Turn-Trainerin Petra Kehlenbeck-Schirmer baut jetzt Gemüse an

„Ich mag es, unter Dampf zu stehen“

Zwei Waagen vor der Grundschulhalle in Kirchweyhe: Turn-Trainerin Petra Kehlenbeck-Schirmer zeigt die Übung im Stehen, Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert versucht es auf Knien – mit dabei ist natürlich auch der Zollstock, der den nötigen Abstand anzeigt. Foto: jantje ehlers
+
Zwei Waagen vor der Grundschulhalle in Kirchweyhe: Turn-Trainerin Petra Kehlenbeck-Schirmer zeigt die Übung im Stehen, Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert versucht es auf Knien – mit dabei ist natürlich auch der Zollstock, der den nötigen Abstand anzeigt. Foto:
  • Malte Rehnert
    vonMalte Rehnert
    schließen

Kirchweyhe - Was tut man nicht alles für ein gutes Foto? Rauf auf den Wagen mit den blauen Matten. Eine Hand an den Mini-Barren, die andere an den gelben Zollstock. Körperspannung aufbauen. Das linke Bein sportlich-elegant nach hinten strecken. „Den Fuß noch etwas spreizen“, ruft Patricia, die Tochter der mitposierenden Turn-Trainerin Petra Kehlenbeck-Schirmer. Gar nicht so einfach, diese Kniewaage. Leichte Krampfgefahr beim Versuch, die Figur einigermaßen hinzubekommen und ein paar Momente zu halten. Aber dann macht es vielfach „Klick“. Die Bilder sind im Kasten, Fotografin Jantje Ehlers lächelt zufrieden.

Nach dem kurzen Shooting kann das Zollstock-Gespräch mit Petra Kehlenbeck-Schirmer, die für die Bilder die Standwaage zeigte, beginnen. Die 53-Jährige kümmert sich seit mittlerweile 21 Jahren um den Turn-Nachwuchs bei der sehr erfolgreichen SV Kirchweyhe. Wegen der Corona-Pandemie war bis vor kurzem nur Kleingruppen-Training und nur draußen möglich, etwa mit den „Minis“ auf dem Rasenplatz neben der Kirchweyher Grundschule Auf dem Geestfelde. Immer mit zwei Metern Abstand. Die Turn-Utensilien mussten selbst mitgebracht werden. Und wenn die Trainerin ein Gerät oder ein paar Kegel aus der Halle holte, musste sie vorher und nachher gründlich desinfizieren. „Das Training ist anders als sonst, aber es klappt gut“, meint Kehlenbeck-Schirmer, die bei den Einheiten von ihrer Tochter unterstützt wird. Seit dieser Woche trainieren sie – unter strengen Hygiene-Auflagen – auch wieder in der Halle.

Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Dass ich Familienmitglieder, die nicht zum eigenen Hausstand gehören, nicht umarmen kann. Das stört mich sehr, die körperliche Nähe fehlt mir. Und meine Mutter, die in einem Seniorenheim lebt, konnte ich auch lange nicht besuchen. Außerdem habe ich meine Schwiegereltern zuletzt nicht gesehen.

Gibt es etwas, dass Sie derzeit auch angenehm finden?

Das Training an der frischen Luft hat Spaß gemacht. Und man entschleunigt ein bisschen, hat viel mehr Freizeit. Normalerweise bin ich fünfmal pro Woche in der Halle. Jetzt trainieren wir wieder, aber die Einheiten sind kürzer – nicht zweieinhalb oder drei Stunden, sondern anderthalb oder eine. Ich muss aber auch sagen, dass ich es mag, unter Dampf zu stehen. Die Ruhe habe ich nur zwei, drei Wochen richtig genossen.

Was für versteckte Talente haben Sie an sich entdeckt?

Ich baue seit März selbst Gemüse an. Kohlrabi und Brokkoli, aber auch Tomaten, die ich nach den Eisheiligen draußen eingepflanzt habe. Sie sind noch nicht erntereif, aber es sind schon Blüten dran. Außerdem treibe ich mehr Sport, fahre viel Fahrrad mit meiner Tochter Patricia oder jogge mit meiner anderen Tochter Antonia.

Was ist momentan sportlich die größte Herausforderung? Und was sind Ihre Tipps, um fitzubleiben?

Die Mädchen wieder fitzubekommen für Wettkämpfe und sie an die Geräte zu gewöhnen. Wenn man monatelang nicht am Barren oder auf dem Balken war, ist das eine Hausnummer. Kraft und Sicherheit müssen zurückkehren. Bis Sommer sind alle Wettkämpfe abgesagt, die Rückrunde der Landesliga ist für den November geplant. Mal sehen, ob sie stattfinden kann. Meine Fitness-Tipps: Rad fahren, joggen, walken, spazieren gehen – einfach in Bewegung bleiben.

Welche Absage schmerzte in den vergangenen Wochen am meisten?

Wir wollten vom 20. bis 24. Mai mit einer Gruppe von etwa 50 Leuten zum Landesturnfest, das nur alle drei Jahre stattfindet. Da sind wir Stammgäste mit der SV Kirchweyhe. Diesmal wäre es in Oldenburg gewesen, aber leider ist es ausgefallen – aus verständlichen Gründen.

Buch, Serie oder Film – was bevorzugen Sie? Und was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Die Science-Fiction-Serie „Into the night“ auf Netflix und das Buch „Solange du atmest“ von Joy Fiedling. Ich lese gerne Thriller und schaue gerne Serien. „Make it or break it“ habe ich zum Beispiel schon dreimal gesehen. Das ist eine US-amerikanische Serie über das Turnen, die 2009 startete und drei Staffeln hat. Da habe ich mir tatsächlich auch schon mal Elemente für das eigene Training abgeguckt. Meine Lieblingsserie ist aber „The Blacklist“.

Was tragen Sie für eine Maske - und wer hat sie genäht?

Ich nähe selbst, habe Masken in bunten Farben oder uni. Gerade oder mit Augenausschnitt für Brillenträger. Damit habe ich die Familie, aber auch Freunde und Bekannte versorgt. Das Nähen habe ich in der Corona-Zeit wiederentdeckt, dafür hatte ich vorher kaum Zeit. Früher habe ich für die Kinder fast alle Kleidungsstücke selbst genäht.

Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. In so einer unangenehmen Situation Entscheidungen für ein ganzes Land treffen zu müssen, ist eine riesige Verantwortung und Herausforderung. Ich bin froh, dass ich das nicht machen muss.

Müritz oder Mallorca? Balkonien oder Balearen? Wie sehen Ihre Urlaubspläne für dieses Jahr aus?

Das Ziel ist der eigene Garten. Wir haben zehn Tage Kos gebucht, der erste Urlaub von meinem Mann und mir ohne Kinder. Aber wir möchten es nicht machen, weil es angesichts der Corona-Lage kein entspannter Urlaub wäre. Wir fahren dafür bestimmt mal einen Tag an die Nordsee.

Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes machen?

Meine Mutter besuchen. Und danach ab in die Halle, alle Geräte aufbauen und ein ganz normales Training ohne Vorschriften machen.

Steckbrief
Name: Petra Kehlenbeck-Schirmer
Alter: 53
Wohnort: Kirchweyhe
Beruf: Verwaltungsfachangestellte
Größter sportlicher Erfolg: Trainerin des Jahres 2010 in Weyhe, Aufstieg mit der SV Kirchweyhe in die Landesliga 1 LK 1 und dort Platz vier erreicht.
Verein: SV Kirchweyhe
Privates: verheiratet mit Jens Kehlenbeck, zwei Töchter (Patricia/26 und Antonia/21) und ein Sohn (Enzo/23).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Sieg im Elfmeterschießen: Wolfsburg wieder Doublesieger

Sieg im Elfmeterschießen: Wolfsburg wieder Doublesieger

Trumps düstere Botschaft zum Unabhängigkeitstag

Trumps düstere Botschaft zum Unabhängigkeitstag

„Ist das noch Relegation oder schon Kreisliga?“ - Netzreaktionen zu Werder gegen Heidenheim

„Ist das noch Relegation oder schon Kreisliga?“ - Netzreaktionen zu Werder gegen Heidenheim

"Cyberpunk 2077", "Doom Eternal" und "Half-Life": Diese Spielekracher erscheinen 2020

"Cyberpunk 2077", "Doom Eternal" und "Half-Life": Diese Spielekracher erscheinen 2020

Meistgelesene Artikel

Freese muss ihren DM-Start in Braunschweig wohl absagen

Freese muss ihren DM-Start in Braunschweig wohl absagen

Das „Fußball-Feuer“ ist wieder da

Das „Fußball-Feuer“ ist wieder da

Frauen der SG Hoyerhagen II holen sich in Nienburg den Fußball-Kreispokal

Frauen der SG Hoyerhagen II holen sich in Nienburg den Fußball-Kreispokal

Endlich Klarheit im Peppermint Pavillon

Endlich Klarheit im Peppermint Pavillon

Kommentare