„Ich freue mich tierisch“

Der „Stuhrer Junge“ Mike Owsianowski übernimmt „seine“ HSG

Hat klare Vorstellungen, wie er seinen Handball-Landesligisten HSG Stuhr in Zukunft spielen lassen will: Neu-Coach Mike Owsianowski. FOTO: J. DIEKMANN
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Hat klare Vorstellungen, wie er seinen Handball-Landesligisten HSG Stuhr in Zukunft spielen lassen will: Neu-Coach Mike Owsianowski.

Stuhr - „Owsianowski kann niemand aussprechen – weder betrunken noch nüchtern“, erzählt Mike Owsianowski und lacht: „Darum hat vor ein paar Jahren mal jemand nachts um drei Uhr zu mir gesagt: ,Ich nenne dich jetzt nur noch ,Owo‘.‘ Und seitdem heiße ich so.“ Der Spitzname kommt also „nur“ vom Nachnamen. „Keine spektakuläre Geschichte, ich weiß“, meint „Owo“ mit einem – fast schon schuldbewussten – Lächeln. Zufriedener ist Owsianowski mit der Geschichte, wie er zum Cheftrainer eines Handball-Landesligisten geworden ist.

Denn es handelt sich nicht um irgendeinen Verein. Ab der kommenden Saison coacht er die HSG Stuhr – für den „Stuhrer Jungen“ ein Traum: „Dass es bei meinem Heimatverein geklappt hat, ist echt toll. Ich freue mich tierisch auf diese Aufgabe.“

Wirklich damit gerechnet habe er allerdings nicht. Als der bisherige Coach Sven Engelmann seinen Ausstieg zum Ende der Serie 2019/20 ankündigte, „habe ich mir schon Hoffnungen gemacht“, meint Owsianowski, „aber ich hätte nicht gedacht, dass ich mit eineinhalb Jahren Erfahrung als Co-Trainer einer Herrenmannschaft den Job bekomme.“

Möglich gemacht hat das neben Abteilungsleiter Jürgen Schneider vor allem auch Engelmann. „Ich wusste, dass ,Owo‘ sich angeboten hat und habe das von vornherein unterstützt“, sagt der Ex-Trainer: „Er ist einfach der Beste für diesen Job. Er ist einfühlsam, hat ein hohes Hintergrundwissen. ,Owo‘ steht bei mir hoch im Kurs.“

Seine ersten Erfahrungen sammelte Owsianowski in seiner eigenen aktiven Zeit bei der HSG Hude/Falkenburg, war dort mit einem Kollegen gemeinsam Spielertrainer. Danach coachte er einige Jugendmannschaften und die vergangenen drei Jahre gemeinsam mit Phillip Albers die Damen der HSG Stuhr, die der 36-Jährige nun Albers alleine überlässt. Vor eineinhalb Jahren stieg er außerdem als „Co“ von Engelmann bei der ersten Herren ein.

Ein irreparabler Knorpelschaden hatte kurz zuvor seine aktive Karriere abrupt beendet. „Da ist für mich natürlich eine Welt zusammengebrochen“, erzählt Owsianowski: „Ich war eine ganze Zeit lang sehr geknickt, weil ich vorher sehr viel gemacht habe.“ Bis zu seiner Ausbildung spielte er „Basketball, Handball, Fußball und Tennis – alles parallel. Dann bin ich beim Handball hängen geblieben, weil es am meisten Spaß gemacht hat“, erklärt er. Zwei Operationen (Außenmeniskus und Patellasehne) und über zehn Jahre später ging es nicht mehr weiter.

„Nach den OPs war lange alles gut, aber plötzlich war nach einem Spiel mein rechtes Knie ganz dick. Nach und nach hat sich herausgestellt, dass ich keinen Knorpel mehr habe, auch der Außenmeniskus hatte sich aufgelöst“, sagt Owsianowski: „Ich soll keine Stop-and-Go-Sportarten mehr ausüben.“

Mit der Diagnose sei er damals sofort zu Engelmann gegangen. „Es hat keine zwei Sekunden gedauert, bis Sven mir angeboten hat, ihn als Trainer zu unterstützen“, erinnert sich der neue Stuhrer Trainer an das Gespräch mit dem ehemaligen: „Er hat mir die Chance gegeben, beim Team zu bleiben. Das war sehr schön und nett von ihm, ich bin ihm total dankbar.“

Nach eineinhalb Jahren als „Co“ fühlt sich Owsianowski nun bereit für einen Posten als Chefcoach im Herrenbereich. „Für mich war schon vor der Saison (2019/20, d. Red.) klar, dass ich die Damen-Mannschaft nicht weiter betreue. Ich wollte ein Herren-Team trainieren“, erklärt er: „Wenn es mit Stuhr nicht geklappt hätte, wäre ich woanders hingegangen. Ich wollte unbedingt den nächsten Schritt machen.“

Und auch Engelmann traut seinem Kollegen zu, in der Landesliga schnell Fuß zu fassen. „Er kann den Klassenerhalt schaffen“, ist sich der 53-Jährige sicher: „Wenn er eine gute Mannschaft zusammenbaut, ist in der Tabelle sogar Luft nach oben.“

Das primäre Ziel ist aber erst einmal zu zeigen, „dass wir nicht so schlecht sind, wie wir es in der vergangenen Saison oft gezeigt haben“, betont Owsianowski, der allerdings davon überzeugt ist, „dass wir auch ohne den Corona-Abbruch den Klassenerhalt geschafft hätten – zumindest die Relegation hätten wir erreicht.“

Doch das ist nun sowieso abgehakt, die Planungen für die Zukunft haben längst begonnen. Und da ist es dem neuen Coach besonders wichtig, noch jemanden zu finden, der ihm unter die Arme greift. „Ich hätte Malte Blume gerne als meinen Co-Spielertrainer“, sagt Owsianowski und ist durchaus optimistisch, dass es klappt.

Klar ist schon mal, dass ihm der bisherige „Co“ Stefan Schröder zur Seite stehen wird. „Ich mache so weiter wie bisher“, betont Schröder: „,Owo‘, Jürgen und die Mannschaft haben mich darauf angesprochen und gefragt, ob ich in meiner Funktion bleiben kann. Dann macht man das natürlich gerne.“

Kontinuität also bei den Stuhrern auf der Bank, „ein paar Veränderungen“ sollen aber in der Spielweise der HSG zu sehen sein, verrät Owsianowski: „Jeder Trainerwechsel bringt das natürlich mit sich. Ich möchte gerne, dass wir ein bisschen variabler in der Defensive spielen. Außerdem haben wir zuletzt mit zu wenig Tempo nach vorne gespielt.“ Er und seine Spieler wüssten, „dass das so ein bisschen die Schwachstelle der vergangenen Jahre war. Wir müssen, explosiver werden“, fordert „Owo“ – und ist damit schon voll in seinem neuen Element.

Zur Info: Kaderplanungen

Der Corona-Abbruch hat dafür gesorgt, dass die HSG Stuhr auch in der kommenden Spielzeit definitiv in der Landesliga auflaufen wird. Das verschafft den Verantwortlichen um Neu-Coach Mike Owsianowski Planungssicherheit – und diese hat „Owo“ bereits genutzt. Oliver Link (steigt nach seiner Pause wieder fest ein), Marvin Klusmeyer (eigene Zweite), Torwart Henrik Müller und Niklas Buck (beide A-Jugend TV Neerstedt) stehen als Neuzugänge fest, „einige sind noch im Gespräch“, erzählt Owsianowski. Fast alle Akteure bleiben den Stuhrern erhalten, lediglich Malte Hamsch (kehrt zur HSG Schwanewede-Neuenkirchen zurück) und Fabian Stapper (Zeitmangel durch Familie und Beruf) verlassen die HSG. Der Trainer ist damit „so zufrieden, wie man in diesen Zeiten sein kann“. Den jetzigen 15-Mann-Kader würde er gerne noch auf „18 bis 19 Spieler“ aufstocken, „weil die nächste Saison mit einer größeren Liga sehr lang wird“. Sollte Bedarf sein, kann Owsianowski allerdings auch noch auf Maik Bhola zurückgreifen, der bereits in den vergangenen Jahren das eine oder andere Mal ausgeholfen hat. „Mein Angebot gilt immer noch“, betont Bhola: „Das hing nicht nur an Sven (Engelmann, Owsianowskis Vorgänger, d. Red.), ich habe auch zu ,Owo‘ einen guten Draht.“

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