INTERVIEW Trainer Andreas Golombek spricht über Abschiedsschmerz und seine Zeit in Rehden

„Ich bin keine Maschine“

„Wirklich Spaß“ hatte Golombek mit seinen Spielern.
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„Wirklich Spaß“ hatte Golombek mit seinen Spielern.

Eine Woche vor Weihnachten war es vorbei mit der besinnlichen Zeit: Der Regionalligist BSV Rehden setzte Fußballlehrer Andreas Golombek vor die Tür. Danach blieben Anrufe beim 53-Jährigen zunächst unbeantwortet. Golombek brauchte Zeit für sich. Im Interview erklärt der Ex-Profi, wie es nach der Entlassung in ihm aussah, wo die Knackpunkte einer enttäuschenden Saison lagen und was für ihn Identifikation bedeutet.

Herr Golombek, nach dem Aus beim BSV Rehden war von Ihnen zunächst nichts zu hören. Wie haben Sie die Zeit verbracht?

Ich bin einfach mal ein paar Tage ins Warme geflogen, um ein bisschen Abstand zu gewinnen. Man ist ja immer schon ein wenig vorbereitet, wenn es ergebnistechnisch nicht wirklich rund läuft. Aber wenn es dann tatsächlich passiert, tut es schon weh.

Wie sah es zunächst in Ihnen aus?

Man denkt sich: Alle sind noch dort – außer mir. Da macht man sich natürlich Gedanken, ob ich jetzt der Buhmann für alle bin. Weil es für mich schon auch wirklich eine schöne Zeit beim BSV Rehden war. Ich habe dort 17 Monate gearbeitet und mit den Jungs richtig, richtig Spaß gehabt. Und wir haben teilweise wirklich attraktiven Fußball gespielt. Aber wie das eben so ist im Fußballgeschäft: Wenn du die Punkte nicht holst, bist du als Trainer am Ende der Buhmann.

Dass man in einer Ergebniskrise als Trainer ganz vorn steht und den Kopf hinhalten muss, gehört zum Jobprofil, oder?

Na ja, andere Vereine haben gezeigt, dass es auch anders gehen kann. Beispielweise Meppen. Im Sommer waren sie sportlich abgestiegen, blieben nur durch Uerdingens Zwangsabstieg drin. Und jetzt haben sie (mit Trainer Rico Schmitt, d. Red.) realistische Chancen auf den Zweitliga-Aufstieg. Da muss man sagen, dass der Verein alles richtig gemacht hat. Man sollte vielleicht nicht immer nur nach den Ergebnissen gehen, sondern auch schauen: Wie arbeitet der Trainer mit der Mannschaft, wie entwickeln sich die Spieler, wie kommt der Trainer mit dem Umfeld klar.

Wie kamen denn Sie mit dem Umfeld beim BSV Rehden zurecht?

Meiner Meinung nach hat hier in meiner Zeit vieles zusammengepasst. Ich bin auch nicht böse, sondern dankbar, dass Friedrich Schilling (Rehdens Clubboss, d. Red.) mir damals hier die Chance gegeben hat. Es war eine schöne Zeit, hat wirklich Spaß gemacht. Und ich habe auch das Gefühl, dass ich mich persönlich in den 17 Monaten weiterentwickelt habe.

In Rehden wurden es also knapp eineinhalb Jahre. Wer sich Ihre Trainervita anschaut, merkt, dass sie häufig länger blieben. Der Schnitt liegt bei mehr als drei Jahren pro Station.

Das stimmt. Als Spieler war das noch etwas anders. Das war dann aber dem geschuldet, dass ich immer in eine höhere Klasse wechseln und mich auch finanziell verbessern konnte. Wenn du die Möglichkeit hast, von der 3. Liga in die 2. Liga oder von der 2. Liga in die 1. Liga zu wechseln, dann musst du diese Chance ergreifen. Mein jetziger Durchschnitt als Trainer mag heutzutage schon eher ungewöhnlich sein. Aber ich bin jemand, der sich immer mit dem Club identifizieren möchte.

Wie sieht das aus?

Wenn ich irgendwo zusage, dann mache ich es richtig und nicht larifari. Dann möchte ich die Zeit auch richtig dort sein und nicht sagen: Das ist nur mein Job und fertig. Denn es ist nicht nur der Job allein, ich möchte auch mit den Menschen im Verein und im Umfeld klar kommen. Und eines möchte ich klar sagen: Ich habe auch in Rehden viele neue Freunde kennengelernt – und mit denen werde ich weiter den Kontakt pflegen.

Ohne Gram und ohne nachzutreten: Andreas Golombek verlässt den BSV Rehden aufrecht.

Blicken wir noch mal zurück: Warum lief es am Ende nicht wie erwünscht? Haben Sie da einen Erklärungsansatz?

Ich nehme ja immer gern das Champions-League-Finale 2012 zwischen Bayern München und dem FC Chelsea als Beispiel, als Bayern 120 Minuten auf ein Tor spielt und am Ende doch verliert. Auch wir sind in sehr vielen Spielen dominant aufgetreten, waren die bessere Mannschaft, haben uns schließlich aber zu selten belohnt. Und dann gab es noch das Heimspiel gegen Jeddeloh.

. . . in dem Ihre Mannschaft bis zur 73. Minute mit 2:0 führte, um dann noch 2:3 zu verlieren.

Ja, nach dem ersten Gegentor fallen wir total auseinander, weil uns das irgendwie erschreckt hat. Aber es war ja nicht nur Jeddeloh. Gegen Werder II sind wir in der 97. Minute eigentlich schon mit 1:0 durch, kassieren dann durch einen Elfmeter noch den Ausgleich. Oder am Schluss in Lüneburg, wo wir das Spiel drehen, eigentlich das 3:1 und 4:1 machen müssen – dann aber in der 92. Minute noch das 2:2 kriegen. Das sind Sachen, die mal passieren können, aber einfach zu oft in den vergangenen Monaten passiert sind. Diese Ereignisse machen auch etwas mit dir als Spieler, irgendwann kriegst du Angst, wenn du in knifflige Spielsituationen kommst und denkst: ,Oh, das ist uns schon häufiger passiert, hoffentlich jetzt nicht wieder.’

Und so standen nach der Qualifikationrunde nur vier Siege in 18 Spielen.

Aus der Trainerperspektive sage ich aber auch, dass sich die Jungs echt top entwickelt haben. Wir haben im Sommer aus vielen, vielen fremden Leuten eine neue Einheit geformt. Man muss ja sagen: Das war alles sehr kurzfristig mit den Transfers. Wir hatten in den ersten drei Saisonspielen eigentlich gar keine Mannschaft zusammen. Erst dann kamen Verstärkungen. Und vor diesem Hintergrund finde ich, dass wir schnell zusammengefunden haben. Guter Fußball, jeder war für jeden da – aber noch einmal: Wir haben uns viel zu selten mit drei Punkten belohnt.

Wie sehen nun Ihre weiteren Pläne aus?

Ich habe ja noch einen Vertrag bis zum 30. Juni beim BSV Rehden. Und jetzt wollte ich erst mal ein bisschen Abstand haben. Wie gesagt: Ich bin keine Maschine, das hat mich schon belastet, weil ich gerne in Rehden gearbeitet habe. Gerade auch mit meinen Co-Trainern Michael Hohnstedt und Marcel Abeling habe ich richtig Spaß gehabt, die haben mir unheimlich gut zugearbeitet. Jetzt hatte ich durch den Urlaub ein bisschen Abstand, nun werde ich bald wieder mehr herumfahren, mir viele Spiele anschauen – und wenn dann ein Verein auf mich zukommt, werde ich es mir gerne anhören. Denn der Fußball ist mein Leben.

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