Teams bündeln ihre Kräfte

HSG Hunte-Aue Löwen: Die neue Handball-Allianz im Südkreis

Männer, die im Garten stehen – und kurz zuvor die Pläne der neuen HSG Hunte-Aue Löwen präsentiert haben: Heinrich Wulf, Wilhelm Fenker, Lasse Thiemann, Frank Simon, Friedhelm Fehner und Heiner Johanning (von links) halten für das Foto im Garten des Hotels Roshop in Barnstorf den erforderlichen Mindestabstand ein. Foto: rehnert
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Männer, die im Garten stehen – und kurz zuvor die Pläne der neuen HSG Hunte-Aue Löwen präsentiert haben: Heinrich Wulf, Wilhelm Fenker, Lasse Thiemann, Frank Simon, Friedhelm Fehner und Heiner Johanning (von links) halten für das Foto im Garten des Hotels Roshop in Barnstorf den erforderlichen Mindestabstand ein.
  • Malte Rehnert
    vonMalte Rehnert
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Barnstorf/Diepholz/Wagenfeld/Wetschen - Die HSG Barnstorf/Diepholz? Gibt’s künftig nicht mehr! Die HSG Wagenfeld/Wetschen? Auch nicht! Daran werden sich Handball-Interessierte und Gegner gewöhnen müssen. Es ist ein bemerkenswerter Zusammenschluss, der da gerade im Süden des Landkreises Diepholz passiert. Das Motto: Aus Zwei mach’ Eins. Aus zwei Handball-Spielgemeinschaften, die mal aus jeweils zwei Einzelvereinen hervorgegangen sind, wird eine.

Ihr Name: HSG Hunte-Aue Löwen. Ihre Ziele: Ein attraktiver Verein für jugendliche und erwachsene Handballer sein. Mit vielen Aktiven aus der Region Identifikation schaffen. Alle Altersklassen mit mindestens einer Mannschaft abdecken. Die Frauen- und Männer-Teams mit vielen eigenen Nachwuchsspielern bestücken. Ein hohes sportliches Niveau anbieten. Synergieeffekte auch bei Trainern, Schiedrichtern und anderen Funktionsträgern. In dieser Allianz, die zur kommenden Saison ihren Spielbetrieb aufnimmt, bündeln die Vereine fortan ihre Kräfte.

Wie das alles ablaufen soll, erklären Vertreter der Clubs bei einem Gespräch im Hotel Roshop in Barnstorf. Am großen Tisch in Besprechungsraum vier sitzen bereits Wilhelm „Ali“ Fenker und Friedhelm Fehner vom TuS Wagenfeld, Heiner Johanning vom TSV Wetschen sowie Frank Simon, Heinrich Wulf und Lasse Thiemann von der HSG Barnstorf/Diepholz. Bereit, dieser Zeitung ihre Pläne und Visionen mit der neuen Spielgemeinschaft zu verraten. Zu dem Team, das die Löwen auf den Weg brachte, gehören noch Heiner Thiemann, Andreas Geweiler, Sören Bösking (alle Barnstorf/Diepholz) sowie Kim-Christin Haar und Stefan Damm (beide Wagenfeld/Wetschen).

Idee einer Handball-Spielgemeinschaft ist schon 20 Jahre alt

Als Erster ergreift das Wagenfelder Urgestein Wilhelm Fenker das Wort – und berichtet, dass die Idee eines Zusammenschlusses ziemlich alt ist. „Wir haben vor über 20 Jahren schon mal darüber gesprochen, damals waren auch noch Diepholz, Lemförde und Rehden dabei.“ Mehr als ein Gedankenaustausch war es allerdings nicht. Das änderte sich vor etwa drei Jahren. Bei einem Jubiläumsfest der Wagenfelder griffen Fenker und Heiner Thiemann das Thema wieder auf. Und diesmal wurde es konkreter. Fenker erinnert sich: „Wir haben uns in den Sparten darüber unterhalten. Und alle waren sich einig, dass wir das machen wollen.“

Das Logo der Hunte-Aue Löwen.

Vor gut einem Jahr war die Entscheidung endgültig gefallen, die Vorbereitungen für die Zusammenführung begannen und sind inzwischen nahezu abgeschlossen. Die HSG Hunte-Aue Löwen ist offiziell gemeldet und kann loslegen, wann auch immer die neue Saison wegen der Corona-Pandemie startet. Sie wird dann in jeder Altersklasse vertreten sein – nur in der männlichen und weiblichen A-Jugend (noch) nicht.

Große HSG „richtige Reaktion“ auf Spielerschwund

„Die große HSG ist eine große Aufgabe“, weiß Heinrich Wulf. Aber eine, die alle Beteiligten mit Feuereifer angehen. Und eine, die sie – da sind sie sich einig – auch angehen mussten, um vor allem den Spielerschwund beim Nachwuchs zu bremsen. „Das Hauptaugenmerk lag zunächst auf dem Jugendbereich“, bestätigt Friedhelm Fehner: „Da ist der größte Aderlass, da müssen wir anpacken.“

Vereinskrämerei ist etwas aus dem 20. Jahrhundert – und jetzt abgehakt.

Lasse Thiemann

Lasse Thiemann erzählt dazu eine passende Geschichte, um die Problematik und die daraus entstehenden drastischen Folgen zu veranschaulichen: „Vor drei Jahren hatten wir eine C-Jugend, die Oberliga-Meister geworden ist. Als die meisten davon in die B-Jugend aufrückten, sind ein paar Spieler weggegangen – und schon ist die komplette Mannschaft auseinandergebrochen.“

In der aktuellen Zeit kann man als Verein alleine schlecht bestehen.

Heinrich Wulf

Das soll es künftig nicht mehr geben. „Die Kinder sind doch da, wir müssen sie nur wieder in die Hallen locken und eine Gemeinschaft entwickeln“, meint Fehner und fügt an: „Viele haben Muskelkater im Daumen, weil sie so viel am Handy oder Computer sind. Die wollen wir beim Handball haben.“

„Die HSG kann ein Magnet sein“

Die HSG-Verantwortlichen wissen aber natürlich, dass dafür Anreize geschaffen werden müssen – in diesem Fall bedeutet das vor allem: eine gute sportliche Perspektive. „Es gibt in der Region so wenige Jugendteams im höherklassigen Bereich, zwischen Hastedt und Bissendorf herrscht Leere“, sagt Frank Simon: „Wir wollen die Region mitnehmen, attraktiv sein und einen Punkt in Westniedersachsen setzen. Die HSG kann ein Magnet sein – und ein Gegenpol zu anderen Sportarten.“

Vielleicht kommen dann ja auch mal die Rhein-Neckar Löwen hierher.

Wilhelm Fenker

Der neue Leitspruch „Gemeinsam werden wir stärker“, den Lasse Thiemman formuliert hat, soll aber nicht nur für die Jugend gelten, sondern auch für die Erwachsenen. Auch hier gibt es immer weniger Aktive. „Damals kamen sechs bis acht Spieler der Regionalliga-Truppe aus dem eigenen Nachwuchs. Da kriegt man heute dicke Augen, wenn man das sieht“, meint Thiemann. Der handballerische Niedergang, den diese Zeitung vor einigen Wochen in einem großen Bericht analysiert hat, ist auch im Südkreis spürbar. „Das ist überall so. Und wir zeigen jetzt die richtige Reaktion auf die Entwicklung“, findet Thiemann.

Viele Vereine verschwinden von der Bildfläche. Aber wir wollten nicht einfach sterben, sondern zeigen: Hey, wir sind noch da und wach.

Frank Simon

Sportlich, so die Vision, sind die ersten Mannschaften bei den Erwachsenen bald noch dickere Flaggschiffe als ohnehin schon. Das bis zum Saisonabbruch von Lasse Thiemanns Vater Heiner trainierte Männer-Team soll als neue HSG wieder im oberen Bereich der Oberliga mitmischen, für die Frauenmannschaft ist das mittelfristige Ziel der Oberliga-Aufstieg.

In vier Orten wird künftig Handball gespielt

Bevor wieder Pflichtspiele stattfinden, müssen die Verantwortlichen der HSG Hunte-Aue Löwen nun noch einige Restarbeiten erledigen. Zum Beispiel klären, welche Sponsoren sich wie einbringen (erste Gespräche waren laut Fehner positiv). Entscheiden, wer im neuen Club welches Amt übernimmt, wie genau die Zusammenstellung der Mannschaften (inklusive Trainer) aussieht – und wer wo spielt. „Wichtig ist uns, dass in allen Hallen Handball gezeigt wird“, betont Thiemann. Heißt: In Barnstorf, Diepholz, Wagenfeld und Rehden (Wetschens Heimspielstätte) wird die HSG künftig zu Hause sein. Gerade fertig geworden ist das Vereinslogo, möglichst zum 1. Juli soll es auch einen neuen Internetauftritt geben.

„Insgesamt ist der Zusammenschluss ein Gewinn für alle Beteiligten“, urteilt Thiemann. Und wenn dann wieder Handball gespielt werden darf, wird sich auch auf dem Parkett zeigen, wie das Projekt HSG Hunte-Aue Löwen funktioniert.

Zur Info I: Der neue Name – zwei Flüsse und ein Wappentier

Kein Barnstorf, kein Diepholz, kein Wagenfeld, kein Wetschen. Die neue HSG Hunte-Aue Löwen verzichtet in ihrem Namen auf die Erwähnung der einzelnen Mitgliedsorte – ganz bewusst, um niemanden zu bevorzugen. „Der Name ist wertfrei für alle, deshalb gefällt er uns so gut“, sagt Lasse Thiemann. Stattdessen sind zwei Flüsse vertreten: die Hunte und die Wagenfelder Aue. Beide fließen durch den Südkreis, in Barnstorf mündet die Aue in die Hunte. Die Namensgebung hat demnach „auch geografische Gründe“, wie Mit-Ideengeber Wilhelm Fenker erzählt. Hinzu kommt noch ein Tier. Weil in Barnstorf, Diepholz, Wagenfeld und auch dem Landkreis Diepholz der Löwe im Wappen prangt, drängte er sich für die neue HSG quasi auf.

Zur Info II: 22 Teams – aber keine A-Jugend

A-Jugend-Teams haben die Löwen in der kommenden Spielzeit nicht am Start. Die wenigen jungen Spieler aus der HSG Barnstorf/Diepholz, die infrage gekommen wären, schließen sich SFN Vechta an – künftig trainiert vom bisherigen Coach der zweiten Barnstorfer Männermannschaft, Raul Ferent. Und bei der weiblichen A-Jugend mangelt es ebenfalls an Personal. Die eine Hälfte der HSG Wagenfeld/Wetschen stieg altersmäßig in den Erwachsenenbereich auf. Und weil die andere Hälfte keine Mannschaft hätte stellen können, geht sie gleich mit ins Frauenteam. Insgesamt stellt die neue HSG – so der Plan – fortan je vier Männer- und Frauen-Mannschaften. Hinzu kommen 14 Jugendteams. „Ob letztlich nach der langen Pause alle zustandekommen, müssen wir abwarten“, sagt Friedhelm Fehner.

Kommentar von Malte Rehnert: Die neuen Löwen – ein gutes Signal

Handys, Tablets, Konsolen und Computer: Das sind heutzutage für viele Kinder die liebsten Geräte zum Zeitvertreib. Die Sportvereine spüren das seit Jahren – und zwar immer heftiger. Weniger Begeisterung, weniger Mitglieder. Mannschaftssportarten trifft es besonders hart. Viele Clubs melden ihre Teams ab oder flüchten in eine Spielgemeinschaft. Der Trend ist sehr bedauerlich, aber offenbar schwer aufzuhalten.

Wer dennoch ein gutes sportliches Angebot machen möchte (quantitativ und qualitativ), muss sich etwas Gescheites einfallen lassen. Wie jetzt die HSG Hunte-Aue Löwen. Im Süden des Landkreises bauen sie fleißig an einer neuen Handball-Hochburg. Man lässt den Sportlerschwund dort nicht wehrlos über sich ergehen. Dieser Zusammenschluss ist ein sehr gutes Signal. Und er erfordert Mut, schließlich müssen die Interessen mehrerer Vereine unter einen Hut gebracht werden.

Was daraus wird, werden die kommenden Jahre zeigen müssen. Die Vorzeichen sind schon mal ganz vielversprechend. Den Verantwortlichen ist zu wünschen, dass ihr Konzept aufgeht und die neuen Löwen zu einer Erfolgsgeschichte werden.

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