Virus bremst außergewöhnliche Sportlerfamilie aus

Die Heemanns in ungewohntem Schongang

Fokussiert wie eh und je: Dirk Heemann, seit Jahrzehnten für den 1. SC Diepholz in der Regionalliga, 2. Bundesliga und Bundesliga aktiv, will auch in der neuen Saison weitermachen. Foto: Westermann
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Fokussiert wie eh und je: Dirk Heemann, seit Jahrzehnten für den 1. SC Diepholz in der Regionalliga, 2. Bundesliga und Bundesliga aktiv, will auch in der neuen Saison weitermachen. 

Diepholz - Am Wochenende war die Sportler-Familie Heemann mal wieder vereint. Per WhatsApp-Video-Konferenz. „Auch ganz nett“, fand Dirk Heemann das. Am liebsten wäre dem Bundesliga-Squasher des 1. SC Diepholz aber, „wenn sich die Corona-Krise bald beruhigt“. Denn der 53-Jährige würde natürlich viel lieber selbst im Court Gas geben – oder seinen Söhnen Kevin und Jeldrik von der Tribüne der Diepholzer Mühlenkamphalle beim Handball zusehen. Sein Ältester, Kevin, steht in Diensten des Oberligisten HSG Barnstorf/Diepholz. Jeldrik, mit 22 ein Jahr jünger, spielt nur eine Klasse tiefer für die HSG-Zweite in der Verbandsliga. Mit „familiärer Vorbelastung“ erklärt Kevin das Niveau des Leistungssports im Diepholzer Elternhaus: „Mama und Papa sind Squasher durch und durch, da haben wir auch viel zugesehen.“ Aber das allein „ist es natürlich nicht. Es gehört auch viel Fleiß dazu“, ergänzt Jeldrik.

Unter Druck gesetzt fühlten sich die Brüder jedoch nie. „Papa hat immer gesagt, dass der Spaß am Sport an erster Stelle stehen muss“, erinnert sich Kevin.

Auf diese Weise probierten sie als Kinder unbefangen einiges durch, was mit Bällen zu tun hatte – neben Squash auch Volleyball und Fußball. „Aber irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf Fußball und habe mit Handball angefangen“, erinnert sich Jeldrik, „und meinen Bruder habe ich gleich mitgenommen.“

Ein Glücksfall für die HSG und die „Heemänner“, denn „von Kevin kann ich mir einiges abgucken. Ich verpasse keines seiner Spiele“, schildert der etatmäßige Kreisläufer, der zuletzt mangels personeller Alternativen beim Verbandsligisten als Rechtsaußen ran musste. Dies ist wiederum Kevins angestammte Position in der Ersten, „und er hat mir auch einige Tipps gegeben.“

Immer dabei: In allen bisherigen 20 Oberliga-Spielen der HSG Barnstorf/Diepholz stand Kevin Heemann auf der Platte. Dabei warf der Rechtsaußen 76 Tore.

Der ältere Bruder hingegen hat durch das damalige Hineinschnuppern in den Handball zu seiner sportlichen Berufung gefunden – denn er spielt nicht nur in der vierthöchsten Liga, sondern pfeift auch auf hohem Niveau. Zusammen mit seinem Diepholzer Gespann-Partner Edwin Hermann leiten sie Partien bis zur A-Jugend-Bundesliga. Ansetzungen beim THW Kiel kamen da vor der Zwangspause ebenso vor wie Leitungen von Duellen in der benachbarten Oberliga Niedersachsen. „Ein oder zwei Spiele sind das pro Wochenende“, zählt der Lehramtsstudent auf – und hat sein eigenes mit der HSG noch nicht mitgezählt. In der Familie bekommt der 23-Jährige die Corona-bedingte Zwangspause also am heftigsten zu spüren. „Am Anfang war das ganz gut für meinen lädierten Fuß, da habe ich erst mal gar nichts gemacht“, verrät Kevin Heemann, „aber jetzt fehlen mir die Freunde – denn meine Teamkollegen sind ja allesamt Freunde.“ Fast jeden Abend trainierten sie zusammen, durch die behördlich verordneten Kontaktsperren fiel das ebenfalls flach. „Jetzt gehe ich öfter laufen – zusammen mit meiner Freundin. Und wenn die nicht mehr kann, komme ich konditionell auf meine Kosten“, feixt der Wahl-Vechtaer.

Mehr als Joggen und Gymnastik kommt für Papa Dirk aktuell ebenfalls nicht infrage. „Ich laufe, mache ein paar Halte-Übungen und bringe ansonsten den Garten auf Vordermann“, skizziert der 53-Jährige. Noch am 19. März, dem letzten Öffnungstag des Diepholzer Sauna- und Sportparadieses, hatte er zusammen mit Spielertrainer Dennis Jensen und SC-Teamkollege Torsten Wagner Squash gespielt. „Danach wurde der Laden dicht gemacht – wie alle anderen Fitnessstudios“, umschreibt der Finanzbuchhalter den Verzicht auf seine sportliche Heimat.

Feste Größe: Auch Jeldrik Heemann verpasste kein Spiel seines Terams, der HSG-Zweiten. Aktuell sorgt sich der etatmäßige Kreisläufer aber um sein Knie.

Auch Filius Jeldrik schmerzt die landesweit verordnete Schließung der „Muckibuden“, denn an Lauftraining ist für ihn momentan nicht zu denken: Im bisher letzten Spiel seines Verbandsliga-Zwölften gegen den MTV Eyendorf zog sich der Elektroniker einen Kreuzband-Anriss im rechten Knie zu. „Jetzt muss ich abwarten, ob das wieder zusammenwächst oder ob ich operiert werden muss“, berichtet der Pechvogel. Kleiner Trost: Sein Team siegte mit 28:20, rettete sich damit auf einen Nichtabstiegsplatz und hatte so beste Aussichten auf die Rettung. Doch am Mittwochabend hatte der Handball-Verband Niedersachsen die Saison ohnehin für beendet erklärt und beschlossen, dass es keine Absteiger gibt. Echte Sportsmänner wie die Heemanns hätten sich trotzdem eine Entscheidung auf der Platte gewünscht: „Mir wäre es lieber gewesen, wenn die Saison zu Ende gespielt und dadurch die Auf- und Absteiger ermittelt worden wären“, unterstreicht Jeldrik.

Sein Bruder Kevin, der zuletzt mit der HSG-Ersten ebenfalls das rettende Ufer der Oberliga-Nichtabstiegszone erreicht hatte, sieht es ähnlich: „Ich hätte es gern auf normalem Weg und eigener Kraft geschafft. Aber wenn man eine Woche nach Lockerung der Beschränkungen mit so wenig Mannschaftstraining wieder hätte spielen müssen, wäre es auch nicht so toll gewesen“, urteilte der 23-Jährige in Sorge um den Verlust einiger Automatismen und Konzeptionen.

Es ist also was dran an der These von Vater Dirk Heemann: „Bei Ballsportarten muss auch der Ball Bestandteil des Trainings sein – sonst geht viel verloren.“ Der Squashball hätte nach dem bereits vollzogenen Saisonende wieder gestern bei einem Karfreitagsturnier in Diepholz fliegen sollen – unter normalen Umständen. „Da hätte ich dann auch mal wieder zusehen können“, bedauert Kevin. So aber sehen sich die Heemanns bestimmt an Ostern wieder. Notfalls per WhatsApp.

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