Omar Sabehaioun über den Kopfball nach dem Stirnbruch – beim Abschiedsspiel

„Ich dachte nur: Mann, das hält ja“

Omar Sabehaioun (Mitte) mit seiner Frau Rouba, ein letztes Mal im Trainingsanzug des TuS Syke. Der 24-Jährige kehrt dem Fußball den Rücken, dafür zieht sein kleiner Bruder das TuS-Trikot über.
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Omar Sabehaioun (Mitte) mit seiner Frau Rouba, ein letztes Mal im Trainingsanzug des TuS Syke. Der 24-Jährige kehrt dem Fußball den Rücken, dafür zieht sein kleiner Bruder das TuS-Trikot über.

Syke - Von Arne HelmsOmar Sabehaioun spuken Szenen durch den Kopf, an die er sich selbst gar nicht erinnern kann. Szenen, die am 31. Oktober 2010 das Leben des Syker Fußballers veränderten. Seitdem kann er „nicht vergessen“, was Karsten Köitsch ihm damals im Krankenhaus erzählte. Der Co-Trainer des TuS Syke erlebte live mit, wie Sabehaioun (24) im Kreisliga-Spiel gegen Schwarme mit Julian Albrecht zusammenstieß und reglos im Gras liegen blieb; wie das Warten auf den Rettungshubschrauber kein Ende nehmen wollte. Sabehaioun musste künstlich beatmet werden, schwebte mit einem Stirnbruch in Lebensgefahr. Mehr als eineinhalb Jahre später feierte der im Libanon geborene Stürmer sein Comeback – es war sein Abschiedsspiel. Auf der Ersatzbank betete Rouba Sabehaioun, dass ihr Mann keinen Ball gegen den Kopf bekommt. Geholfen hat es nicht.

Herr Sabehaioun, Sie sollten das letzte Saisonspiel gegen Bruchhausen-Vilsen doch genießen . . .

Omar Sabehaioun: Ich habe bei der Flanke nicht lange nachgedacht. Der Ball kam von oben, und ich hatte zwei Möglichkeiten: Entweder ich nehme ihn mit dem Kopf oder der Gegner schießt ihn rein.

Dann klären Sie tatsächlich. Mit einem Kopf, der an der Stirn hauptsächlich aus Titanplatten besteht. Die richtige Entscheidung?

Sabehaioun: Ja, es war ein gutes Gefühl. Ich dachte nur: Mann, das hält ja. Aber es gab auch zwei Situationen, in denen ich nicht hingegangen bin.

Karsten Köitsch hat erzählt, dass Ihre Frau Rouba neben ihm auf der Bank ziemlich Angst hatte.

Sabehaioun: Ich habe sie drei, vier Monate überredet, damit ich noch einmal Fußball spielen kann.

Hätte es denn nicht auch ein Training getan?

Sabehaioun: Nein, ich wollte unbedingt noch ein Spiel machen, unbedingt. Obwohl ich vor der Verletzung erst fünf Monate in Syke gespielt hatte, hat mich die Mannschaft danach unheimlich unterstützt. Kalle Köitsch hat mich eigentlich nur angerufen, weil ich verabschiedet werden sollte. Als ich ihm gesagt habe, dass ich noch einmal spielen will, dachte er, dass ich ihn auf den Arm nehmen will.

Es wurden die letzten 26 Minuten Ihrer Karriere. Nach 19 Jahren Fußball. Geht das?

Sabehaioun: Ich muss mich dazu zwingen. Der Hauptgrund ist meine Frau und unser Kind, das wir im November erwarten. Rouba stand unter Schock, als ich mich verletzt habe. Wir kannten uns erst ein halbes Jahr.

Mittlerweile sind Sie mit ihr verheiratet.

Sabehaioun: Sie hat mich unheimlich gut unterstützt, lenkt mich immer wieder ab. Ich höre jetzt lieber auf, bevor noch etwas Schlimmeres passiert.

Merken Sie noch etwas von der Verletzung? Oder ist nur die Narbe von einem Ohr zum anderen übrig geblieben?

Sabehaioun: Zum einen kommt die Geschichte immer wieder hoch, wenn ich zum Frisör gehe, weil ich dann die Narbe sehe. Ansonsten habe ich nur manchmal ein bisschen Kopfschmerzen auf der linken Seite, wo die Stirn gebrochen war. Und die Narbe juckt etwas, aber das ist normal.

Hat sich auch Ihr Berufsleben normalisiert, nachdem der Traum vom Fallschirmjäger bei der Bundeswehr abrupt beendet war?

Sabehaioun: Ich wurde ins Büro versetzt und mache jetzt eine zivile Ausbildung zum Speditionskaufmann in Diepholz.

Im Büro fehlt Ihnen die Bewegung ja total. Haben Sie einen Ersatz für den Fußball gefunden?

Sabehaioun: Ich laufe manchmal und gehe ins Fitnessstudio. Aber einen echten Ersatz für Fußball werde ich nicht finden.

Lassen Sie sich eine Hintertür offen?

Sabehaioun: Na ja, vielleicht kann ich ja irgendwann nochmal mit den Jungs trainieren, mal schauen.

Karsten Köitsch würde sich freuen, keine Frage. Er kennt sie seit der Grundschulzeit und meint, dass Sie auch als Typ ziemlich fehlen werden. Aber es naht schon der nächste Sabehaioun . . .

Sabehaioun: Mein Bruder hat zugesagt, ich weiß.

Hassan wird heute 19, kommt aus der A-Jugend des Brinkumer SV. Wenn er die Freigabe erhält, wäre er schon der dritte Sabehaioun beim TuS Syke nach Walid und Ihnen.

Sabehaioun: Er hat mich gefragt, wie die Truppe ist, und ich habe gesagt: Genial. Mich macht das stolz, dass er wechselt. Ich finde, ein Sabehaioun muss immer in Syke spielen.

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