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Warum „Heini“ Tegge lieber „keinen Trainer“ neben sich hat

„Heini“ und Annegret Tegge verbringen viel Zeit mit ihren Enkeln. Über Weihnachten waren Resi und Tammo zu Besuch in Goldenstedt.
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„Heini“ und Annegret Tegge verbringen viel Zeit mit ihren Enkeln. Über Weihnachten waren Resi und Tammo zu Besuch in Goldenstedt.

Heinrich „Heini“ Tegge genießt das Leben nach seiner Trainerkarriere. Die Zeit, die der Pensionär mittlerweile hat, nutzt er gerne für seine fünf Enkelkinder. Außerdem verrät der Ex-Coach des SV Mörsen-Scharrendorf, warum er an der Seitenlinie gerne der alleinige „Chef“ war.

  • Tegge ist ein Mensch von klarer Struktur – das ist auch in seinem Vorgarten erkennbar.
  • Seine Enkelkinder möchte er nicht trainieren, der 68-Jährige beschränkt sich auf‘s Kicken im Garten.
  • Auch heute ist Tegge noch gut über das Sportgeschehen im Kreis Diepholz informiert.

Goldenstedt – Nach außen hin wirkte er immer etwas unnahbar. Wenn Heinrich Tegge, den alle eigentlich nur „Heini“ rufen, früher als Fußball-Trainer an der Seitenlinie stand, dann hatte das schon etwas Feldherren-Ähnliches. Auch seine Statements waren nie kleinlaut, sondern klar und deutlich. Der jetzt 68-Jährige trainierte viele Jahre den SV Mörsen-Scharrendorf und schaffte mit dem Team (wie später auch mit dem BSV Rehden) den Aufstieg in die Landesliga.

Diese klare Struktur findet sich auch in Tegges Vorgarten in Goldenstedt wieder: Kleinteilig und sehr gepflegt. „Ich habe schon immer Lust gehabt, im Garten zu arbeiten. Und seit drei Jahren habe ich auch mehr Zeit“, sagt Tegge, dessen Äußeres nicht vermuten lässt, dass man es mit einem fast 70-Jährigen zu tun hat. 2017, nach 50 Jahren im Postdienst, ging Tegge in den Ruhestand. 2007 beendete er bei Fortuna Einen seine Laufbahn als Trainer.

Langeweile kennt er aber nicht. Da ist nicht nur der Garten – da gibt es mittlerweile auch fünf Enkelkinder. Zwei davon, Joris und Bjarne, spielen beim VfL Wildeshausen in der F- und D-Jugend. „Mit denen bin ich sehr viel unterwegs, fahre auch zu Auswärtsspielen mit“, sagt Tegge beim Gespräch in seinem schönen Wintergarten. Ab und an ging’s auch schon mal zum Zuschauen ins Weserstadion, als das noch möglich war. 2019 war er zusammen mit Enkel Bjarne beim Werder-Match gegen RB Leipzig (0:3). Wohl auch deshalb, weil Bjarne glühender Fan von RB-Stürmer Timo Werner ist. „Sie glauben gar nicht, was bei uns los war, als wir Bjarne zu Weihnachten ein Trikot vom FC Chelsea geschenkt haben, wo Werner ja seit dieser Saison spielt.“

Steckbrief

Name: Heinrich („Heini“) Tegge

Alter: 68

Wohnort: Goldenstedt

Beruf: Pensionierter Postbeamter

Größte sportliche Erfolge: 1977 als Spieler Aufstieg mit dem SV Mörsen-Scharrendorf in die damalige Verbandsliga; 1996 und 1999 als Trainer mit Mörsen und dem BSV Rehden Aufstieg in die Landesliga; 2000 mit Rehden Sieg im Bezirkspokal

Vereine: SV Mörsen-Scharrendorf, SC Twistringen als Spieler; TSV Drentwede, SV Fortuna Einen, SV Mörsen-Scharrendorf als Spielertrainer; SV Fortuna Einen, TuS Frisia Goldenstedt, SV Mörsen-Scharrendorf, BSV Rehden, ASC Nienburg als Trainer

Privates: Seit 42 Jahren verheiratet mit Annegret; die Töchter Yvonne und Rilana sind 41 und 34 Jahre alt; fünf Enkelkinder

Hat Opa Tegge nie daran gedacht, seine Enkelkinder vielleicht mal selbst zu trainieren? Die Antwort kommt tegge-like wie aus der Pistole geschossen: „Nee, nee. Das war und ist kein Thema. Die Jungs in Wildeshausen machen das sehr gut.“ Tegge würde sogar noch mehr mit den Enkelkindern machen, aber seit seinen beiden Hüft-Operationen 2015 und 2017 geht das im Garten nicht mehr: „Da glänze ich dann mit gutem Stellungsspiel...“ Aber der 68-Jährige klagt nicht: „Ich kann ein ziemlich normales Leben führen.“

Und wie sieht es mit Besuchen bei Herrenspielen, vielleicht in Mörsen oder Twistringen, wo er auch gespielt hat, aus? Tegge ist die Antwort fast peinlich: „Nach meiner Zeit in Mörsen war ich, glaube ich, kein einziges Mal wieder bei einem Spiel dabei. Ab und zu schaue ich mal Regionalliga, habe mal Werder II gegen den BSV Rehden auf Platz elf am Weserstadion gesehen.“

Dieses Mörsener Team trainerte „Heini“ Tegge (hinten rechts) im Jahre 1994.

Tegge galt immer als Trainer, der allein das Sagen hatte und dies auch so wollte. Momentan haben zwei, manchmal sogar drei Trainer bei einem Verein gleichberechtigt den Hut auf. Das ist nicht Tegges Welt: „Ich respektiere die Modelle der Vereine, aber ich hatte lieber keinen Trainer neben mir.“

Aber der Ex-Coach ist auch nicht so vermessen, um zu sagen, dass das alternativlos sei und früher sowieso alles besser war: „Quatsch. Ich hatte mal Bernd Steinkampf als Trainer, der sich gerade am Dienstag sehr viel Mühe mit der Vorbereitung gegeben hatte. Aber das war oft umsonst, weil nur vier Leute zum Training kamen. Die Einheiten waren auch damals ab und an nicht für alle heilig. Da wird in der Rückschau doch viel verklärt.“

Wenn der Boden tiefer wird, werden die Schritte kürzer. Das weiß die Mannschaft auch.

„Heini“ Tegge

Tegge wohnt zwar in Goldenstedt, ist aber über das Sportgeschehen im Kreis Diepholz immer noch sehr gut informiert: „Ich nehme mir am Tag eine Stunde Zeit und lese nicht nur die Oldenburgische Volkszeitung, sondern auch das Diepholzer Kreisblatt. Ich weiß schon, was los ist und finde es schade, dass Mörsen nur noch in der Kreisliga spielt.“

So gradlinig Tegge als Trainer war, so eindeutig ist auch seine Meinung zur aktuellen Situation um die Corona-Impfungen: „Ich wäre sofort dabei, bin aber wohl erst in der dritten Gruppe im Sommer dabei. Ich kann die Leute nicht verstehen, die strikt dagegen sind. Ich habe einen guten Bekannten, der schon seit längerer Zeit im Krankenhaus beatmet wird. Sowas sollten sich die Impfgegner mal anschauen. Dann würden sie anders denken.“

SVMS-Spartenleiter Andreas Siegmann (im Bild) arbeitete lange mit „Heini“ Tegge zusammen.

Siegmanns Lobeshymne auf seinen Ex-Coach: „20 Jahre jünger – und Heini wäre immer noch ein Kandidat“

Seit nunmehr 13 Jahren steht „Heini“ Tegge als Fußball-Trainer nicht mehr an der Seitenlinie. Einen Großteil seiner Trainerlaufbahn verbrachte er beim SV Mörsen-Scharrendorf. Andreas Siegmann, der seit vielen Jahren beim SVMS Verantwortung trägt, kann nur Positives über seinen Ex-Coach sagen: „Ich habe Heini in der Saison 1991/92 zur Rückrunde verpflichtet, weil unser damaliger Coach Walter Brinkmann wegen eines Hörsturzes aufhören musste. Und ich habe es nie bereut. Heini war gerade nach seinem Ausscheiden in Goldenstedt frei.“

Der 62-Jährige beschreibt die Eigenschaften von Tegge so: „Er ist sehr besonnen. Seine Aussagen sind klar und immer gut überlegt. Auch wenn es mal nicht so gut lief, hat er immer den Dialog auch mit dem Mannschaftsrat gesucht. Er wirkte wie ein kleiner Diktator – war er aber nicht.“ Wäre Tegge auch heute noch vom Typ he r für den Trainerjob geeignet? Siegmann hat keine Zweifel: „Wenn Heini 20 Jahre jünger wäre, wäre er immer noch ein Kandidat.“

Ebenfalls große Stücke hielt und hält Mörsens Stürmer-Legende Matthias Gevers auf seinen Ex-Coach, mit dem er sieben Jahre in Mörsen verbrachte. „Ich habe mit Heini sogar mal zusammen auf dem Platz gestanden. Er hatte gute Standards drauf, von denen ich als Stürmer profitiert habe.“ Gevers beschreibt seinen Ex-„Chef“ auch als „große Respektsperson. Er konnte gut mit den Spielern umgehen und hat ihre Stärken genau erkannt und gefördert.“

Da störte es Gevers (mittlerweile 56 Jahre alt) auch nicht, dass Tegge eher nicht so der Kumpeltyp war: „Er hatte immer eine gewisse Distanz zu den Spielern. Nach Feiern hat er nie den Saal abgeschlossen...“

Vor 30 Jahren ein absoluter Leistungsträger in Mörsen: Stürmer Matthias Gevers.

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