SPIELERIN DES WOCHENENDES „Löwin“ ist Torjägerin, Trainerin und Schiedsrichterin

Hillmers riesiges Handball-Herz

Lea Hillmer steigt hoch und wuchtet den Ball ins Netz – gegen Itterbeck warf die 24-Jährige elf Tore für die HSG Hunte-Aue Löwen.
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Gleich macht es Boom! Lea Hillmer steigt hoch und wuchtet den Ball ins Netz – gegen Itterbeck warf die 24-Jährige elf Tore für die HSG Hunte-Aue Löwen.

Wenn Lea Hillmer von ihren unterschiedlichen Tätigkeiten im Handball erzählt, muss man sich fast schon fragen: Wann schläft und isst diese Frau eigentlich? Die 24-Jährige hat die C-Lizenz und trainiert die zweite Damenmannschaft des SV Höltinghausen (Regionsoberliga), ist als Schiedsrichterin für den HVN und den TV Cloppenburg unterwegs – und eine wichtige Stütze bei den Landesliga-Damen der HSG Hunte-Aue Löwen.

„Bisher passt das alles ganz gut“, meint Hillmer. Dreimal pro Woche Training bei den „Löwinnen“ – plus Spiel. Zwei Einheiten in Höltinghausen – ebenfalls plus Spiel. Und in der noch jungen Saison hat sie auch bereits drei Partien gepfiffen. Jeden Tag Handball! „Man rutscht da irgendwie so rein und kommt dann nicht mehr raus“, sagt Hillmer, die in Cloppenburg wohnt, mit einem Schmunzeln über die Funktionsfülle in ihrem Lieblingssport. Und dann spielt sie auch noch Fußball, in der Kreisklasse bei Blau-Weiß Galgenmoor. Meistens im Mittelfeld. Allerdings ist sie wesentlich öfter in Handballhallen zu sehen. Sie habe schon überlegt, hier und da etwas kürzer zu treten. „Aber wenn ich das Leuten erzähle, sagen die: ,Das machst du eh nicht.‘“ Scheint zu stimmen.

Momentan kommen solche Gedanken ohnehin nicht auf, zu groß ist die Lust auf Handball nach der langen Corona-Pause. Zur Saison 2020/21 war die Rückraumspielerin vom Ligakonkurrenten TV Cloppenburg zur HSG gekommen, ihr Pflichtspieldebüt gab sie aber erst vor zwei Wochen in Nordhorn – und war mit sechs Toren (mit Lina Witte) beste Werferin ihres Teams. Beim 45:16 gegen den ASC Itterbeck, gleichzeitig ihre Heimpremiere in der Diepholzer Mühlenkamphalle, legte Hillmer am Samstagabend satte elf Treffer nach. Das Highlight: Ein Kempa-Trick-Tor nach „astreinem Pass“ von Lina Witte. „So etwas ist immer außergewöhnlich“, betont Hillmer.

In so einer Mannschaft ist es leicht, Tore zu werfen. Da kann man ‘was reißen.

Lea Hillmer 

Auch in den anderen Aktionen war deutlich zu erkennen, was die 1,82 Meter große Power-„Löwin“ auszeichnet. Dynamik, Wucht, Wurfhärte. Beim Abschluss ist sie kaum zu stoppen. „Wir hatten bei ihrer Verpflichtung die Hoffnung, noch mehr Durchschlagskraft im Rückraum zu entwickeln“, sagt Trainer Mario Mohrland: „Und die Hoffnung hat sich erfüllt. Um ihre Qualitäten in der Liga zu finden, muss man sehr lange suchen. Wir sind im Rückraum jetzt vielfältig unterwegs.“ Und wenn sich ein Gegner mal auf Hillmer stürze, „holen eben andere die Kohlen aus dem Feuer“, meint der Coach. Kim Klostermann etwa. Oder Lina Witte. Oder Karla Witte. Oder Ex-Profi Kristina Logvin. Mohrland freut sich auf „ein tolles Wechselspiel“ und ist heilfroh über die Optionen und die Unberechenbarkeit, die sich daraus ergibt: „Schöner kann es doch nicht sein.“

Eine zentrale Figur wird Hillmer bleiben. Die Sport- und Fitnesskauffrau, die Leiterin einer Physiotherapiepraxis in Diepholz ist und noch eine zusätzliche Ausbildung im Büromanagement absolviert hat, genießt im Team hohes Ansehen. Nach der Ankündigung von Carla Klostermann, das Amt aus zeitlichen Gründen abgeben zu wollen, ist sie sogar zur neuen Kapitänin gewählt worden. Eine gute Entscheidung, findet Mohrland – denn: „Lea ist ein absoluter Leadertyp und will immer alle mitreißen.“ Die Gelobte findet sich wieder in den Worten ihres Trainers und beschreibt sich selbst so: „Ich bin sehr ehrgeizig und nach dem Training nie zufrieden.“

Das Streben nach Erfolg klingt auch beim Saisonziel durch: „Wir wollen oben mitspielen – und das ist auch möglich, weil wir eine Super-Truppe haben. Gegen Itterbeck zum Beispiel hat – trotz der hohen Führung – keine auch nur eine Sekunde nachgelassen. Alle hatten Bock.“ Aber, mahnt Hillmer: „Wir dürfen nicht überheblich werden, es kommen noch schwierige Spiele.“ Besonders die Auswärtsaufgaben mit weiten Fahrten könnten knifflig werden, glaubt sie.

Sollten sich die „Löwinnen“ am Ende durchbeißen und aufsteigen, wäre Hillmer nicht bange. Sie kennt die Oberliga, in der ihre Schwester Lisa-Marie (in Hude) spielt, aus Cloppenburger Zeiten und sagt: „Wie da zugelangt wird, ist noch mal eine ganz andere Geschichte. Aber wenn wir so spielen wie zuletzt, könnten wir da bestehen und mithalten.“

Am Samstag geht es erst mal weiter – mit der Partie in Höltinghausen, wo Hillmer die „Zweite“ coacht. Mohrland weiß: „Das wird ein ganz besonderes Spiel für Lea.“

Spitzname „Bam Bam“

Der Spitzname entstand einst beim TV Cloppenburg: „Groß, kräftig, Rückraum-Shooterin – aber eben noch sehr jung. Deshalb hat mich mal jemand Bam Bam genannt – wie der Kleine mit der Keule bei den Feuersteins“, erzählt Lea Hillmer mit einem Schmunzeln: „In Cloppenburg nennen mich alle heute noch so.“ Der bullige Kreisläufer Patrick Wienczek vom THW Kiel wird ebenfalls so gerufen wie der Sohn von Barney und Betty Geröllheimer in der TV-Serie. Bei der HSG Hunte-Aue Löwen hat sich „Bam Bam“ bisher nicht durchgesetzt: „Hier nennen sie mich einfach Lea.“

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