Zollstock-Gespräch

Trainerin Ute Schröder freut sich auf den Alltag: „Ganz entspannt mal wieder Essen gehen“

Treffen auf der Tartanbahn – mit Zollstock und dem nötigen Abstand: Ute Schröder vom TSV Asendorf und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert. Foto: rehnert
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Treffen auf der Tartanbahn – mit Zollstock und dem nötigen Abstand: Ute Schröder vom TSV Asendorf und Kreiszeitung-Sportredakteur Malte Rehnert.

Asendorf - Insgesamt 80 Kinder und Jugendliche betreut Leichtathletik-Trainerin Ute Schröder beim TSV Asendorf. Sie hat mehrere Gruppen und ist an vier Tagen auf der Sportanlage des TSV anzutreffen – für zwei bis drei Stunden. So lange dauern die Einheiten.

Unterstützt wird die 61-Jährige „seit vielen Jahren“ von der Schwaförder Lehrerin Julia Hilbers sowie mehreren jungen Helfern. In den vergangenen Wochen ging wegen der Corona-Pandemie allerdings auch beim TSV Asendorf nichts. Ab Mittwoch soll Leichtathletik als (zumindest meistens) kontaktloser Freiluftsport in Niedersachsen wieder erlaubt sein. Welche Sportanlagen dann aber sofort freigegeben werden, wird regional entschieden. In Asendorf ruht der Betrieb vorerst weiter.

„Ich warne davor, zu denken, dass bei einer Erlaubnis alles gleich wieder ganz normal läuft“, sagt Schröder, die seit 2009 eine Trainer-A-Lizenz besitzt: „Es wird erst mal ein reduziertes Programm sein – und vom Umfang her vielleicht nicht immer für alle ganz gerecht.“ Sie werde ihren Athleten vorab auf jeden Fall ein Infoschreiben zukommen lassen.

Bevor es wieder losgeht, verriet Schröder in unserer „Zollstock-Gespräch“-Reihe, was sie momentan besonders gerne tut und worauf sie sich am meisten freut.

Was nervt am meisten in diesen Tagen?

Was wohl jeder sagt: Dass die sozialen Kontakte momentan kaum vorhanden sind. Ich fühle mich zu Hause nicht etwa eingesperrt, aber mir fehlt die Leichtathletik, mir fehlen die Athleten und mir fehlt auch der Arbeitsalltag.

Gibt es etwas, dass Sie derzeit auch angenehm finden?

Ja, schon. Ich habe richtig viel Zeit, Liegengelassenes zu ordnen, zu sortieren oder auch mal ‘was wegzuwerfen. Ich habe stapelweise Papiere vom Sport. Da konnte ich mal ordentlich aufräumen. Und es ist auch mal schön, keinen Zeitdruck zu haben, entschleunigen zu können, für alles mehr Ruhe zu haben. Ich stehe morgens etwas später auf und gehe abends später ins Bett. Und ich genieße es, mal mehr zu Hause zu sein – sonst sind wir um diese Zeit immer viel in Trainingslagern oder bei Wettkämpfen.

Was für versteckte Talente haben Sie an sich entdeckt?

Normalerweise bin ich nicht so der Küchenmensch, aber momentan kochen wir sehr viel. Und es macht Spaß. Wir haben unterschiedliche Gerichte ausprobiert – mal mit Nudeln, viel mit Gemüse. Und es schmeckt alles. Wir essen auch mehr Spargel als sonst und genießen es. Außerdem habe ich einige Interessen wieder geweckt, wurschtele zum Beispiel viel im Garten herum.

Was ist momentan sportlich die größte Herausforderung?

Zu Hause habe ich ein paar Geräte, an denen ich mich selbst fit halte. Schwierig ist die Trainingsplanung. Meine Athleten haben schon zu Beginn der Corona-Zeit einen umfangreichen Trainingsplan bekommen, mit Laufen, koordinativen Übungen, Seilspringen und so weiter – um die Grundlagen zu festigen. Wenn aber wieder auf unserer Sportanlage trainiert werden kann: Was darf ich dann? Und wie? Die Hygienemaßnahmen, die Gruppeneinteilung, der ganze Ablauf. Man muss ständig das ganze Drumherum im Blick und die Augen überall haben – und ich befürchte, dass ich mich nicht zu 100 Prozent auf die fachliche Arbeit konzentrieren kann. Ich werde immer Desinfektionsspray, Gummihandschuhe und Klebeband, um die Abstände abzustecken, dabei haben müssen.

Was sind Ihre Tipps, um trotz Kontaktverbots fit zu bleiben?

Viel Bewegung an der frischen Luft. Im Wald, auf Feldern und Wegen – überall, wo es geht. Und wer Trainingspläne bekommen hat, sollte sie so gut wie möglich umsetzen.

Buch, Serie oder Film – was bevorzugen Sie? Und was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Ich habe in unser großes Bücherregal geguckt und mir genommen, was mich gerade interessierte. Zuletzt waren es die Romane Quattro Stagioni und Bonjour la France von Stefan Ulrich. Ich mag aber auch Krimis und Actionfilme, zuletzt habe ich den ,Tatort’ Treibjagd mit Wotan Wilke Möhring gesehen. Außerdem Dokumentationen über Tiere, Menschen und Länder – und auch mal Kochsendungen, durch die ich mich inspirieren lasse.

Wie viele Rollen Toilettenpapier haben Sie zu Hause?

Ein bis zwei Pakete im Vorrat haben wir immer – nicht erst seit Corona (schmunzelt). Ich bin keine Hamsterkäuferin.

Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Da gibt es mehrere. Mit denen, die wichtige Entscheidungen zur Schadensbegrenzung treffen müssen. Ich selbst zweifle an vielem. Ist die oder die Maßnahme übertrieben oder nicht? Es ist sehr schwierig, sich beim Thema Corona eine klare Meinung zu bilden. Mit Ärzten oder Pflegepersonal würde ich auch nicht tauschen wollen, die haben gerade Horrortage. Auch die Gastronome tun mir sehr leid.

Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Schon groß! Momentan muss man viele Einschränkungen in Kauf nehmen, aber man kann eben nicht ausscheren. Ich mache mir auch ein bisschen Sorgen um die Familie, etwa um meine Schwiegermutter, die aktuell nicht raus kann.

Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes machen?

Meinen Sohn Sven (wohnt in Darmstadt, d. Red.) und dessen Freundin treffen. Wir haben uns seit den Deutschen Meisterschaften in Leipzig Mitte Februar nicht mehr gesehen – und dort auch nur kurz. Und dann würde ich ganz entspannt und ohne Regeln mal wieder irgendwo lecker Essen gehen.

Steckbrief

Name: Ute Schröder
Alter: 61
Wohnort: Asendorf
Beruf: Pädagogische Mitarbeiterin bei der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen
Größte sportliche Erfolge: Sie begleitete und förderte viele Athleten, die deutschlandweit Erfolge feierten: Neele Eckhardt, ihr Sohn Sven Schröder, Christin Bormann, Louis Knüpling, Tabea Brüning und Tim Cordes.
Verein: TSV Asendorf seit 1989, zwischendurch zusätzlich auch bei Werder Bremen, dem Bremer Leichtathletik-Team und dem FTSV Jahn Brinkum.
Privates: Seit 1987 verheiratet mit Hermann Schröder, zu dem sie 1988 von Bremen nach Asendorf zog. Sohn Sven ist 31 Jahre alt.

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