Jugendtrainer im Landkreis Diepholz froh über Öffnungsschritte

Fünkchen Hoffnung für Amateurfußballer

Symbolbild Jugendfußball
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Zumindest im Jugendfußball könnte die Ampel bald wieder auf Grün springen. Foto: Freese

Erste Perspektiven, noch kein grünes Licht: Der Amateurfußball darf nach dem monatelangen Corona-Stillstand auf den Neustart hoffen. Doch Begeisterungsstürme bleiben aus.

  • - Eine Rückkehr auf die Fußballplätze wird wahrscheinlicher, Dennis Hammer hätte sich aber noch „mutigere Schritte“ gewünscht.
  • - Brinkums Kapitän Bender fehlt weiterhin die Planungssicherheit.
  • - Lemfördes Dominic Becker glaubt nicht an Re-Start der Saison.

Syke – Kleiner Hoffnungsschimmer nach langer Tristesse: Für den deutschen Amateur- und Breitensport gibt es Möglichkeiten für schrittweise Lockerungen. Das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder am Mittwochabend in einem Beschlusspapier vereinbart. Noch ist nicht ganz klar, wie Niedersachsen die Beschlüsse konkret umsetzen wird, doch alles scheint an die Inzidenzzahlen geknüpft zu sein (siehe Infokasten). Wir haben uns umgehört, wie die Fußballer in der Region die aktuelle Situation bewerten.

Gerade im Jugendbereich könnte die Ampel nun schnell wieder auf Grün springen. Stefan Rosenthal von der JSG Sulingen würde es begrüßen. „Auch wenn nur Training möglich sein sollte, wäre das wichtig, um die Jungs endlich mal wieder an den Ball zu bekommen“, betont der Trainer der C-Junioren. Seit mehr als vier Monaten steht mittlerweile das teaminterne Miteinander still, in dieser Zeit sei zwischendurch auch schon mal die Hoffnung gesunken: „Die sozialen Kontakte, die Begegnungen fehlen einfach“, sagt der eigentlich immer positiv denkende Rosenthal: „Und irgendwann werden dann auch welche abspringen.“ Insgesamt glaubt der Coach, dass der Sport an der frischen Luft nicht der Treiber dieser Pandemie sei. Es sei wichtig, dass der Ball wieder rollt, „damit die Jungs auch mal wieder gute Laune bekommen“.

Hammer: „Ich bin bereit, jeden Mehraufwand zu betreiben“

Dennis Hammer sieht das ähnlich. Die angekündigten Öffnungsschritte sind für den Jugendleiter und B-Junioren-Trainer des TSV Bassum „ein Fünkchen Hoffnung“, allerdings hätte sich der 29-Jährige „mutigere Schritte“ gewünscht. Die vergangenen fünf Monate seien für alle Amateursportler „extrem heftig“ gewesen. Man müsse jetzt wieder loslegen. „Da wünsche ich mir von der Politik auch ein bisschen mehr Vertrauen in die Vereine“, sagt Hammer. Schließlich habe jeder Club seine Hausaufgaben gemacht, Hygienekonzepte seien griffbereit. Auch das Instrument der Corona-Schnelltests würde Hammer nutzen: „Ich bin bereit, jeden Mehraufwand zu betreiben, wenn wir dadurch endlich wieder auf die Plätze dürfen.“

Sören Sandmann hat ebenfalls „richtig Bock auf Fußball“, wie der Kapitän des Landesligisten TSV Wetschen betont. Wichtig sei natürlich in erster Linie, „dass wir die Infektionszahlen in den Griff kriegen, sie müssen runtergehen.“ Was passiert mit der seit Oktober unterbrochenen Saison? „Das ist eine ganz schwierige Situation, zeitlich wird’s eng“, sagt der 31-Jährige, der seit gestern mit dem Team ein Fitness-Pflichtprogramm per Zoom absolviert. Ansonsten hält sich jeder Wetscher Fußballer mit individuellen Laufeinheiten fit.

Beschlüsse für Jannik Bender „ein Rückschlag“

Ähnlich läuft’s beim Bremen-Ligisten Brinkumer SV. Trainer Mike Gabel habe vor ein paar Wochen aufgehört, seinen Spielern klare Vorgaben zu geben, verrät Kapitän Jannik Bender: „Wir haben ja keine Perspektive, darum sind wir nun in Eigenverantwortung.“ Und genau an dieser fehlenden Klarheit stört sich der Mittelfeldspieler: „Für die Planungssicherheit ist das eine Vollkatastrophe.“ Er glaubt ohnehin, „dass wir gar nicht unter eine Inzidenz von 50 kommen. Ich weiß nicht, was sie dafür noch tun wollen.“ Für eine mögliche Saisonfortsetzung seien die neuen Beschlüsse „auf jeden Fall ein Rückschlag“, findet der BSV-Spielführer: „Mit zehn Leuten ohne Kontakt spielen zu können, ist das eine, aber der Fußball lebt von mehr. Ich glaube nicht, dass der Sport, so wie wir ihn kennen, möglich sein wird. Und um wieder in den Spielbetrieb zu kommen, braucht man mindestens vier Wochen Vorbereitung, in denen man voll durchziehen kann. Ich sehe einfach nicht, wie das funktionieren soll.“ Alles schwarzmalen will Bender dennoch nicht: „In Kleingruppen trainieren zu dürfen, ist ein erster Schritt und im Vergleich zu nichts schon mal ein Anfang.“

Lars Schaale vom Frauen-Bezirksligisten SV „Friesen“ Lembruch sehnt die Rückkehr auf den Rasen ebenfalls herbei: „Ich möchte einfach meine Mädels mal wieder real sehen und nicht nur vorm PC-Bildschirm. Ich hoffe, dass bald zumindest wieder Training möglich sein wird.“ Von einer Wiederaufnahme der laufenden Spielzeit geht Schaale indes nicht aus: „Daran glaube ich nicht mehr. Natürlich würde ich es begrüßen, aber vor Ende April könnten wir ja niemals anfangen – und dann würde es zeitlich sehr knapp werden. Wahrscheinlich wird die Saison leider annulliert werden.“

Dominic Becker, Defensivmann beim Bezirksligisten TuS Lemförde und zusätzlich noch Spartenleiter, nerven Pandemie und Ungewissheit: „Wir warten Woche für Woche ab. Es ist die Frage, wann es wieder losgeht. Es fehlt ein Ziel.“ Ab Montag kann jeder in der Apotheke einen Corona-Schnelltest machen. „Ich weiß aber nicht, wie das beim Sport umzusetzen ist“, sagt der 27-Jährige. Da Becker nach fünfmonatiger Zwangspause das Verletzungsrisiko bei einer nur zweiwöchigen Vorbereitungszeit bei einem Wiedereinstieg viel zu kurz ist, glaubt er nicht an eine Fortsetzung der Saison: „Ich gehe von einem Abbruch aus. Besser wäre ein Neustart ab 1. August.“

Schrittweise Lockerungen im Amateursport an Inzidenzwerte geknüpft

Die am Mittwochabend getroffenen Beschlüsse von Bund und Ländern eröffnen dem Amateur- und Breitensport in der Coronakrise nach monatelanger Ruhepause zumindest zarte Perspektiven. Bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern können laut dem Beschlusspapier ab Montag in Ländern oder Regionen wieder bis zu zehn Personen in kleinen Gruppen unter freiem Himmel Sport treiben. Bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 könnten nach 14 Tagen in einem weiteren Schritt auch wieder Kontaktsport im Freien sowie kontaktloser Sport im Innenbereich ermöglicht werden. Weitere zwei Wochen später soll bei stabilen oder sinkenden Werten auch Kontaktsport in der Halle wieder gestattet sein. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 kann zumindest „Individualsport alleine oder zu zweit und Sport in Gruppen von bis zu 20 Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich“ ermöglicht werden. In Niedersachsen lag die Sieben-Tage-Inzidenz gestern bei 65, im Landkreis Diepholz bei 42,8.

Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) gehen die in Aussicht gestellten Lockerungen nicht weit genug. „Ein erster Schritt ist gemacht“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller gestern: „Leider ist das Fußballspielen immer noch nur stark eingeschränkt möglich. Ich hätte mir mutigere Öffnungsschritte gewünscht.“ Der 63-Jährige betonte, dass beim Fußball „nachweislich nur sehr kurze Kontaktzeiten auftreten und gemäß wissenschaftlicher Untersuchungen ein äußerst geringes Infektionsrisiko besteht“. Auch DFB-Vize Rainer Koch hatte sich von der Politik bei der Öffnung wohl viel mehr erwartet. Er fordert „fortan größere Schritte und kurzfristig klare, verständliche Regeln zur Umsetzung auf dem Weg hin zu einem geregelten Wettkampfspielbetrieb. Die braucht es jetzt ganz dringend.“

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