Blinder Triathlet Zweiter bei Debüt in Hamburg

Start-Nr. 35: Hämmerlings Hammer-Start

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Auf dem Tandem: Nick Hämmerling (hinten) und sein Begleiter Horst Wittmershaus beim Hamburg-Triathlon.

Weyhe - Er wollte einfach mal was für seine Fitness tun – und zudem „zeigen, dass auch ein blinder Mensch zu vielem fähig ist“. Deshalb begann Nick Hämmerling im März mit intensivem Triathlon-Training.

„Ausdauersport hat mich schon immer interessiert. Dass ich aber gleich so einen tollen Erfolg habe, hat mich total überrascht“, staunt der 27-Jährige, der aus Stuhr stammt, für den SC Weyhe startet, als Physiotherapeut in Twistringen arbeitet und mittlerweile in Bremen wohnt. Beim Triathlon in Hamburg Mitte Juli des vergangenen Jahres bestritt Hämmerling gemeinsam mit Begleiter Horst Wittmershaus seinen ersten Wettkampf überhaupt – und landete in der Klasse der sehbehinderten Paratriathleten gleich auf Platz zwei hinter Europameister Ralf Arnold.

Traum von Rio 2016 „nicht unrealistisch“

Dabei waren die Vorzeichen alles andere als gut gewesen. Benjamin Koc, mit dem der seit seiner Geburt blinde Hämmerling häufig trainiert, startete selbst in Hamburg. Eigentlich war deshalb geplant, dass Olaf Meiners als Guide fungiert, aber der musste kurzfristig aus beruflichen Gründen passen. „Da bin ich einfach mit ins Boot gehüpft“, schmunzelt Wittmershaus, der zwar Übungseinheiten mit Hämmerling kannte, sich dann aber gezielt auf einen Triathlon vorbereiten musste – und das Duo hatte dafür nur eine Woche Zeit.

Am Wettkampftag war davon aber gar nichts zu spüren. Unerschrocken stürzten sich die Beiden ins Wasser, verbunden durch ein an der Brust befestigtes Band. „150 bis 200 Schwimmer sind reingesprungen – und wir waren mittendrin. Nick ist Brust geschwommen, ich Kraul. Das sah bestimmt interessant aus“, lacht Wittmershaus. Nach der 500 Meter langen Strecke hatte das Duo nur 42 Sekunden Rückstand auf Arnold – und wechselte aufs Tandem. „Ein geliehenes Holland-Rad, acht Gänge, nichts Aerodynamisches“, sagt Wittmershaus. Trotzdem gaben die Weyher auf den 22 Kilometern mächtig Gas. „Wir waren im Schnitt 38 km/h schnell, mussten oft klingeln, als wir an anderen vorbeigeflogen sind“, erinnert sich Wittmershaus. In der Wechselzone wickelten sich die Beiden einen Fahrradschlauch um ihre Handgelenke und gingen Seite an Seite auf die fünf Kilometer lange Laufstrecke. „Die war sehr schwierig und etwas unglücklich für Sehbehinderte – ziemlich eng, kurvig, dazu ein paar Treppen“, moniert Wittmershaus. Zwar verloren die Debütanten einige Zeit auf Arnold, finishten dann aber nach 1;16,17 Stunden als Zweitplatzierte der Tri6. Hämmerling war überglücklich, er schwärmt noch heute: „300 000 Zuschauer an der Strecke, die Stimmung war gigantisch. Ich habe den ganzen Trubel aufgesaugt, mich einfach von der Atmosphäre tragen lassen.“

Und bei seiner Premiere hat den 27-Jährigen auch sofort der Ehrgeiz gepackt. „Es war ein Super-Wettkampf. Danach wusste ich: Es kann viel gehen. Ich will immer besser werden“, sagt Hämmerling, der während der Saison vier Mal pro Woche trainiert und seinen Kreis an Guides gerne noch vergrößern würde: „Man kann nie genug Begleiter haben.“ Sein großes Ziel sind die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro. „Dafür muss ich noch einiges vorweisen. Aber es ist nicht unrealistisch, dass ich mir diesen Traum erfülle“, glaubt Hämmerling. Und Wittmershaus stimmt zu: „Wenn Nick so weitermacht: Warum nicht? Er ist mit Herzblut bei der Sache.“

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