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Weyher Max Weidenhöfer eifert bei Deutscher Meisterschaft „Zauberer von Riga“ nach

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Erfolgreiche Schach-Brüder: Ben (links) und Max Weidenhöfer mit ihren Medaillen auf dem großen Schach-Spielfeld im heimischen Garten in Weyhe-Leeste.
Erfolgreiche Schach-Brüder: Ben (links) und Max Weidenhöfer mit ihren Medaillen auf dem großen Schach-Spielfeld im heimischen Garten in Weyhe-Leeste. © terwey

Bereits nach zwei Wochen habe sie keine Chance mehr gegen ihren Sohn gehabt, berichtet Anke Weidenhöfer. Es waren die Anfänge von Max Weidenhöfer. Der Filius war gerade mal sechs Jahre alt, als er seine Mutter eines Nachmittags nach der Schule bat, ihm das Schachspielen beizubringen. Ein Klassenkamerad hatte sein Interesse für das königliche Spiel geweckt. Nach den ersten Zügen am Brett verschlang der damalige Erstklässler Fachbücher und setzte seine Mutter schließlich erstmals schachmatt. Heute blickt der 15-Jährige, der bereits seit einigen Jahren beim TuS Varrel für die erste Herrenmannschaft in der Bremer Stadtliga spielt, auf stolze fünf Teilnahmen an der Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft (DEM) zurück. Mit seinem jüngsten Abschneiden gegen die U 16-Konkurrenz im Sauerland Stern Hotel in Willingen – ein Dorf, das sonst für Weltcup-Skispringen und Partytourismus bekannt ist – ist der Weyher zwar unzufrieden, doch das trübt seine Begeisterung für das strategische Brettspiel nicht.

Weyhe „Es gibt so viele verschiedene Positionen, so viele Stellungen im Spiel – das gefällt mir einfach am Schach“, erklärt Max Weidenhöfer seine Leidenschaft. Die langsamen Züge seien dabei nicht sein Ding. Am liebsten spielt der Schüler des Gymnasiums Syke „auch auf die Gefahr hin, ausgekontert zu werden, immer nach vorne, immer Attacke“ – so wie sein Idol: der bereits verstorbene lettisch-sowjetische Schach-Weltmeister Michail Tal. Die Partien des „Zauberers von Riga“ bestaunte Weidenhöfer als Kind in Büchern, heute studiert der Neuntklässler online: „Von den Großmeistern kann man so viel lernen.“

Für Bruder Ben ist Max Weidenhöfer selbst ein Vorbild. Der Zwölfjährige sagt zurückhaltend: „Ich bin noch nicht so gut wie Max. Wir spielen deshalb selten gegeneinander.“ Aber sein Bruder zeige ihm Varianten. Um besser zu werden. Noch besser, denn auch Ben spielt bereits bei den Erwachsenen des TuS Varrel mit – zwar nicht wie sein Bruder in der „Ersten“, dafür in der „Dritten“ oder „Zweiten“. „Ich bin sehr stolz auf die beiden“, lächelt Anke Weidenhöfer.

Ich spiele blind und lasse mir dann nur die Spielzüge ansagen. Das schult. 

Max Weidenhöfer über Schachpartien gegen seine Klassenkameraden

Die Fachberaterin für Tagespflegepersonen bei der Stadt Syke richtet sogar ihren Urlaub nach den Schachturnieren ihres Nachwuchses aus. Um bei der einwöchigen DEM im Sauerland dabei sein zu können, nahm sich die 51-Jährige extra frei, buchte für sich und die zwei von der Schule befreiten Söhne ebenso wie ein Großteil der 1 500 Schachbegeisterten vor Ort ein Zimmer im Sauerland Stern. Während Ben bei der Offenen Deutschen Meisterschaft für Spieler mit einer Deutschen Wertungszahl (DWZ) bis 1 400 und einem Alter unter 25 Jahren vier von neun Partien gewann und damit Platz 33 unter den 57 Teilnehmern errang, schloss Max Weidenhöfer nach seiner Qualifikation durch den Gewinn der Bremer Meisterschaft als 29. unter 32 Startern ab. „Ich bin genau dort gelandet, wo ich eingeordnet wurde“, erklärt Max Weidenhöfer. Seine aktuelle DWZ: 1 882. Zum Vergleich: Ein Anfänger hat 700, ein Großmeister 2 700. Von seinem Abschneiden bei der fünften DEM-Teilnahme in sechs Jahren ist der Neuntklässler dennoch enttäuscht: „Es war mehr möglich – auch gegen teilweise bessere Gegner. Am Ende war der Wurm drin.“ Seine Mutter meint: „Es war aber auch ein starkes Teilnehmerfeld. Da waren nicht nur Landesmeister und Mitglieder des Bundeskaders dabei, sondern auch ukrainische Spieler, die in diesem Jahr als Gäste dabei waren. Und für sie ist Schach ein Nationalsport.“

Max Weidenhöfer bei der Deutschen Jugend-Einzelmeisterschaft

Max Weidenhöfer wurde bei der Deutschen U 16-Einzelmeisterschaft im Schach 29. von 32. Genau der Platz, den der 15-Jährige in der Rangfolge nach Deutschen Wertungszahlen (DWZ) im Feld bekleidete. Nach einem Sieg ging es für die Teilnehmer gegen einen stärkeren Konkurrenten, nach einer Niederlage gegen einen Rivalen mit schlechterer DWZ.

1. Runde: 0:1 gegen Julius Ohler (DWZ: 2027).

2. Runde: 0:1 gegen Jonas Rempe (1970).

3. Runde: 1:0 gegen Philipp Ziming Guo (1938).

4. Runde: 0:1 gegen John Heinrich (1995).

5. Runde: 0:1 gegen Pascal Neuber (1900).

6. Runde: 0:1 gegen Jonas Christian Hecht (1912).

7. Runde: 0:1 gegen Christian Gluma (2014).

8. Runde: 1:0 gegen Lorenz Beyer (1718).

9. Runde: 1:0 wegen Nicht-Antritts des Gegners.

Drei Siege, davon einer wegen Nicht-Antritts des Gegners, holte Max Weidenhöfer aus neun Partien an sieben Tagen im riesengroßen Spielsaal mit 500 Brettern. Für die Spieler galt Maskenpflicht, für Zuschauer blieben die Türen coronabedingt verschlossen. So verfolgte Anke Weidenhöfer die Matches beim Wandern durch die Berge auf ihrem Smartphone – dank sogenannter Live-Bretter. Chips in den Figuren bilden dabei die Züge online ab. So konnten neben Max Weidenhöfers Vater zu Hause auch die Trainer Martin Breutigam vom SV Werder Bremen und Dennis Webner vom TuS Varrel die Spiele in Echtzeit verfolgen. Sie dauerten von 8.30 Uhr morgens an teilweise bis zu sechs Stunden. „Wir hatten vor jeder Partie eine Vor- und Nachbesprechung über Skype. Das sind auch noch mal zwei Stunden“, berichtet Max Weidenhöfer. So blieb dem B-Jugendfußballer des SC Weyhe wenig Zeit für andere Aktivitäten wie Tischtennis oder Basketball in der Hotel-Sporthalle.

„Meist geht Schach sowieso vor“, sagt Anke Weidenhöfer: „Solange auch die Leistungen in der Schule stimmen, ist es okay.“ Vom königlichen Spiel leben möchte ihr Sohn später nicht. „Es wäre zwar möglich, aber das schaffen nur sehr wenige“, erklärt die Mutter. Was Max Weidenhöfer beruflich machen möchte, weiß er noch nicht: „Als nächstes will ich im August erst mal Deutscher Amateurmeister in Magdeburg, auf lange Sicht Internationaler Meister werden.“ Dafür ist eine DWZ über 2 400 nötig: „Ob es auch zum Großmeister reicht, weiß ich nicht.“ Mit 15 bleibt ja auch Zeit satt.

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