Wer sich trotz Krankschreibung beim Sport verletzt, riskiert Job und viel Geld

Der Gelbe Schein wird zum Schuldschein

Andre Kerber von der AOK: „Natürlich recherchieren wir.“

Syke - Von Arne HelmsDie gute Nachricht zuerst: Ein Amateursportler, der von montags bis freitags krankgeschrieben ist, darf sich am darauffolgenden Wochenende wieder austoben, ohne vom Arbeitgeber Konsequenzen erwarten zu müssen. Aber wehe dem, der sich noch während seiner Krankschreibung in Zweikämpfe stürzt und eine Verletzung davonträgt: Neben der Kündigung vom Chef drohen mehrere Tausend Euro hohe Rückforderungen der Krankenkasse.

Wer sich mit einem Gelben Schein in der Tasche das Trikot überstreift, weil er das Wehklagen des Trainers über Lücken in der Aufstellung nicht mehr hören oder das heimische Sofa einfach nicht mehr sehen kann, wandelt auf einem extrem schmalen Grat. „Wenn nichts passiert, kräht kein Hahn danach“, sagt Constantin von Kuczkowski, Syker Geschäftsstellenleiter der IHK Hannover, stellvertretend für die Arbeitgeberseite. Doch das Risiko des Sportlers hat Gänsehautpotenzial.

„Wenn uns Sportunfälle gemeldet werden, recherchieren wir natürlich“, sagt Andre Kerber, Regionaldirektor der AOK Mittelweser. Und jetzt wird‘s brisant. „Kommt heraus, dass der Sportler grob fahrlässig gehandelt hat, behalten wir uns das Recht vor, uns die Kosten zurückzuholen.“ Kerbers Worte sind verklausuliert. Lüftet sich der Schleier, sollte der krankgeschriebene Hobbysportler die Bettdecke lieber noch ein Stück höher ziehen anstatt die Sporttasche zu packen.

Wer gegen den Rat des Arztes einer Sportart nachgeht und ein Verletzungsrisiko in Kauf nimmt, sollte sich entweder in Watte packen oder die großen Scheine in der Hinterhand haben. Bis zu 500 Euro kostet eine Fahrt im Krankenwagen. Bei einem längeren stationären Aufenthalt ist man laut Kerber schnell „im fünfstelligen Bereich“. 10 000 Euro für einen Beinbruch sind keine Seltenheit.

Frank Fischer, Trainer beim Kreisligisten SV Heiligenfelde, geht dieses Risiko nicht ein („zu gefährlich“), weiß aber: „Das kommt vor.“ Obwohl seine Kollegen ja eigentlich wüssten, dass Fußball auf diesem Niveau „ein extremes Hobby“ sei. Wer in Heiligenfelde krankgeschrieben ist, bleibt Zuschauer. „Als Trainer bin ich doch verantwortlich für die Spieler“, zieht Fischer eine klare Grenze und schaut über den Tellerrand seiner Hobbykicker hinaus: „Das ist sicher ein Grund zur Kündigung, wenn man nicht am Arbeitsplatz ist und sich dann beim Sport verletzt.“

Laut Arbeitsrecht hat ein Beschäftigter im Krankheitsfall alles dafür zu tun, so schnell wie möglich wieder arbeitsfähig zu sein. IHK-Mann von Kuczkowski hätte daher „als Arbeitgeber ein komisches Gefühl“, wenn sich der krankgemeldete Mitarbeiter auf dem Sportplatz oder in der Sporthalle rumtreibt und verletzt noch länger ausfällt als ohnehin schon. Dass nicht nur die Gefühlslage ins Wanken gerät und ein bitterer Nachgeschmack bleibt, deutet von Kuczkowski vage an. Er spricht von möglichen „arbeitsrechtlichen Konsequenzen“. Tatsächlich ist von der Abmahnung bis zur Kündigung alles möglich.

Schlüpft der arbeitsunfähige Hobbysportler ins Trikot statt ins Bett und später ins Krankenhaushemd, können Ansprüche auf Lohnfortzahlung und Krankengeld schnell verfallen, der Kantinengang dürfte zwischen verstimmten Arbeitskollegen zum Spießrutenlauf werden. Bange wird der Blick vor allem beim Gang zum Briefkasten. Lugt der Stempel der Krankenkasse durch den Schlitz, gibt es den Nervenkitzel frei Haus.

Ein verpasstes Spiel in Kreisklasse oder Bezirksliga ist da doch das deutlich kleinere Übel.

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