„Zollstock-Gespräch“ mit Jan-Dirk Gießelmann

Dressurreiter aus Barver erwartet sein erstes Kind

Dressurreiter Jan-Dirk Gießelmann (re.) zusammen mit Julian Diekmann, Sportredakteur der Kreiszeitung Syke, und seinem Pferd Focus auf dem Hof in Barver.
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Wollte natürlich mit aufs Bild: Jan-Dirk Gießelmanns Pferd Focus (M.). Zusammen mit Sportredakteur Julian Diekmann (li.) sprach der Dressurreiter darüber, wie er die Coronakrise empfindet, was er vom zweiten Lockdown hält und wie er Weihnachten und Silvester verbringt.

Barver – Jan-Dirk Gießelmann hat bewiesen, dass er sich unter den Top-Dressurreitern behaupten kann. Doch dann kam auf einmal Corona. Im „Zollstock-Gespräch“ berichtet der 37-Jährige, wie er mit dem zweiten Lockdown des Jahres umgeht.

  • Jan-Dirk Gießelmann nutzt den Lockdown zum Hausumbau.
  • Dem Dressurreiter fehlen am meisten die Kollegen und Mitstreiter.
  • Im Februar erwartet der 37-jährige Pferdewirtschaftsmeister sein erstes Kind.

Wie beurteilen Sie die aktuellen Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung, die erneute Zwangspause für den Amateursport – und was nervt mehr als beim ersten Lockdown?

Für mich sind die Maßnahmen unumgänglich. Ich bin zwar kein Virologe oder Wissenschaftler, dennoch gehe ich davon aus, dass sie alle ernst zu nehmen und am Ende auch zielführend sind. Was mich mehr nervt als beim ersten Lockdown, kann ich gar nicht so richtig sagen. Aus sportlicher und beruflicher Sicht war der erste Lockdown im Frühjahr schon schmerzhafter, weil die Turnier-Saison vor der Tür stand. Dass jedoch die Mannschaftssportarten, bei denen man vermeiden will, dass große Gruppen zusammenkommen und Sport treiben, aktuell außen vor sind, sehe ich als richtig an, da genau dort eben viele Personen in Kontakt treten können und das Risiko dann einfach zu hoch ist.

Welches ist Ihr nächstes/neues Corona-Projekt?

Ganz klar der Umbau meines Hauses. Da er viel Zeit in Anspruch nahm und immer noch nimmt, passte es mir persönlich mit dem Lockdown gerade ganz gut.

Wie halten Sie sich momentan fit – und welche ist Ihre Lieblingsübung?

Ich bin ja Profisportler und beschäftige mich auch beruflich in Vollzeit mit Pferden. Von daher ändert sich an meinem normalen Alltagspensum eigentlich nicht so viel. Natürlich bereiten wir uns jetzt nicht gezielt auf irgendwelche Turniere vor, aber die Ausbildung der Pferde ist ja weiterhin die Aufgabe. Eine Lieblingsübung habe ich jetzt nicht für mich entdeckt. Meine Aufgabe zurzeit ist: Steine schleppen für den Hausumbau, das hält auch ganz gut fit (lacht).

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Corona-Zeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktuell größer denn je?

Auch wenn zurzeit keine Turnierstarts anstehen, kann ich mich aktuell ganz gut motivieren. Wenn ich es auf die professionelle Beschäftigung mit den Pferden beziehe, dann ist meine Motivation eigentlich ganz wenig von der Wettkampfherausforderung getrieben, sondern eher von der Aufgabe der Ausbildung der Pferde. Wenn man jetzt denken würde, vielleicht gibt es in zehn Jahren erst wieder ein Turnier, dann wäre es anders. Aber so lange das Ende der Pandemie mittelfristig am Horizont zu erkennen ist, ist es nicht das große Problem für mich.

Steckbrief

Name: Jan-Dirk Gießelmann

Alter: 37 Jahre

Wohnort: Barver

Beruf: Pferdewirtschaftsmeister

Größte sportliche Erfolge: 2. Platz beim Deutschen Dressur-Derby in Hamburg 2018

Privates: liiert mit Merle Lorenzen, das Paar erwartet im Februar das erste Kind

Welche Absage für die kommenden Wochen/Monate schmerzt am meisten?

Schade war es vor allen Dingen, dass im Frühjahr alles ausgefallen ist. Sowohl die regionalen Turniere als auch ein paar andere, die ich gerne besucht hätte. Wie zum Beispiel das Deutsche Spring- und Dressur-Derby in Hamburg. Jetzt über den Winter und gerade, was den Januar, Februar und März betrifft, ist nun nicht so viel los, was ich unbedingt schmerzlich vermissen würde. Aber wenn ab April die nächste Turnier-Saison wieder losgeht – die gerade für die jüngeren Pferde, die Turniererfahrung sammeln müssen, wichtig ist –, dann würden weitere Absagen schon schmerzen. Ich hoffe, dass dann wieder Turniere stattfinden.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich habe den sonntäglichen Tatort für mich entdeckt. Ein Buch habe ich mir jetzt nicht vorgenommen. Meine Lektüre war da mehr die Internet-Recherche nach Möbeln oder einer Badezimmerausstattung.

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

In meinem Beruf spielt das Homeoffice nicht so die bedeutende Rolle. Ich habe gerade Homeoffice mit meinen Pferden, weil man momentan nirgendwo mit ihnen hinfahren kann. Die Arbeit muss weiterhin mit dem Pferd und am Pferd im Stall stattfinden.

Wen in Ihrem Sport vermissen Sie am meisten?

Die vielen Kollegen und Mitstreiter, die man sonst vor allem in der Turnier-Saison regelmäßig sieht, die man dieses Jahr aber kaum gesehen hat. Das fehlt mir gerade besonders.

Kann Festtagsstimmung aufkommen? Wie werden Weihnachten und Silvester in diesem Jahr?

Weihnachten feiere ich dieses Jahr nur im engsten Familienkreis. Auch das Wegfahren bietet sich nicht an, da meine Angestellten über die Feiertage bei ihren Familien sind und die Tiere auf dem Hof ja weiter versorgt werden müssen. Und Silvester kann man dieses Jahr auch nicht groß planen. Aber dieses Jahr ist noch mal eine Spur trauriger, weil man sich gerne mit Freunden getroffen hätte. Doch das geht eben nicht.

Stadion, Konzert, Theater? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Ich freue mich eher auf ein Konzert. Und vor allem ins Kino zu gehen, vermisse ich. Aber ich freue mich auch schon wieder darauf, endlich mal wieder im Restaurant Essen zu gehen.

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