasenbank vom SV Dreye visiert den Keiler an – keinen echten, sondern eine Nachbildung. Sie ist Deutsche Meisterin im 3D-Bogenschießen. © Terwey

Für die DM hatte sie sich bei einer offenen Landesmeisterschaft in Hohegeiß (Harz) qualifiziert. War die letztliche Goldmedaille eine Überraschung? Weyhes Sportlerin des Jahres 2017 schmunzelt: „Ich hatte viel Zeit, um mich vorzubereiten. Denn im Januar bin ich pensioniert worden.“ So nutzte die ehemalige Lehrerin für Englisch und Technik an der Hagener Hermann-Allmers-Haupt- und Realschule ihre neue Freiheit, um in Dreye mit Keiler, Murmeltier, Bär und Fuchs zu trainieren. Diese Tierimitationen hat sich die Abteilung selbst angeschafft. „Die gibt es im Internet, aber auch in Hamburg und Ottersberg im Bogensportfachhandel“, erklärt Dreyes Spartenleiter Thomas Koch. Die kleinsten Exemplare seien Ratten, die größten Bisons oder Dinosaurier. „Die Preise liegen zwischen 100 und 5 000 Euro“, sagt Achim Hoppe, Dreyes Fachschießsportleiter Bogen und Weyher Trainer des Jahres 2017. Die Investition machte sich bezahlt. Denn den einstudierten Kill, den perfekten Schuss ins Auge der auf das Tier aufgezeichneten Scheibe, setzte Hasenbank bei der DM gleich mehrfach. „Wir sind stolz auf sie“, freut sich Koch. „Nicht jeder hat eine zweifache Deutsche Meisterin in seinen Reihen“, fügt Hoppe hinzu.

Obendrein gewann Doreen Hasenbank für Dreye die Deutsche Vizemeisterschaft des DBSV. „Ich habe ihr das Bogenschießen schmackhaft gemacht und sie trainiert“, sagt Kirsten Hasenbank über ihre Ehefrau. Gemeinsam mit der selbstständigen Malermeisterin hatte sie sich mit dem Wohnwagen zur DM aufgemacht, um vor Ort auf dem Campingplatz zu übernachten. In Gruppen machten sich die Bogenschützen an zwei Tagen um 10 Uhr „auf die Jagd“, ehe sie nach zwischenzeitlicher Stärkung mit Brötchen und Kuchen gegen 16 Uhr alle Pfeile geschossen hatten. Am Ende sprang Kirsten Hasenbank ganz oben aufs Treppchen.

Zu Beginn ihrer Karriere war das noch nicht absehbar: „Ich habe als Kind wie viele mit Pfeil und Bogen gespielt, aber erst mit 35 an der Uni Bremen einen Kurs gemacht. Ich bin dabei geblieben, weil es genau mein Ding ist.“

Die „Rednocks“

Die Bogensportabteilung des SV Dreye gründete sich 2015 unter dem Namen „Rednocks“, in Anlehnung an das bekannte Baseballteam Boston Red Sox aus den USA. Die Abwandlung geht auf das als Nocke bezeichnete Pfeilende zurück. Die Sparte zählt stolze 30 Mitglieder. „Mehr können wir aus Platzgründen im Training nicht aufnehmen“, erklärt Trainer Achim Hoppe. Grund für den Ansturm: Die Deutsche Lisa Unruh habe mit Olympia-Silber 2016 in Rio einen Hype ausgelöst.

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