Puls stöhrt Wechsel zu Plastik nicht

Tischtennis-Veränderung: Celluloid-Ball hat bald ausgedient 

Hat sich schon mit dem neuen Spielgerät bestens angefreundet: Nele Puls, Spitzenspielerin beim Tischtennis-Oberligisten TSV Heiligenrode. Fotos: Westermann
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Hat sich schon mit dem neuen Spielgerät bestens angefreundet: Nele Puls, Spitzenspielerin beim Tischtennis-Oberligisten TSV Heiligenrode. 

Heiligenrode - Von Carsten Drösemeyer. Der Tischtennissport steht künftig vor einer einschneidenden Veränderung: Ab dem Sommer endet die Übergangsfrist, wo Vereine letztmalig mit dem altbekannten Celluloid-Ball spielen dürfen. Danach muss - angeblich aus Umweltgründen - zwingend auf Plastik umgestellt werden. Ohne jede Ausnahme.

Wobei sich die Freude über diese Maßnahme bei vielen langjährigen Spielern in äußerst engen Grenzen halten dürfte. Zumindest beim Breitensport. Bei den Profis sieht dies freilich etwas anders aus. So hat sich Cristian Tamas als Trainer des Tischtennis-Bundesligisten SV Werder Bremen durchaus mit der Umstellung arrangiert: „Wir spielen ja schon einige Jahre ausschließlich mit Plastik. Am Anfang war es natürlich ungewohnt, gerade weil die ersten Modelle viel zu schnell kaputt gingen. Aber mittlerweile sind die Bälle zwar deutlich langsamer als früher, dafür jedoch genauso haltbar. Wir kommen zurecht.“

Logisch bei dem Trainingspensum eines Bundesligisten. Ein Ausnahmekönner wie Rekord-Europameister Timo Boll zog dank seiner überragenden Technik sogar schnell einen Vorteil aus dem neuen Spielgerät. Dadurch, dass der Ball wesentlich an Geschwindigkeit verliert, hat Deutschlands bester Spieler aller Zeiten mehr Zeit zum reagieren und bringt mittlerweile sogar im Herbst seiner Karriere die chinesische Weltelite wieder in ernsthafte Bedrängnis.

Kleiner Schönheitsfehler: Der gewöhnliche „Otto Normalverbraucher“ des Kreises Diepholz ist leider nicht mit dem immensen Talent von Boll gesegnet und kann ebenso wenig jeden Tag in der Tischtennis-Halle mit Training verbringen. Deshalb ächzen viele Aktive über die neuen Bälle und wünschen selbige zum Teufel. So klingt beispielsweise Andre Meyer alles andere als begeistert. Der Kapitän des Verbandsligisten TSV Heiligenrode würde „liebend gerne wieder auf Celluloid zurückgreifen. Die neuen Kugeln sind insbesondere für ältere Spieler echt aufwendig, da sie teilweise wie ein Stein runter fallen. Man muss also viel dichter am Tisch stehen und den Ball deutlich früher nehmen.“

Steht der Veränderung skeptisch gegenüber: Andre Meyer vom Verbandsligisten TSV Heiligenrode würde lieber weiter mit dem alten Celluloid-Ball spielen.

Und das ist nur eines der Ärgernisse, wie Barriens Bezirksliga-„Mafü“ Karsten Meyer anmerkt: „Die alten Celluloidbälle waren trotz verschiedener Hersteller fast identisch. Da gab es keine wesentlichen Unterschiede. Aber bei Plastik ist das komplett anders. Jeder Ball fliegt unterschiedlich. In Langreder kam das Hanno-Ding kaum vom Tisch hoch, bei uns blieb in der Hinrunde die Sanwei-Kugel beinahe in der Luft stehen, und in Heiligenrode sprang der Ball wiederum enorm hoch ab. Ich habe das Gefühl, wir spielen in der Bezirksliga mit zehn unterschiedlichen Bällen. Das ständige Umgewöhnen nervt.“

Und nimmt gerade Materialspielern sichtlich ihre Gefährlichkeit. Abwehrstrategen der alten Schule wie Bückens Johann Meyer oder Barriens Carsten Drösemeyer müssen sich damit praktisch neu erfinden, um nicht gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Ein Problem, dass auch Twistringens Bezirksoberliga-Mannschaftsführer Jens Kramer nicht entgangen ist: „Es stimmt schon. Viele maulen über die Umstellung.“ Dennoch kann Kramer mit dem Wechsel leben: „Ich habe mich da super reingefuchst und finde das alles nicht so schlimm. Mir kommt der neue Ball sogar entgegen. Einzig die verschiedenen Modelle stören. Da sollte es zukünftig Angleichungen geben.“

Heiligenrodes Oberliga-Spitzenspielerin Nele Puls sieht es ähnlich: „Es wäre besser, wenn die Bälle von Marke zu Marke ähnlicher wären. Aber ansonsten stört mich der Wechsel zu Plastik nicht. Ich bekomme zwar auch weniger Spin in meine Bälle, doch dafür geht der Endschlag leichter.“

Stimmt, Angreifer können in der Tat mit dem neuen Plastikball besser „schießen“. Ob das allerdings diesen gravierenden Eingriff rechtfertigt, darüber herrscht Uneinigkeit. Sowohl im Kreis Diepholz als wahrscheinlich auch in ganz Deutschland.

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