Wilfried Knoll nennt 600 Schals, 400 Shirts und unzählige Autogramme sein Eigen

Der Hüter hunderter Fan-Schätze

Tim Wernke, Stürmer des Regionalligisten BV Cloppenburg, besuchte Knoll: Während er mit BVC-Schal vorm Mannschaftsbild der deutschen Nationalmannschaft posiert, band Knoll den von einem Scheich aus Dubai überlassenen Schal um. ·
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Tim Wernke, Stürmer des Regionalligisten BV Cloppenburg, besuchte Knoll: Während er mit BVC-Schal vorm Mannschaftsbild der deutschen Nationalmannschaft posiert, band Knoll den von einem Scheich aus Dubai überlassenen Schal um. ·

Sulingen - Von Cord Krüger. Wilfried Knolls Schatzkammern wachsen täglich um weitere Kostbarkeiten – da schrumpfen zwangsläufig die Lagerkapazitäten in den Zimmern des zweiten Stocks seines Sulinger Hauses.

Die Wände kommen dem Ruheständler Stück für Stück entgegen, weil sich Sportbilder, signierte Mannschaftsposter, prall gefüllte Schränke mit hunderten von Trikots und hohe Stapel an Plastikboxen für Shirts und Fan-Schals Schicht um Schicht mehr Raum erobern. „Meine Luise hat sich neulich einen neuen Schrank kaufen müssen – für ihre Sachen. Da habe ich ein bisschen Ärger bekommen“, berichtet Knoll vom Leid seiner Partnerin, während er über Kartons und Kleiderbügel klettert.

Doch er kann nicht anders. Wilfried Knoll ist Jäger und Sammler. Ob in der Bezirksliga oder Bundesliga, ob Fußball oder Basketball – der 64-Jährige jagt überall nach allem, was die Herzen der Fans unzähliger Vereine höher schlagen lässt. Und er sammelt fast alles – vor allem Unterschriften. Dabei sind ihm Signaturen der von ihm gesponserten B-Jugend-Teams ebenso lieb und teuer wie Widmungen von Stars, die seine Post beantworten. Zuletzt schrieb der demenzkranke Rudi Assauer zurück. Und die Antwort von Ex-Nationalspieler Dirk Schuster erreichte ihn erst kurz vor dessen Rauswurf als Trainer der Stuttgarter Kickers. Trotzdem verwahrt Knoll dieses Autogramm gut – denn es prangt auf Schusters altem Trikot, das er einst bei Regionalligist SV Wilhelmshaven trug. „Ich habe es von einem Freund aus Wilhelmshaven bekommen und dann nach Stuttgart geschickt“, schildert der eifrige Anfragen-Schreiber. Ansonsten hängen bei ihm meist nagelneue Jerseys von Top-Vereinen und Nationalmannschaften in Reih' und Glied – insgesamt mehr als 350 Trikots und etwa 150 T-Shirts. Das erste dieser Art ziert das Wappen von Borussia Mönchengladbach, „schließlich bin ich seit 50 Jahren Gladbach-Fan“. Das neueste kommt von Bremens Profi Özkan Yildirim und trägt statt der Werder-Raute den vom Advent bekannten Tannenbaum. „Ich bin zum Regionalliga-Spiel von Werders U 23 gegen den Hamburger SV II gefahren. Den Özkan kenne ich gut“, sagt Knoll über den „Sulinger Jung‘“. „Schade, dass der so viel Verletzungspech hatte.“

Zwar stammt Yildirim vom TuS Sulingen, doch das ist dem einstigen Aktiven des Stadtrivalen FC Sulingen egal. Denn wenn es um Amateurfußball geht, hat der Rentner ein großes Herz. Nachwuchsmannschaften des FC Verden 04, VfL Oythe und BSV Rehden profitierten bereits in Form kompletter Trikot-Sätze von dieser Leidenschaft. Das Geld bringt der ehemalige Elektriker aus eigener Tasche und Mitteln von „SV Blau-Weiß-Rot“ auf. Diesem Betriebssportverein des Energiekonzerns Exxon gehört Wilfried Knoll auch nach seinem Vorruhestand weiter an. 40 Jahre hatte er als Betriebselektriker auf dem Exxon-Standort Voigtei die Strippen gezogen. Und mit diesem starken Partner im Rücken kann er auch Rallyefahrer Christian Riedemann oder das Sulinger Tischtennis-Talent Tobias Hippler unterstützen – wie eben auch diverse Jugendteams. „Wenn ich nach Verden auf den Platz komme, umarmen sie mich schon.“ Doch sein Herz hängt vor allem am BSV Rehden. Als der jetzige Regionalligist noch in der Oberliga spielte, besorgte er sich von jedem Gegner die Autogramme. „Jetzt mit den verschärften Sicherheitsvorkehrungen in der Liga kommt man vorher nicht so einfach bis vor die Kabine – aber egal.“ Die Erinnerungen und Geschenke bleiben – wie etwa Schals von Göttingen 05 und dem BV Cloppenburg – nur zwei von mehr als 600 bunten Halswärmern im Hause Knoll. „Von einigen habe ich doppelte Ausführungen – auch bei den Trikots. Dann verschenke ich gern etwas an Kinder aus dem Bekanntenkreis oder zufällig, wenn ich welche in einem Stadion sehe. Und so lange sie sich darüber freuen, tut das Abgeben auch nicht weh.“

Schönstes Beispiel: Als er seinem Enkel Julius, seines Zeichens glühender Schalke-Fan, zum Nikolaustag einige Gelsenkirchener Trikots schenkte, „hat der Luftsprünge gemacht“.

Knolls Lebensgefährtin Luise Hamacher freut sich ebenso – vor allem, wenn das ein bisschen mehr Luft im Hause schafft. „Aber ich selbst brauche ja nicht so viel Platz“, sagt sie lächelnd. Von manchen Schätzen wird sich ihr Schatz jedoch niemals trennen – etwa von einem Fan-Schal aus Dubai, den eine Bekannte nach monatelangen Bemühungen von einem waschechten Scheich überlassen bekam und dann bei Knoll ablieferte. Oder von ganz besonderen Mannschaftsbildern – wie etwa dem knapp 45 Jahre alten Schwarz-Weiß-Foto, das den gebürtigen Quakenbrücker mit seiner Meister-A-Jugend vom FC Lastrup zeigte. Oder das gerahmte Motiv der Nationalmannschaft von 1970 – mit allen Unterschriften von Sepp Maier über Berti Vogts, Franz Beckenbauer, Horst-Dieter Höttges, Gerd Müller und Klaus Fichtel bis hin zu Bundestrainer Helmut Schön. „Mein wertvollstes Stück – das gebe ich nicht her.“

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