SPIELER DES WOCHENENDES: Riekers’ letzter Dreierpack? Abschied nach 15 Jahren

„Ich bin stolz, Sudweyher zu sein“

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Feiner Fuß, gutes Auge, treue Seele: Nico Riekers hat sich beim TuS Sudweyhe in 15 Jahren einen Namen gemacht. Zum Saisonende hört der Stürmer auf. 

Sudweyhe - Von Cord Krüger. Erst am frühen Sonntagabend hatten sie sich verabschiedet, doch schon gestern Morgen telefonierten sie wieder zusammen – zwecks Analyse des 4:4 „ihres“ TuS Sudweyhe bei der SG Diepholz. Nur ein kleiner Beleg für die intensive Bindung zwischen Trainer Christian Mach und seinem Kapitän Nico Riekers. So intensiv, dass Mach „den Gedanken am liebsten ausblenden würde, dass Nico zum Saisonende aufhört“, gesteht sein (Noch)-Coach. Und so intensiv, dass Stürmer Riekers lieber selbst seinen Platz im Kader des Bezirksligisten räumt, anstatt den „Chef“ in Verlegenheit zu bringen: „Wir bekommen jetzt sechs Neuzugänge, davon vier aus unserer starken A-Jugend – diesem Generationenwechsel will ich nicht im Weg stehen“, erklärt der 32-Jährige: „Auf keinen Fall soll Christian glauben, mich nur deshalb aufstellen zu müssen, weil ich Kapitän bin.“

Diese Sorge hatte Mach „unserem unumstrittenen Leader und Kopf der Mannschaft“ schon lange nehmen wollen, die weiteren Argumente lässt er aber gelten. „Ich werde jetzt im September zum ersten Mal Vater, und darauf freue ich mich unwahrscheinlich. Das will ich zu 100 Prozent auskosten. Zweitens kann beruflich noch der eine oder andere Kunde für mich dazu kommen – das alles zusammen bedeutet jetzt den perfekten Zeitpunkt zum Aufhören“, erklärt der Groß- und Außenhandelskaufmann.

Also dürfte Riekers am Sonntag in Diepholz während seines drittletzten Einsatzes im TuS-Trikot seinen letzten Dreierpack geschnürt haben. Zwar hätte er noch ein paar Jahre Zeit bis zum Alter von Werder-Oldie Claudio Pizarro (40), doch seine Mitspieler und Mach tauften ihn nach dem Abpfiff spontan in „Claudio Riekers“ um. „Das war witzig, aber anders als Pizarro hänge ich nicht noch ein Jahr dran. 15 Jahre erste Herren in Sudweyhe, davon zehn als Kapitän – es war eine schöne Zeit.“

Eine Epoche mit zwei Wiederaufstiegen in den Bezirk und dem Gewinn des Kreispokals 2009. „Das Jahr weiß ich noch genau – denn zeitgleich hat Werder den DFB-Pokal geholt“, sagt der Fan der Grün-Weißen grinsend.

Seinen Einstand im Männerbereich hatte er weit früher gegeben – in der Bezirksklasse (ältere Fußballfans dürften sich erinnern) unter Sudweyhes Trainerlegende Helmut Suhr in der Vorbereitung, später beerbte ihn Jürgen Maltzahn als Coach. „Als die Bezirksklasse abgeschafft und die Mannschaften neu eingeteilt wurden, mussten wir in die Kreisliga“, erinnert sich Riekers. Deutlich bitterer: der zweite Abstieg 2011, für den TuS wegen der unglücklich verlorenen Relegation und für Riekers wegen seines Kreuzbandrisses zum Auftakt jener Schicksalsspiele. Doch der schmerzhafte Ausfall hatte für den Offensivmann paradoxerweise einen schönen Moment parat, an den er sich noch heute mit Gänsehaut erinnert: „Ich stand vorher in Kontakt mit dem Brinkumer SV. Am Morgen nach meiner Verletzung rief Frank Kunzendorf an.“ Brinkums damaliger Manager hatte ihm für denselben Vormittag einen MRT-Termin organisiert. „Und er hat gesagt: Egal, wie die Diagnose ausfällt: Wir stehen zu unserem Wort und würden dich trotzdem gern nehmen.“ Das, gesteht Riekers, „tat schon richtig gut“.

Dennoch entschied er sich letztlich gegen den Bremen-Ligisten – denn dafür verband ihn mit dem TuS zu viel. „Und im Nachhinein bereue ich nichts. Ich bin stolz, Sudweyher zu sein.“

Riekers kämpfte sich zurück und arbeitete sich mit seinem Team wieder aus der Kreisliga heraus. In diese Zeit fiel auch eine Szene im Derby gegen den SV Dreye, die ihm den Fairplay-Preis einbrachte: „Bei einer Flanke sprang der Ball an meine Hand und dann ins Tor. Der Schiri wollte den Treffer geben, aber ich habe ihm das erklärt.“

In die Amtszeit seines jetzigen Trainers fallen viele ähnliche Geschichten als Beweise dafür, „dass Nico einen ganz starken Charakter hat“, betont Mach. Riekers’ Funktion als Führungsspieler – ob in seiner Paraderolle als Stürmer oder als Zehner, als Sechser oder wegen seiner Kopfballstärke im Abwehrzentrum, sind nur ein Teil, der künftig fehlen wird: „Auch außerhalb des Platzes organisiert Nico unheimlich viel“, schildert der TuS-Coach: „Und er wird auch mal deutlich, wenn etwas nicht rund läuft – zum Beispiel die Trainingsbeteiligung.“

Weil der angehende Papa Riekers aber ahnt, dass er nach dem Familienzuwachs nur noch Zeit für eine wöchentliche Einheit hätte, hört er jetzt auf. „Entweder 100 Prozent – oder gar nicht.“ Daher kommt auch ein Rückzug auf Raten für den Kirchweyher nicht infrage: „Unsere Zweite in der Kreisliga hat doch auch jede Menge gute Leute.“

Als Zuschauer – dann mit Kinderwagen statt Kapitänsbinde – bleibt er dem TuS aber treu. Und eventuell als Standby-Spieler: „Ich habe Christian schon gesagt, dass er mich zum Württemberg-Cup in der Vorbereitung noch bringen kann – vielleicht im Finale. . .“

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