Trainer im Fußballkreis mit unterschiedlichen Resümees zur WM

„Guter Bezirksligist würde Frauen-Nationalelf schlagen“

Friedel Holle zieht ein durchaus kritisches Fazit der Frauen-WM. ·

Syke - Von Carsten DrösemeyerWer hätte das gedacht? Der sonst von der breiten Öffentlichkeit recht vernachlässigte deutsche Frauenfußball avancierte während der Weltmeisterschaft im eigenen Land zur Erfolgsstory. Zu Spitzenzeiten verfolgten rund 17 Millionen Zuschauer die WM – selbst nach dem Viertelfinal-Aus der Gastgeberinnen gegen Japan flaute das Interesse kaum ab. Grund genug, drei Trainer aus dem Kreis Diepholz nach ihrem Resümee zu diesem Turnier zu befragen. Jacqueline Voss vom Kreisligisten TV Stuhr sowie der Lembrucher Landesliga-Coach Friedel Holle und Uwe Aukthun (Ex-Trainer vom TuS Sulingen/Landesliga) standen unserer Zeitung Rede und Antwort.

Mit dem Niveau zeigte sich das Trio durchaus einverstanden. Voss schwärmte sogar von einem „Top-Event, das „richtig Spaß“ gemacht habe. Lediglich die schwachen Schiedsrichterleistungen stießen der Stuhrerin sauer auf: „Da waren mir zu viele Amateure dabei. Einige waren ja total blind.“ Ansonsten fand Voss aber wenig Kritikpunkte.

Im Gegensatz zu Holle, der zwar auch von einer „insgesamt gelungenen WM“ sprach, aber dabei längst nicht alles durch die rosarote Brille sah. „Das Leistungsniveau war ziemlich gemischt. Positiven Überraschungen wie Japan oder Schweden stand das enttäuschende Abschneiden der selbst ernannten Favoriten aus Deutschland und Brasilien gegenüber. Der ganz große qualitative Quantensprung war es sicher nicht“, analysierte Holle knallhart.

Versöhnlichere Worte fand hingegen Aukthun. Der langjährige Sulinger Erfolgscoach schwärmte von einer „tollen Weltmeisterschaft. Deutschland hat sich als Gastgeberland super präsentiert. Außerdem finde ich es klasse, dass die Weltspitze dichter zusammen gerückt ist. Nur schade, dass wir nicht bis ins Finale gekommen sind. Das hätte dem deutschen Frauenfußball einen richtigen Schub geben können.“

Doch trotz des eher kläglichen Abschneidens der Schützlinge von Bundestrainerin Silvia Neid – sowohl Voss als auch Holle und Aukthun gehen von einer positiven Strahlkraft des Turniers aus. Stellvertretend für das Trio rechnet Aukthun mit einem „größeren Zulauf beim Mädchenfußball. Fußball wird kein reiner Jungensport mehr bleiben. Durch die WM haben bestimmt viele Mädels Blut geleckt.“

Mit höheren Zuschauerzahlen – gerade auf Kreisebene – ist dagegen laut Holle in näherer Zukunft allerdings nicht zu rechnen: „Das wird nicht passieren. Weder in der Bundesliga noch bei uns in der Landesliga.“ Und noch eine weitere Seifenblase lässt Holle staubtrocken platzen: „Wer glaubt, dass der Frauenfußball mittlerweile leistungsmäßig an den Männerbereich heranreicht, der irrt. Jede gute Bezirksligatruppe würde die Frauen-Nationalelf schlagen. Vom Niveau her ist das noch ein himmelweiter Unterschied.“ Während Aukthun diese Meinung blind unterschreibt, sieht es Voss gänzlich anders: „Frauenfußball kommt schon ganz nahe an die Männer heran. Gerade körperlich ist da kaum ein Unterschied zu bemerken.“ Was soll die Stuhrerin auch sonst sagen? Sie kann als Frau dem „schwachen Geschlecht“ ja kaum in den Rücken fallen.

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