Berufliches Glück im Westen

Ex-Sulinger Taiki Hirooka arbeitet beim Zweitligisten Fortuna Düsseldorf

Taiki Hirooka mit  Fortuna-Ball und Fortuna-Pulli im Stadion von Fortuna Düsseldorf.
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Mit Fortuna-Ball und Fortuna-Pulli im Fortuna-Stadion: Taiki Hirooka arbeitet jetzt beim Fußball-Zweitligisten Düsseldorf.

Taiki Hirooka spielte mal beim Fußball-Landesligisten TuS Sulingen. Doch mittlerweile zog es den 30-Jährigen zum Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Nicht als Spieler, sondern als Mitarbeiter der Geschäftsstelle im sogenannten Japan-Desk.

  • Taiki Hirooka liebt das deutsche Essen.
  • Der 30-Jährige Ex-Sulinger vermisst das aktive Kicken.
  • Der frisch Vermählte pendelt zwischen Sulingen und Düsseldorf.

Düsseldorf/Sulingen - Seit den 70er Jahren existiert in Japan an Weihnachten diese etwas schräge Tradition: Ab zu Kentucky Fried Chicken (KFC) und frittiertes Hühnchen essen. „Ja, das haben wir als Jugendliche auch oft gemacht“, erinnert sich Taiki Hirooka und lacht: „Damals war das cool, heute finde ich es auch etwas komisch.“ In diesem Jahr ist ohnehin alles anders. Kein Fast Food, stattdessen etwas Leckeres aus der deutschen Küche. Zum ersten Mal feiert der 30-Jährige, bisher am Ende des Jahres immer in seiner Heimat, Weihnachten in Deutschland – bei der Familie seiner gleichaltrigen Frau Elvira („Elli“) in Maasen bei Sulingen.

„Ich bin schon gespannt, was es gibt“, sagt Hirooka. Der ehemalige Mittelfelddmann des Fußball-Landesligisten TuS Sulingen ist seit acht Jahren in Deutschland und weiß, dass hierzulande zu Weihnachten öfter Gans oder Ente auf den Tisch kommt – oder Kartoffelsalat mit Würstchen. „Das wäre auch gut“, meint er und ergänzt: „Ich finde deutsches Essen super.“

In Japan ist Silvester für die Familie reserviert – und Weihnachten vor allem ein Feiertag für die verliebten Pärchen. Wie ein zweiter Valentinstag. Doch auch das passt bei Taiki Hirooka ziemlich gut. Am 10. Oktober hat er im kleinsten Kreis „und leider ohne meine Familie aus Japan“ seine „Elli“ geheiratet. Nun freut er sich auf ein paar besinnliche Tage mit ihr.

Spartanische Bude ohne Fernseher

Die Zwei haben sich in den vergangenen Monaten nicht regelmäßig gesehen. Sie ist Lehrerin in Rehden und lebt in der gemeinsamen Wohnung in Sulingen, er kommt meistens nur an den Wochenenden nach Hause – oder sie fährt mal zu ihm. Hirooka hat in Düsseldorf eine Einzimmerwohnung. „Ein Bett und eine Dusche – mehr brauche ich da nicht. Auch keinen Fernseher“, sagt er.

Seit dem 1. Juli arbeitet er für den Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf – im so genannten Japan-Desk, einer Extra-Abteilung im Verein. In Düsseldorf leben derzeit etwa 7 600 Japaner, „die drittgrößte Gemeinde in Europa“, betont Hirooka. Und deshalb gibt es schon lange diese ganz besondere Verbindung zur Fortuna. Vor nicht allzu langer Zeit spielten dort beispielsweise noch Takashi Usami und Genki Haraguchi.

13 Jahre lang hat Gengo Seta die Kontakte in die asiatische Heimat gepflegt, kürzlich ist er zurückgegangen nach Japan. Und nun teilen sich Hayato Yakumaru und eben Hirooka seinen Job. „Ich habe hier auf jeden Fall mein Glück gefunden. Ich habe weiterhin mit Fußball zu tun – und dann auch noch bei einem Bundesligisten. Das ist das Beste, was mir passieren konnte. Ich wurde super aufgenommen und fühle mich sehr wohl“, schwärmt er.

Die anfängliche Last mit dem Laptop 

In seinem neuen Job bei Fortuna Düsseldorf (im Japan-Desk) muss Taiki Hirooka viel am Laptop machen – völlig neu für den 30-Jährigen, der in Sulingen in einem Verpackungsunternehmen tätig gewesen war. „Ich habe ja quasi immer Fußball gespielt und noch nie in meinem Leben mit so etwas gearbeitet. Excel oder Powerpoint, das kannte ich überhaupt nicht. Aber ich muss sagen, es ist sehr interessant“, sagt der sympathische Japaner mit einem Schmunzeln. Und die Fortschritte könnten sich durchaus sehen lassen, meint er. Er benutze inzwischen nicht mehr nur die Zeigefinger zum Tippen und sei in den vergangenen Monaten insgesamt deutlich schneller geworden. „Am Anfang habe ich für einen Bericht, zum Beispiel für die Homepage, zwei bis drei Stunden gebraucht – jetzt vielleicht nur noch eine.“

Zu seinen Aufgaben gehört die Betreuung japanischer Sponsoren, von denen der Club einige hat. Zudem pflegt er die japanische Homepage der Fortuna und arbeitet an „Fortuna aktuell“ (komplett in seiner Landessprache) mit – das Magazin erscheint alle drei Monate. Eigentlich soll sich Hirooka auch um die Japaner im Club kümmern, doch da gibt es momentan nur Shinta Appelkamp. „Ich hoffe, es werden bald wieder mehr“, sagt der Sulinger. Kürzlich beschäftigte sich die Fortuna mit dem vereinslosen Ex-Dortmunder Shinji Kagawa, nahm dann aber laut Vorstandsmitglied Klaus Allofs (Hirooka: „Ein sehr netter Mann“) Abstand von einer Verpflichtung.

Zu Appelkamp (die Mutter ist Japanerin, der Vater Deutscher) darf der Sulinger wegen der strengen Corona-Auflagen aktuell keinen persönlichen Kontakt haben, auch das Stadion ist bei Heimspielen tabu. „Wir schreiben uns aber ab und zu per WhatsApp oder Mail. Natürlich habe ich ihm zu seinem ersten Tor bei den Profis gratuliert.“ Beim 3:0 gegen den VfL Osnabrück hatte der 20-jährige Mittelfeldspieler seine Treffer-Premiere gefeiert. „Shinta ist extrem laufstark und passsicher, macht wenig Fehler und ist konstant in seinen Leistungen. Kein Wunder, dass er schon in der U 19 einen Profivertrag bekommen hat“, findet Hirooka, der einst – als er aus Japan kam – selbst ein Jahr für die U 23 der Düsseldorfer gespielt hatte. Von dort wurde im Sommer auch Appelkamp befördert, inzwischen ist er Stammkraft unter Coach Uwe Rösler. Anfangs auf der Sechs, zuletzt als Rechtsaußen.

Ein Feiertag am 10.10.: Vor knapp zweieinhalb Monaten haben Taiki Hirooka und seine „Elli“ in Sulingen im kleinen Kreis geheiratet.

Hirooka dagegen hat seit seinem Abschied vom TuS Sulingen im Sommer gar nicht mehr gespielt. „Ich vermisse es schon“, gesteht er, „aber irgendwann muss man eben einen neuen Weg gehen.“ Vielleicht steigt er nach der Corona-Pandemie irgendwo unterklassig ein, „aber momentan ist das kein Thema. Ich habe viel zu tun.“ Schon eher kann sich der gelernte Sportlehrer vorstellen, wieder mehr als Trainer zu arbeiten. In Sulingen war der B-Lizenz-Inhaber Stützpunktcoach, bei der Fortuna assistiert er ab und zu in der U 9. „Das macht mir viel Spaß. Aber erst mal zählt für mich nur das Japan-Desk“, unterstreicht er.

Treffen mit den Ex-Kollegen in der Altstadt

Die meiste Zeit sitzt er deshalb in seinem Büro direkt in der nahe gelegenen Merkur Spiel-Arena – oder aktuell vermehrt im Home Office. Trotz des intensiven Arbeitsalltags und der Entfernung hat Hirooka nach wie vor Kontakt zu den ehemaligen Mitspielern vom TuS Sulingen – etwa zu Pascal Löhmann, Pierre Neuse oder Atsushi Waki (jetzt Bremer SV). „Wir schreiben und haben uns, als es noch erlaubt war, mal in der Altstadt oder am Rhein getroffen. Gemütlich ein paar Bierchen trinken – einfach schön, dass die Verbindungen noch bestehen.“

Wie sich die Wohnsituation der beiden frisch Verheirateten entwickelt, ob er weiter pendelt oder seine Frau „Elli“ irgendwann zu ihm nach Düsseldorf zieht, lässt Hirooka offen: „Wir warten einfach ab, was die Zukunft bringt. Momentan ist es okay so. Und wenn ich Sehnsucht habe, bin ich ja in drei Stunden da.“

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