Nils Mosel ist die Lebensversicherung von Barnstorfs Handballern – lässt das aber nicht raushängen

Große Leistungen, kleines Ego

Ist bei der HSG Barnstorf/Diepholz nicht wegzudenken: Mannschaftskapitän Nils Mosel. ·
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Ist bei der HSG Barnstorf/Diepholz nicht wegzudenken: Mannschaftskapitän Nils Mosel. ·

Diepholz - Von Arne HelmsNeulich, bei einem kinderleichten Sieg in der Handball-Oberliga, rutschte Nils Mosel etwas raus. Etwas, für das er bei der HSG Barnstorf/Diepholz nicht bekannt ist und für das er an dieser Stelle auch nicht zum Sportler des Jahres 2012 vorgeschlagen wird – ein überheblicher Trickwurf, der zu allem Überfluss auch noch in die Hose ging.

Nils Mosel ist nominiert, da er große Leistungen mit einem kleinen Ego verbindet. Ihm selbst „würde eher ein Betreuer oder ehrenamtlicher Helfer einfallen, der es verdient hätte“ – doch ein Physiotherapeut wirft nicht mühelos zehn Tore pro Partie. Für die Handballspielgemeinschaft ist der Rechtsaußen seit Januar 2007 die Lebensversicherung. Das merken sie in Barnstorf und Diepholz vor allem dann, wenn der 30-Jährige verletzt ist oder Häuser baut – wie in der vergangenen Saison, als er „viel selbst machen“ musste, um mit Frau Maïsha rechtzeitig in die eigenen vier Wände in Diepholz einzuziehen. Das hat funktioniert. Auch die fünf Monate alte Tochter Amelie soll einen zufriedenen Eindruck machen.

Seinen Handballern, die mitten im Meisterschaftskampf steckten, fehlte Mosel aber immer mal wieder. Auch wegen kleiner Verletzungen, auch wegen des Sonderpädagogik-Studiums, das er neben dem Vollzeitjob in Oldenburg absolvierte. Heiner Thiemann, Trainer und Chef von Förderschullehrer Mosel, habe ihm im Sommer gesagt, „dass wir aufgestiegen wären, wenn ich fit gewesen wäre. Da musste ich erstmal schlucken, weil ich nicht finde, dass man einen Erfolg von einer Person abhängig machen kann.“

Letztlich hätte Barnstorf trotzdem aufsteigen können, weil Meister Bremervörde sein Recht nicht beanspruchte. Aber Thiemann & Co. lehnten ab, wollten sich lieber in der Oberliga gesund entwickeln, ehe sie das Abenteuer Dritte Liga eineinhalb Jahre nach dem Abstieg wieder angehen. „Ich würde gerne nochmal dort spielen“, sagt Mosel: „Jetzt bin ich 30. Es darf nicht mehr lange dauern.“

Dafür dreht er in der Oberliga voll auf. Vergangene Saison erzielte der Linkshänder 136 Tore. „Nils hat bald wieder die alte Form“, findet Thiemann. Im Kreisderby in Brinkum ließ er Gegenspieler Julian Wilkens wie einen Anfänger aussehen – und das lag nicht nur an Wilkens‘ fehlender Erfahrung. „Er macht fast jede Chance rein, obwohl er immer wieder hart attackiert wird“, sagt Thiemann. Er erwartet das von seinem Kapitän, der „auch menschlich eine tragende Rolle spielt“ – in einem Team, das nicht zuletzt auch von ausländischen Impulsen lebt.

Mosel ist als Integrator gefragt. „Klar hängen unsere Litauer oft zusammen. Das bringt die Sprache mit sich. Aber dann setze ich mich da mitten zwischen und sage: Ich verstehe nichts, redet bitte Deutsch“, erzählt er. Das klingt alles ganz gelassen. Auf dem Feld und hinter den Kulissen aber kann der 30-Jährige auch „Vulkan und Einpeitscher“ sein, lässt Coach Thiemann durchblicken. Mosel liegt der Verein und dessen Erfolg am Herzen, es schlägt sogar „rot-schwarz“, wie er sagt. Und dennoch habe er „nicht für 100 Jahre zugesagt, nur weil ich hier ein Haus gebaut habe. Einmal pro Jahr sollte man über die Zukunft sprechen.“

Nils Mosel hat gerade viel Zeit, darüber nachzudenken – wenn Amelie nicht gerade schreit. Er ist noch bis September in der Elternzeit.

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