Fußballkreis-Vorsitzender Henze überreicht 500 Euro von der Egidius-Braun-Stiftung an TuS Lemförde II für vorbildliche Flüchtlings-Arbeit / Dank a ...

Egal, woher sie kommen: In der „Zweiten“ sind sie zu Hause

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Fußballkreis-Vorsitzender Andreas Henze (2.v.l.) übergab 500 Euro als Anerkennung für die Integration an den TuS Lemförde II. Die Trainer Ali und Ayhan Gören, den zweiten Spartenleiter Andreas Tubee (v.r.), Spartenleiter Dietrich Bussmann (3.v.r.) sowie Torwart Jean Pascal Bittger, Walid Mohammed (M.), seinen Bruder Khaled (vorn rechts), Amir Zangeneh und die Kollegen freut's.

Lemförde - Nur Ahmed hat es an diesem Abend nicht geschafft. Normalerweise verpasst der junge Syrer kein Training des TuS Lemförde II, kommt die acht Kilometer mit dem Fahrrad von Lembruch angestrampelt. „Vorher war er dann aber schon meistens mit dem Rad in Lohne“, berichtet Ali Gören, der Lemfördes Zweite zusammen mit seinem Cousin Ayhan Gören trainiert.

46 Kilometer zu seinem Sprachkurs und zurück zieht sich diese Strecke – und trotzdem gibt Ahmed auf dem Fußballplatz alles. Diesmal ist er nicht dabei, und das Training des Teams aus der 4. Kreisklasse fällt ebenfalls aus. Nicht wegen ihm, sondern weil die Kicker Besuch haben. Fußballkreis-Vorsitzender Andreas Henze sitzt mit den Görens, sechs weiteren Mannschaftskollegen aus dem Iran, Syrien, Irak, Eritrea und Afghanistan im Clubhaus. Torwart Jean Pascal Bittger aus Lemförde ist ebenfalls pünktlich. Ihm und seinen Mitspielern hat Henze einen Scheck über 500 Euro mitgebracht – als kleine Anerkennung für die Integration von Flüchtlingen. Aus dem Programm „1:0 für ein Willkommen“, das die Egidius-Braun-Stiftung des DFB ins Leben gerufen hatte.

„Es ist nicht schön, wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil ihnen Krieg, Gewalt und Verfolgung drohen“, stellt Henze klar. „Umso wichtiger ist es, dass sie hier bei uns Leute finden, die sich um sie kümmern. Und deswegen ist das heute wiederum ein schöner Anlass.“

Sich kümmern – das tun die Lemförder Fußballer. Vor allem die Görens. „Im Sommer kamen auf einmal acht neun Leute zu uns, die hier Fußball spielen wollten. Da mussten wir etwas machen“, berichtet Ayhan Gören. Er und sein Cousin baten innerhalb der Fußballsparte um Sachspenden. „Trainingsanzüge, T-Shirts, Schuhe – jeder, ob nun aus der Ersten oder der Zweiten, hat etwas dazugegeben“, schildert Ayhan. Das Trainer-Team stürzte sich in die Formalitäten, um für alle „Neuen“ die Spielberechtigung zu beantragen. Schnell mussten sie erkennen, dass sie Geduld brauchten. „Wir haben halt die Papiere eingereicht, die die Jungs gerade hatten“, erklärt Ayhan. Doch ob mit Spielerpass oder ohne – „alle sind mit vollem Elan bei der Sache – und zeigen, dass sie wirklich was drauf haben“, unterstreicht Lemfördes stellvertretender Spartenleiter Andreas Tubee: „Vor allem technisch sind sie gut drauf, und ihre Schnelligkeit fällt auf. Er und Abteilungschef Dietrich Bussmann unterstützen die Görens, wo sie können – aber die meiste Arbeit bleibt bei den Cousins hängen. Auch abseits des Platzes. Amir zum Beispiel mussten sie schon öfter mental aufbauen. „Ich sollte abgeschoben werden – nach Italien“, schildert der Iraner in gutem Deutsch, aber leise. „Das war schwer.“ Jetzt sei aber alles in Ordnung. Mehr möchte er nicht dazu sagen. Nur, dass die Kirche ihm half. Und der Fußball. „Ich habe auch schon Tore geschossen – im Training und im Spiel“, verrät er lächelnd. Und das, obwohl er zu Hause nur Hallenfußball kannte. „Wie er kamen einige andere zuerst mit Hallenschuhen auf den Platz“, erinnert sich Tubee. „Gut, dass alle mit Ausrüstung geholfen haben.“

Walid und sein Bruder Khaled nicken – und strahlen. „Wir fühlen uns wohl hier“, sagt Walid, „und wir wollen in diesem Team bleiben.“ Er hat Deutsch im Familienzentrum gelernt. Die andere Sprache – Fußball – kennt er schon länger. Aus seiner Heimat, dem Irak. Unterschiedliche Herkunftsländer – für keinen, der mit den Funktionären im Clubhaus sitzt, ist das ein Problem. Karim aus Afghanistan und Mohammed aus Eritrea sitzen zwar etwas abseits an einem anderen Tisch – doch das ist nur der Enge im Raum geschuldet.

Mit den 500 Euro, die Henze in Form eines Schecks mitgebracht hat, wollen die Görens ihren Jungs jetzt Trainingsbekleidung kaufen. „Dann können sie einheitlich auflaufen – das haben sie sich gewünscht. Sie meinen, man sieht ihnen dann nicht so an, dass sie wenig Geld haben. Aber das Finanzielle ist eben das, auf was viele von außen zuerst achten.“

ck

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