Vilser Dressurreiterin Jessica Lynn Thomas wird auf Anhieb Vizeweltmeisterin

„Ich lebe für die Turniere“

Sie schaut auch mal zu: Jessica Lynn Thomas auf ihrem Stuhl in der Reithalle. Ihr Mann Raphael hat das Training gerade beendet, nun ist Mitarbeiterin Hannah (im Hintergrund) dran. Foto: rehnert

Ochtmannien - Von Malte Rehnert. Der Weg zur Vizeweltmeisterin führt vorbei an Pferden. Vielen Pferden. Links sind Ställe, rechts auch – die meisten bewohnt. Insgesamt 28 junge Pferde sind hier auf dem Areal des Hofs Brüning in Ochtmannien nahe Bruchhausen-Vilsen momentan untergebracht und in der Ausbildung. Nach 200, 300 Metern, am Ende des Geländes, folgt dann noch ein Reitplatz – und eine 2018 gebaute Halle. Dort hinein hat Jessica Lynn Thomas zum Gespräch eingeladen. Während ihr französischer Ehemann Raphael Thomas ein Pferd trainiert, sitzt die gebürtige Schwedin (Mädchenname Andersson), die ebenfalls als Bereiterin arbeitet, am Rand und erklärt ihre innige Liebe zum Reitsport. Ab und zu schauen die Australian Terrier Elsa und Kaia sowie Dackel Sir Francis am Tisch vorbei. Natürlich ist auch die WM der fünf- und sechsjährigen Dressur-Pferde ein Thema, bei der die 36-Jährige kürzlich in Ermelo (Niederlande) mit Hengst Secret den zweiten Platz belegte und damit den größten Erfolg ihrer Karriere feierte.

„Es ist schön zu sehen, dass sich die Arbeit auszahlt. Mit der Vizemeisterschaft bin ich sehr zufrieden“, sagt Thomas, die sich bei der Sichtung in Warendorf für die Weltmeisterschaft empfohlen hatte: „Immerhin war es meine erste Weltmeisterschaft; und ich bin gegen ältere und erfahrenere Konkurrenz angetreten. Man sollte dankbar sein – und nicht zu gierig.“

Am ersten Tag lag Thomas mit Secret, der auf einem Gestüt in Visselhövede lebt und dort regelmäßig als Deckhengst eingesetzt wird, nach einer Super-Vorstellung sogar noch ganz vorne. Dann rutschte das Duo noch einen Rang ab – es war am Ende aber sehr, sehr knapp. Und absolut hochklassig! Sieger Andreas Helgstrand (Dänemark) hatte mit Jovian 9,66 Punkte, Thomas 9,64. „Natürlich habe ich mich erst ein bisschen geärgert“, gibt die Schwedin zu: „Aber letztlich haben mein Pferd und ich unser Bestes gegeben.“ Und viel mehr erreicht als erhofft. Sie wollte eigentlich „nur eine schöne Runde machen“. Dass es so gut läuft, „habe ich überhaupt nicht erwartet“.

Wenn Thomas – im Übrigen in sehr gutem Deutsch mit leichtem Akzent – über das Reiten spricht, merkt man sofort: Hier ist ganz viel Hingabe im Spiel. Für den Beruf als Bereiterin und für den Sport. Wenn sie zu Wettkämpfen fährt (aktuell fast jedes Wochenende – meistens in Deutschland, auch mal in den Niederlanden oder Schweden), erwacht ihr großer Ehrgeiz. „Ich lebe für die Turniere, ich liebe es. Das ist bei mir schon immer so gewesen“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.

Geboren in Karlstad, ging es früh los mit der Pferde-Passion. Im Alter von vier Jahren bekam sie ihr erstes Shetland-Pony. Mit Zwölf dann die ersten Turniererfahrungen, auch Einsätze für das schwedische Nationalteam (Ponys und Junioren). Das war gut, aber nicht gut genug, meinte sie: „Die Deutschen waren immer besser als wir. Deshalb wollte ich nach Deutschland.“

Mit 17 brach sie auf. Alleine. Sie zog auf einen Hof nahe Dörverden und fand genau das, was sie wollte: „Lernen, arbeiten und gucken, wie die Deutschen das machen mit dem Training und der Pferdehaltung.“ Zweieinhalb Jahre lang. Seither ist sie Mitglied beim RV Aller-Weser, reitet bei nationalen Turnier noch heute für den Verein.

Dann begann ein Hin und Her. Erst zurück nach Schweden, Turniere reiten, inzwischen spezialisiert auf die Dressur. Wieder nach Deutschland, diesmal Hamburg. Wieder nach Schweden, um mit ihrer Mutter ein Restaurant aufzubauen und zu führen. War aber auch nicht die Erfüllung des Lebenstraums. Also zurück nach Deutschland, Visselhövede. Dort lernte sie vor etwa sechs Jahren ihren Mann Raphael kennen. Die beiden gingen zusammen als Bereiter nach Wettringen (Westfalen), ehe sie vor zweieinhalb Jahren nach Bruchhausen-Vilsen zogen und sich in Ochtmannien selbstständig machten. „Nun können wir die Pläne für die Pferde machen und zum Beispiel bestimmen, ob und wann sie verkauft werden. Es ist nun möglich, da etwas egoistischer zu sein.“ Die Zusammenarbeit mit Familie Brüning bezeichnet Thomas als „toll“, „großes Glück“ und „Gewinn für beide Seiten“.

Auf der Anlage stehen fünf eigene Pferde, die übrigen werden dort ausgebildet und haben andere Besitzer – darunter laut Thomas „viele Profis, die hier ihre jungen Pferde lassen“. Zum Beispiel den Grand-Prix-Reiter Matthias Alexander Rath (35). „Ich freue mich riesig, dass sie uns das Vertrauen schenken“, betont die 36-Jährige: „Für viele ist ein Pferd wie ein Kind. Es geht aber aber auch um sehr viel Geld.“

Unterstützt wird das Ehepaar Thomas von einem Mitarbeiterteam, zu dem aktuell auch zwei Schwedinnen und eine Tschechin gehören („Das ist hier unsere Familie“). Sie helfen auch mal beim Babysitten. Als der einjährige Max seinen Mittagsschlaf im Reitstall (dort stand sein Kinderwagen) beendet hat, wird er zu Mama Jessica in die Halle getragen. Die freut sich und berichtet stolz: „Er kann auch schon auf dem Pferd sitzen.“

Mit der Familie reist Thomas ein paar Stunden später zu den niederländischen Meisterschaften. Im September startet sie mit mehreren Pferden wieder beim Bundes-championat in Warendorf („Ich liebe dieses Turnier“).

Und ein großes Ziel für 2020 hat sie ebenfalls bereits im Visier: Die WM der jungen Pferde in Verden. Gerne wieder mit Secret, der dann sechs Jahre alt ist und erneut in der Klasse der Fünf- und Sechsjährigen starten darf. „Dieses Pferd ist einmalig“, schwärmt Thomas und ergänzt: „Wenn ich Glück habe, darf ich ihn noch länger behalten und trainieren. Und dann hat er eine sehr große Chance, im Grand Prix dabei zu sein.“ Sie selbst könnte dann vielleicht für die schwedische Nationalmannschaft reiten: „Diesen Traum hatte ich schon als Mädchen – und ich habe ihn immer noch.“

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