Diepholz’ Trainer-Rückkehrer: Mehr Fußball, weniger Tennis

Wolfgang Pinkes: „Die Jungs müssen auch mal Opfer bringen“

Er trägt wieder einen Trainingsanzug der SG Diepholz: Wolfgang Pinkes stellt sich der Verantwortung. - Foto: Pinkes

Diepholz - Von Malte Rehnert. Zweimal war Wolfgang Pinkes schon Trainer der SG Diepholz. Dann beorderte die Bundeswehr den gebürtigen Gerolsteiner zurück nach Köln, er lebte aber weiterhin in der Kreisstadt. Inzwischen ist der 53-Jährige Pensionär und jobbt in einer Diepholzer Sauna. Pinkes bot in den vergangenen Jahren Torwarttraining in St. Hülfe und Diepholz an, wollte aber kein Chef mehr sein. Bis Diepholz wegen der Nachfolge für Frank Heyer bei seinem früheren Keeper anfragte. Und dieser Ja sagte. Pinkes übernimmt die SGD, aktuell 14. in der Fußball-Bezirksliga, zum dritten Mal. Seine Vorstellungen und Forderungen nennt er im Interview.

Herr Pinkes, seit Dienstag sind Sie wieder Trainer der SG Diepholz. Wie war der Einstand?

Wolfgang Pinkes: Eine Trainerentlassung rüttelt immer alle auf. Es war irgendwie ein unangenehmer Abend, die Stimmung gedrückt. Ich hatte eigentlich vor, ein ausgiebiges Training zu machen.

Und dann?

Pinkes: Hat mein Co-Trainer Uwe Senkler die Einheit übernommen, weil ich viele Gespräche geführt habe.

Wie ist Ihr Eindruck?

Pinkes: Viele wollten einfach mal was loswerden, über ihre persönliche und die sportliche Situation. Die Jungs haben sich viele Gedanken gemacht – und sie wissen, dass sie jetzt in der Verantwortung stehen. Die wollen sie auch annehmen, das finde ich absolut positiv. Diesen Schwung wollen wir jetzt mitnehmen.

Wo werden Sie den Hebel ansetzen, um die Wende zu schaffen?

Pinkes: Man muss sich nur unseren nächsten Gegner Heiligenfelde angucken. Die sind eingespielt, haben Führungsfiguren. Da hört man auf dem Platz viele Kommandos. Diese Mannschaft funktioniert als Mannschaft.

Und Diepholz hat da Nachholbedarf?

Pinkes: Wegen der vielen Verletzungen haben wir nur zwei Spieler, die alle Spiele gemacht haben. Und wir haben viele junge Leute, die vielleicht nicht so gut mit der schwierigen Situation umgehen können und sehr ruhig sind. Bei uns müssen auch Führungsspieler da sein.

Wen haben Sie im Auge?

Pinkes: Halil Akbas zum Beispiel. Er kann das – und ich werde das auch von ihm einfordern. Oder auch Christian Bußmann.

2006 haben Sie Ihr zweites Engagement in Diepholz beendet. Das ist lange her – treffen Sie nun auf viele neue Gesichter?

Pinkes: Nein. Ich kenne viele der Jungs. Teilweise aus der C-Jugend, die ich früher mal trainiert habe und in der mein Sohn Ralf gespielt hat.

Früher waren Frank Werner, Jan Maieli, Thorben Kock und Dirk Ahrens in Ihrer Mannschaft. Alle sind inzwischen in anderen Funktionen im Verein tätig, tragen Verantwortung. Wie finden Sie das?

Pinkes: Das ist etwas, das mich richtig stolz macht. Als wir damals, 1997, in der Kreisliga A spielten, war das Sportlerheim noch eine Garage und die Sparte Fußball in Diepholz eigentlich tot – jetzt nicht mehr. Dass alle noch da sind, hat sicher den Einstieg erleichtert. Sonst wäre das alles so kurzfristig gar nicht möglich gewesen. Es war ein bisschen so, als wenn man aus einem langen Urlaub nach Hause kommt.

Wie gut kennen Sie die Bezirksliga noch?

Pinkes: Ich muss mich erst reinfuchsen, weil das Kapitel Fußball in verantwortlicher Position für mich abgeschlossen war. Ich war lange ein zu motivierter Trainer, das hat Kraft gekostet. Jetzt habe ich mir ein kleines Netzwerk aufgebaut, habe zum Beispiel sehr guten Kontakt zu Jörg Behrens (Ex-Trainer in Diepholz, d. Red.). Ich telefoniere sehr intensiv, da kriegt man abends Kopfschmerzen bei so vielen Infos (lacht).

Der Sportliche Leiter Frank Werner verspricht sich von Ihnen, dass Sie Selbstvertrauen und Motivation zurückbringen. Sind Sie der Typ Heißmacher?

Pinkes: Ich bin der Typ Papa (lacht). Mir tut es immer im Herzen weh, dass ich nur elf Spieler aufstellen kann und einigen sogar sagen muss, dass ich diesmal kein Trikot für sie habe. Ich möchte alle belohnen, wenn sie leidenschaftlich bei der Sache sind.

Was fordern Sie von Ihren Spielern?

Pinkes: Ich mache alles mit, trage Tore, sammele Bälle ein. Das erwarte ich auch von den Jungs. Und dass sie auch mal Opfer bringen. Tennis ist bei mir zu einer großen Liebe geworden, ich spiele im Winter in Lohne in der Verbandsklasse. Wegen des Fußballs musste ich drei von sechs Spielen absagen – das ist zum Beispiel ein Opfer für mich.

Nach Ihrer Pensionierung bei der Bundswehr arbeiten Sie seit einem Jahr in einer Diepholzer Sauna, machen dort unter anderem Aufgüsse – auch am Wochenende. Gibt’s da keine Termin-Kollisionen?

Pinkes: Fast nicht, ich werde nur ein Spiel verpassen. Die Arbeit in der Sauna macht einfach Spaß.

Sie haben zunächst bis zur Winterpause in Diepholz zugesagt. Warum nicht länger?

Pinkes: Wir gucken erst mal wie es läuft. Der Vorstand will bestimmt auch sehen, ob der Wolfgang noch funktioniert.

Ihr Terminkalender ist durch den Fußball nun wieder ziemlich voll. Kein Problem?

Pinkes: Nein – wobei meine Lebensgefährtin schon gesagt hat, dass sie mich ab dem 10. Dezember (der letzte Nachholspieltag des Jahres) fest eingeplant hat – als Weihnachtsmarktbegleiter.

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