ZOLLSTOCK-GESPRÄCH Axel Knoerig über sinnvolle Einschränkungen und seine Waldbühnen-Sehnsucht

„Ich habe mein Büro immer dabei“

Vieles macht er online, vor Ort in der Geschäftsstelle des Kreissportbundes Diepholz in Affinghausen ist Axel Knoerig (links) dennoch das eine oder andere Mal. Dort traf er sich auch mit Sportredakteur Felix Schlickmann zum „Zollstock-Interview“.
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Vieles macht er online, vor Ort in der Geschäftsstelle des Kreissportbundes Diepholz in Affinghausen ist Axel Knoerig (links) dennoch das eine oder andere Mal. Dort traf er sich auch mit Sportredakteur Felix Schlickmann zum „Zollstock-Interview“.

Affinghausen – Die eine Hälfte des Jahres verbringt Axel Knoerig (54) in Berlin, die andere in Kirchdorf. Dort ist er Bundestagesabgeordneter für den Wahlkreis Diepholz – Nienburg, hier fungiert der CDU-Politiker als stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbundes Diepholz sowie des Sport-Fördervereins Landkreis Diepholz. Und zwischen all den vielen Terminen hat sich der ehemalige Amateurboxer Knoerig (seit 2003 vertritt er die Sparte bei „seinem“ Verein TuS Syke als Leiter) Zeit für ein „Zollstock-Gespräch“ genommen.

  • Knoerig geht seit der Coronazeit häufiger laufen.
  • Der Bundestagsabgeortnete findet in der Kirchdorfer beziehungsweise Kuppendorfer Heide zur Ruhe.
  • Der 54-Jährige sieht Impfung als beste Prävention.

Über ein Jahr Corona-Maßnahmen: Was war für Sie richtig, was falsch? Welche derzeitigen Einschränkungen halten Sie für übertrieben?

Die Maßnahmen hatten alle den Zweck, Treffen zu reduzieren. Und das war vollkommen richtig, weil viele Leben gerettet wurden. Auch jetzt ist es richtig, weil wir durch das Impfen eine Herdenimmunität schaffen – wenn wir uns alle an die Regeln halten. Dann wird es bald schlagartig besser, und die Leute werden unter anderem wieder Sport machen können. Es war auch richtig, das an Zahlen wie dem Inzidenzwert festzumachen, weil die Situationen in den Bundesländern nunmal unterschiedlich sind. Das ist für die Bürger manchmal schwer nachzuvollziehen, aber die Länder müssen eben die Kontakte reduzieren. Ich habe es auch satt, aber es ist notwendig. Ich war zum Beispiel kein Freund der nächtlichen Ausgehsperre, aber die Notwendigkeit führt zu einem besseren Ergebnis.

Was ist Ihr nächstes Corona-Projekt? Und was haben Sie bisher schon umgesetzt?

Der zeitliche Umfang meiner Arbeit ist in der Pandmie der gleiche, darum gab es da nicht so viel. Die größte Änderung in der politischen Arbeit ist, dass Ausschüsse, Tagungen und Abstimmungen meist digital sind. In dem Bereich sind vielleicht 20 Prozent von dem geblieben, wie es vorher war. Für mich war das aber keine große Umstellung, weil ich seit 1998 einen digitalen Arbeitsplatz habe.

Welcher ist Ihr Lieblingsort, um Kraft zu tanken?

Die Kirchdorfer beziehungsweise Kuppendorfer Heide. Das ist ein wunderschönes Gebiet, das ich nur empfehlen kann. Dort bin ich gerne in der Freizeit, aber auch sportlich unterwegs, weil der Boden das Optimalste fürs Laufen ist.

Kein Training, keine Wettkämpfe, vielleicht andere Hobbys: Wie sehr beschäftigen Sie sich in der Coronazeit damit, weniger leistungsorientierten Sport zu treiben oder gar ganz damit aufzuhören? Oder ist die Lust aktueller denn je?

Eines hat die Coronazeit bei mir bewirkt: Ich gehe regelmäßiger laufen, jeden Morgen eine halbe Stunde. Früher habe ich immer mal in den Vereinen vorbeigeschaut und mittrainiert, das fällt ja jetzt weg. Durch diese Regelmäßigkeit habe ich 13 Kilos verloren. Darum habe ich große Sorge davor, dass Grillpartys demnächst wieder möglich sein könnten (lacht).

Selbsttests: Würden Sie diese Regelmäßig in Kauf nehmen, um wieder trainieren zu können?

Diese Tests müssen auf jeden Fall bleiben, auch in den ersten Wochen nachdem komplett durchgeimpft wurde. Das ist ein Mittel, das etwas mehr Sicherheit bringt, auch im Sport.

Buch, Serie oder Film – was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich schaue immer mal gerne auf Arte und 3sat ausgewählte Filme, Serien dagegen weniger. Zudem beackere ich gerade das Buch „Neustaat“ (Politik und Staat müssen sich ändern. 64 Abgeordnete & Experten fangen bei sich selbst an – mit 103 Vorschlägen, von Thomas Heilmann und Nadine Schön, d. Red.).

Arbeiten im Homeoffice – angenehme Abwechslung oder Belastung?

Vor allem absolut nötige Entwicklung, denn es ist sehr effizient. Wir müssen die Digitalisierung aufarbeiten, uns da noch mehr drauf einlassen. Ich habe mein Büro, zum Beispiel durch mein Handy und Tablet, immer dabei.

Corona-Impfung: Ja oder Nein?

Es geht ja nicht nur darum, sich selbst zu schützen. Wir müssen dafür sorgen, dass andere nicht angesteckt werden, auch in Sportvereinen. Und da ist die Impfung die beste Prävention. Ich bin dafür, dass die Verabreichung freiwillig bleibt. Aber wer im öffentlichen Leben, also auch im Sport, mitmachen will, muss geschützt sein.

Stadion, Konzert, Theater, Urlaub – oder ähnliches? Was machen Sie zuerst, wenn es wieder erlaubt ist?

Ein richtig schönes Open-Air- Konzert. Hin und wieder fahren wir mit einer Gruppe aus der Kirchdorfer Gemeinde zur Waldbühne nach Berlin. Außerdem werde ich ab und an zum Handball nach Barnstorf eingeladen, ich kenne Heiner Thiemann (Trainer HSG Hunte-Aue Löwen, d. Red.) gut. Das würde ich auch mal wieder machen. Und ich würde den „Tag des Sports“ gerne wieder mit allem durchführen, was dazugehört, in diesem Jahr funktioniert das zum Beispiel nur in abgespeckter Form.

Trotz fast 25 Millionen Mitgliedern in Deutschland: Der Vereinssport wird in der Bund-Länder-Treffen kaum thematisiert – kommt der Breitensport Ihrer Meinung nach zu kurz in der öffentlichen Betrachtung?

Der Fußball dominiert natürlich, und der Profisport wird ganz anders dargestellt als die Amateurwelt. Ich würde mir wünschen, dass gerade die vielen Randsportarten medial anders dargestellt werden und auch mal den Weg in den Mittelpunkt der Beachtung finden.

Steckbrief

Name: Axel Knoerig

Alter: 54 Jahre

Wohnort: Kirchdorf

Beruf: CDU-Politiker (Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Diepholz – Nienburg)

Größter sportlicher Erfolg: Zweifacher Box-Vize-Landesmeister im Weltergewicht

Verein: TuS Syke

Privates: Verheiratet, ein Sohn

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