Sudweyher Urgestein lässt im Interview Karriere Revue passieren

Maltzahn: „Ich wollte lieber mit meinen Kumpels kicken“

Zwei eingefleischte Sudweyher mit Fan-Schal: Helmut Suhr (l.) und Jürgen Maltzahn.
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Zwei Urgesteine des TuS Sudweyhe auf einen Blick: Jürgen Maltzahn (rechts) trainierte viele Jahre lang die erste Herren des TuS und war dabei der Nachfolger von Helmut Suhr.

Sudweyhe – Jürgen Maltzahn ist Sudweyher durch und durch. Hier wohnt der 62-Jährige schon sein gesamtes Leben, lenkte lange Zeit das Offensivspiel der TuS-Kicker und stand für Sudweyhe dazu noch acht Jahre als Trainer an der Seitenlinie. Aber in der Vita des sympathischen Automobilkaufmanns steht auch noch ein anderer Kreisverein. „Mulli“ verrät, welcher das ist und warum er diese drei Jahre nicht missen möchte.

Herr Maltzahn, wie geht es Ihnen während der Corona-Pandemie?

Wie wahrscheinlich den meisten Menschen. Ich vermisse den Kontakt zu Freunden. Einfach mal wieder beim Griechen zu sitzen und bei ein paar Bierchen zu plaudern, wäre schon toll.

Und wie verbringen Sie die kontaktlose Zeit?

Ich schwimme gern, doch das geht ja momentan leider auch nicht. Also fahre ich viel Fahrrad. Alleine dieses Jahr habe ich schon 1 800 Kilometer zurückgelegt. Noch schöner wäre es natürlich zu kicken. Aber da macht mein Knie leider nicht mehr mit, und während Corona wäre Fußball ja eh nicht möglich.

Aus dem Vollblutkicker Maltzahn ist also ein begeisterter Radfahrer geworden?

An meiner Liebe zum Fußball hat sich trotzdem nichts verändert. Ich verfolge natürlich weiterhin das Abschneiden von Werder und vor Corona auch das der beiden Vereine, für die ich gespielt habe.

Der eine Club dürfte der TuS Sudweyhe sein . . .

Natürlich. Sudweyhe ist ein Stück Heimat und der TuS mein Leib- und Magen-Verein. Aber die sportlich erfolgreichste Zeit hatte ich beim TuS Syke.

Wie kam es denn dazu, dass ein Ur-Sudweyher zum ungeliebten Rivalen aus Syke wechselte?

Syke galt in der Umgebung tatsächlich für viele als rotes Tuch, und meine Kumpels haben mir auch alle von einem Wechsel abgeraten. Doch ich wollte einfach mit 18 die Chance nutzen, in der Landesliga zu spielen.

Und wie fällt Ihr Fazit aus? Hat sich der Wechsel gelohnt?

Auf alle Fälle. Es waren drei tolle Jahre mit super Mitspielern wie Heiner Rosan, Rolf Kutzborski, Dieter Fesske, Meinhard Grashoff oder Bernd Wellmann. Zumal wir sportlich auch großen Erfolg hatten.

Sie meinen die Landesliga-Meisterschaft in der Saison 1978/79?

Genau. Damit hatten wir uns für die Aufstiegsspiele zur Verbandsliga (damals vierthöchste Klasse in Deutschland, d. Red.) qualifiziert und uns dort auch durchgesetzt.

Trug denn der Youngster Maltzahn auch sein Scherflein zum Erfolg bei?

Vor 2000 Zuschauern Siegtor erzielt und Meisterschaft gefeiert

Das muss ich ganz unbescheiden bejahen. Zumindest habe ich in Damme vor 2 000 Zuschauern im letzten Saisonspiel das Siegtor zur Meisterschaft erzielt. Das war ein unvergesslicher Tag. Ganz Syke war förmlich aus dem Häuschen. Wir wurden kurz vor der Stadtgrenze von einem Spielmannszug empfangen und zum Gasthaus Brüning geleitet, wo eine zünftige Feier stattfand.

Mit oder ohne den legendären Trainer Hubert Adelt?

Hubert war kein Kumpeltyp oder Feierbiest. Aber er hatte mit seiner distanzierten Art halt Erfolg. Auch wenn sein Training richtig hart war, es brachte uns die nötige Fitness und war nie langweilig.

Konnten Sie sich bei Hubert Adelt denn etwas für ihre spätere Trainerlaufbahn abschauen?

(grinst) Die Kreiszeitung titelte damals: Für Maltzahn zählt auch die dritte Halbzeit. Ich war als Trainer eher der Gegenentwurf zu Hubert.

Warum verließen Sie als Spieler schon nach drei Jahren den sportlich äußerst erfolgreichen TuS Syke?

Ich wollte schlichtweg wieder lieber mit meinen Kumpels kicken. Sudweyhe war einfach mein Verein. Da konnte ich nach den Spielen schön mit den Jungs in unserer Stammkneipe die Partie durchkauen. In Syke war das kaum möglich. Die meisten Spieler kamen ja nicht aus Syke und mussten noch mit dem Auto nach Hause fahren.

Sportlich einige Klassen tiefer zu spielen, nahmen Sie also für den höheren Spaßfaktor in Kauf?

Wir waren ja auch in Sudweyhe keine Thekentruppe, sondern haben immer im Bezirk gekickt. Außerdem begann in Syke Anfang der 80er-Jahre ein ziemlicher Abwärtstrend. Viele Spieler verließen den Verein, und der TuS rutschte immer tiefer.

Wissen Sie, in welcher Spielklasse Syke heute kickt?

Leider nur noch in der 2. Kreisklasse. Wirklich schade.

Nach Ihrer Zeit bei den Hachestädtern folgten dann noch 16 Jahre für Sudweyhe. Stimmt es, dass Sie ursprünglich sogar noch länger kicken wollten?

Eigentlich wollte ich meine Karriere erst mit 40 beenden. Aber meine Knieprobleme wurden immer schlimmer. Also habe ich mit 37 aufgehört und bekam danach vom Verein ein tolles Abschiedsspiel gegen Werder-Größen wie Uwe Reinders, Wolfgang Sidka und Jonny Otten spendiert. Eine richtig feine Geste.

Danach haben Sie Ihre Fußballstiefel an den berühmten Nagel gehängt?

So ganz ging das natürlich nicht. Okay, aus dem Fummler und Torjäger Maltzahn ist zwar eher ein Achter geworden, aber für die Alte Herren reichte es noch, und selbst da war der Ehrgeiz groß.

Und wie wurde aus dem offensiven Freigeist Maltzahn ein Trainer?

Eher zufällig. Die Alte Herren brauchte einen Coach, also habe ich das übernommen. Aber eigentlich ohne größere Ambitionen.

Und uneigentlich?

Mein langjähriger Coach Helmut Suhr, der praktisch als Otto Rehhagel von Sudweyhe galt, suchte einen Nachfolger. Offenbar traute er mir zu, in seine Fußstapfen schlüpfen zu können (lacht).

Gelang es denn?

Zumindest erinnere ich mich an acht bewegte Jahre mit einem sensationellen Kreispokalsieg gegen den klar favorisierten TSV Wetschen und drei Aufstiege in die Bezirksliga. Einer davon in höchst dramatischer Manier: Am Ende sind wir punkt- und torgleich mit Mörsen im Ziel eingelaufen. Aber wir hatten mehr Treffer erzielt. Das war sicherlich der geilste Aufstieg. Aber nach acht Jahren reichte es auch. Irgendwie war das nicht mehr mein Fußball.

Wieso?

Die berühmte dritte Halbzeit gehörte für mich halt dazu. Aber das gemeinsame Zusammensitzen wurde immer weniger. Das ist nicht meine Welt. Überhaupt hat sich für Jugendliche der Stellenwert beim Fußball geändert. Meine Trainer mussten mich bremsen, sonst hätte ich jeden Tag kicken wollen. Wenn heutzutage ein Training ausfällt, freuen sich viele sogar.

Also ein Abschied ganz ohne Wehmut?

Das nicht. Ich hatte ja eine tolle Truppe. Spieler wie Mirko Meyer oder Jan-Ove Bäker kannte ich von Kindesbeinen an. Zunächst fiel mir das Loslassen vom Fußball echt schwer, aber meine Lebensgefährtin musste lange zurückstecken. Endlich habe ich mehr Zeit für sie.

Schließen Sie ein Comeback als Trainer komplett aus?

Vor einigen Jahren wäre ich fast schwach geworden und hätte in Riede angefangen. Doch mittlerweile genieße ich die freie Zeit mit meiner Freundin, fahre viel Rad oder arbeite im Garten. Der Trainerjob fehlt mir nicht.

Stimmt es, dass Sie fast Torhüter geworden wären?

(lacht) Das ist nicht ganz richtig. Ich habe mich als kleiner Pöks zwar mal ins Tor gestellt, aber dermaßen die Hütte vollbekommen, dass es mir sofort reichte. Als Stürmer war ich talentierter.

Warum kennt man Sie nur als „Mulli“ ?

Einige nennen mich auch böswillig „Muli“. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, wer mir den Namen eingebrockt hat. Aber an „Mulli“ habe ich mich gewöhnt. Das passt.

Steckbrief

Alter: 62 Jahre.

Beruf: Automobilkaufmann.

Wohnort: Sudweyhe.

Vereine: TuS Sudweyhe, TuS Syke (als Spieler), TuS Sudweyhe (als Trainer).

Größte Erfolge: Landesliga-Meisterschaft mit dem TuS Syke (als Spieler), Kreispokalsieg mit dem TuS Sudweyhe (als Trainer).

Privates: Geschieden, zwei Kinder, ein Enkelkind.

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