Peter Bielefeld vom SC Weyhe nimmt an der Ü 45-Basketball-WM teil

„Ich hoffe, dass nicht alle mörder-verbissen sind“

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Bereits bei der Maxi-Basketball-Europameisterschaft im litauischen Kaunas trug Jens Bartnick (stehend, links) das deutsche Trikot. Durch die langjährige sportliche Konkurrenzsituation zwischen Bartnick und Peter Bielefeld riss der Kontakt nie ab. Nun spielen die beiden bei der Weltmeisterschaft in Griechenland zusammen in der Ü 45-Auswahl Deutschlands.

Kreis-Diepholz - Von Daniel WiechertWEYHE/THESSALONIKI · Die von Joseph Haydn komponierte Melodie erklingt, die Knie zittern, die Hände sind feucht. Doch der Text sitzt – schließlich oft genug gehört. Lauthals und inbrünstig wird „Einigkeit und Recht und Freiheit“ intoniert. Jetzt gilt‘s, die deutschen Farben beim Länderspiel zu vertreten. Millionenfach haben Sportbegeisterte dies durchexerziert. Doch en gros blieb es beim Gedankenspiel. Nicht für Peter Bielefeld. Der Basketballer vom SC Weyhe vertritt jetzt die deutschen Farben bei der Weltmeisterschaft der Ü 45-Basketballer im griechischen Thessaloniki.

Der Spaß steht im Vordergrund, doch es ist keine Kaffeefahrt in das von der Finanzkrise gebeutelte Land. „Ich hoffe zwar, dass nicht alle mörder-verbissen dort sind. Aber wenn ich auf dem Feld stehe, will ich auch gewinnen“, sagt der 50-Jährige Bielefeld.

Doch das wird kein Selbstläufer. Die Gruppengegner Brasilien, Argentinien und Griechenland zählen zu den absoluten Schwergewichten in der Maxi-Basketball-Szene. Zum Vergleich: Deutschland konnte über die Jahre hinweg sieben Medaillen gewinnen, die „Gauchos“ kommen auf 25 und Brasilien gar auf 58 – Rekord.

„Wenn das von den anderen Nationen alles Zwei-Meter-Hünen sind, die sich bereits seit Wochen auf das Turnier vorbereiten, wird es natürlich sauschwer für uns“, sagt der 50-Jährige, der auf der Position des Guards spielt. Und er erläutert weiter: „Ehrlich gesagt, bin ich komplett unbeleckt, was die Veranstaltung angeht. Bisher weiß ich nicht einmal, wann unsere Spiele genau terminiert sind.“ Auch der Elf-Mann-Kader seines Teams habe bisher noch nicht einmal zusammen trainieren können.

Trotzdem möchten die deutschen Basketballer nicht von vornherein die Flinte ins Korn werfen. „Es ist schließlich Basketball. Selbst ein 20-Punkte-Rückstand kann innerhalb von ein paar Minuten wettgemacht werden“, sagt Bielefeld. In diesen Momenten wird deutlich, dass der 50-Jährige dem Basketballsport verfallen ist.

Doch wie kam es dazu, Schwarz-Rot-Gold vertreten zu dürfen? „Jens Bartnick hatte mich schon im Dezember angerufen, ob ich nicht Lust hätte, dort mitzuspielen. Nach reiflicher Überlegung habe ich dann zugesagt“, erklärt Bielefeld. Die Chance, bei einem internationalen Turnier am Start zu sein, komme nicht so oft. Deshalb habe dies den Ausschlag trotz der finanziellen Belastung und des hohen Zeitpensums gegeben: „Ich fahre bereits vorher mit meiner Frau und meinen Kindern runter, um ein bisschen Urlaub zu machen. Wären sie dazu nicht bereit gewesen, hätte ich es wohl nicht gemacht“, so der 50-Jährige.

Bereits vor mehr als 35 Jahren hatte Bielefeld seine Leidenschaft für den Basketballsport entdeckt. „Ich habe damals in der Schule alles ausprobiert, aber bin beim Basketball hängen geblieben. Weil ich dort nicht nur mithalten konnte, sondern richtig gut war“, erinnert sich Bielefeld. Vom Schulsport ging es zum Vereinsbasketball nach Leeste, danach zu 1860 Bremen, und über Lesum kam er wieder in Weyhe an.

Zwischenzeitlich spielte der Vater von drei Töchtern gar in der Regionalliga und war für die Bremen-Auswahl nominiert. Auf einer Polen-Fahrt mit der Landesauswahl traf er im jugendlichen Alter auch das erste Mal auf Jens Bartnick, mit dem er nun wieder bei der Weltmeisterschaft zusammenspielt. „So schließt sich irgendwie der Kreis“, sagt Bielefeld, „Jens und ich waren über all die Jahrzehnte immer Gegner, weil er beim Rivalen aus Brinkum spielte.“ Aus Gegnern wurden Freunde, die nun im Ü 45-Team wieder vereint sind.

Bartnick war es erst, der Bielefeld den Einsatz in Thessaloniki schmackhaft gemacht hatte: „Jens hat mir das alles im Detail erklärt und mich damit angesteckt. Er ist sozusagen das Bindeglied zwischen uns Spielern und dem Verband für dieses Turnier.“

So sorgte Bartnick auch dafür, dass sein Team standesgemäß in Nationalmannschaftstrikots auflaufen kann. „Das sorgt natürlich schon für einen besonderen Flair“, sagt Bielefeld. „Ich glaube, so kommt man auch mit den anderen Teams besser ins Gespräch.“ Überhaupt hofft er darauf, dass sich bei dem Turnier mit 177 Teams aus 33 Ländern so etwas wie Olympisches-Dorf-Feeling breit macht. „Vielleicht macht es ‚Bumms‘ und man ist mit jemandem direkt auf einer Wellenlänge. Wenn sich dadurch Kontakte entwickeln, die auch danach noch Bestand haben, würde mich das natürlich riesig freuen.“

Fairness und Freundschaft sind die ehrbaren Hauptmotive für Bielefeld. Doch er kann nicht verstecken, dass mehr als drei Jahrzehnte Wettbewerbsbasketball ihre Spuren hinterlassen haben: Seit Wochen schiebt er Sondereinheiten, verzichtet auf‘s Rauchen und die Hymne sitzt bestimmt auch perfekt.

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