ZOLLSTOCK-GESPRÄCH mit Torwart-Dauerbrenner Torben Kolkhorst, dem vor allem Kinder leidtun

Fußballfrei – und plötzlich zwickt der Rücken

In Torben Kolkhorsts „Kasten“: Sportredakteur Cord Krüger (r.) traf sich im Sundering-Stadion mit dem Torwart des Barnstorfer SV zum Interview mit Mindestabstand, wie der Zollstock beweist. Ein Gespräch auf Augenhöhe hatte es aufgrund des Größenunterschieds von vornherein nicht werden können. Aber schön war’s trotzdem. Foto: Borchardt
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In Torben Kolkhorsts „Kasten“: Sportredakteur Cord Krüger (r.) traf sich im Sundering-Stadion mit dem Torwart des Barnstorfer SV zum Interview mit Mindestabstand, wie der Zollstock beweist. Ein Gespräch auf Augenhöhe hatte es aufgrund des Größenunterschieds von vornherein nicht werden können. Aber schön war’s trotzdem.

Barnstorf - Von Cord Krüger. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht Torben Kolkhorst im Herrenbereich zwischen den Pfosten – jeweils in der ersten Garde. Über körperliche Maleschen hat der 44-Jährige nie großartig geklagt. Doch die aktuelle Corona-Zwangspause – für ihn die längste fußballfreie Zeit seit Jahrzehnten – gab dem Körper nun Zeit, sich mit Rückenschmerzen zu melden. Aber Kolkhorst, ein Kerl wie ein Baum, erwähnt derartige Beschwerden nur am Rande. Viel mehr schmerzt ihn, was die Kinder – etwa seine beiden kleinen Töchter – während der Kontaktbeschränkungen an Entbehrungen hinnehmen mussten. „Es ist natürlich schön, wenn ich als Papa mehr von ihnen habe, aber normalerweise können wir ihnen mehr Abwechslung bieten“, sagt der Stammkeeper des Barnstorfer SV – inzwischen in der Kreisliga, bei seinem Start als 18-Jähriger in der Landesliga.

1. Was nervt am meisten an diesen Tagen?

Das sind vor allem die Einschränkungen für Familien mit Kindern. Inzwischen sind ja einige Vorgaben gelockert, was Aktivitäten an der frischen Luft angeht. Wir wollen auch bald mal wieder in den Tierpark Ströhen. Aber Indoor-Parks wie das Kinder-Spielhaus Ballorig in Sulingen sind weiter geschlossen, und einige Frühlingsmärkte haben sonst auch immer für Abwechslung gesorgt.

2. Gibt es auch etwas, dass Sie derzeit auch angenehm finden?

Ja, zum Beispiel, dass ich mehr Zeit habe, zu Hause Dinge zu erledigen, die schon länger liegen geblieben sind. Früher musste meine Frau öfter fragen: „Schaffst Du das vielleicht am Wochenende?“

3. Welche versteckte Talente haben Sie an sich entdeckt?

Dass ich handwerklich doch nicht so ungeschickt bin, wie ich dachte! Früher habe ich mich an manche Sachen nicht richtig rangetraut. Das lag auch daran, dass mein Vater vieles übernommen hat. Der wohnt ja nur einen knappen Kilometer von uns entfernt – und oft hat meine Frau lieber gleich ihn angerufen, bevor sie mich gefragt hat. Aber seit Corona haben wir die Vorgaben ernst genommen, Besuche vermieden und Abstand gehalten, sodass ich dann mal selbst Schränke umgebaut, gebohrt und geschraubt habe. Und es hat geklappt.

4. Was ist momentan sportlich die größte Herausforderung?

Wie bei vielen aus dem Fußball und anderen Sportarten besteht sie darin, fit zu bleiben. Ich bin da momentan ziemlich eingeschränkt, weil mir mein Rücken Ärger bereitet. Das kam komischerweise erst mit der fußballfreien Zeit. Es ist eben so: Wer rastet, der rostet. . .

5. Was sind Ihre Tipps, um trotz Kontaktverbots fit zu bleiben?

Das ist bei mir auch wie bei den meisten anderen: An erster Stelle steht das Laufen. Ich versuche noch viel, das Fahrrad mit einzubauen. Und ich missbrauche zunehmend den Crosstrainer meiner Frau. Als wir damals zusammengezogen sind, hat sie gesagt: „Der muss unbedingt mit!“ Und jetzt bin ich froh, dass wir den noch haben.

6. Buch, Serie oder Film – was bevorzugen Sie? Und was haben Sie zuletzt gelesen oder geschaut?

Mit zwei kleinen Kindern bleibt eigentlich wenig Zeit, in Ruhe ein Buch zu lesen. Aber neulich lief auf Sky die Wiederholung des Films „Trautmann“, an dem ich tatsächlich drangeblieben bin. Die wahre Geschichte über den deutschen Torwart Bert Trautmann, der in England bei Manchester City zur Legende wurde, war echt toll erzählt.

7. Was für eine Maske tragen Sie, und wer hat sie genäht?

Ich habe zwei – privat eine schwarz-weiße, die mir unsere Nachbarin genäht hat. Und dann habe ich noch eine von meinem Arbeitgeber, der Bundeswehr. Aber nicht in Nato-olivgrün, sondern in einem dezenten Grau. Es steht auch kein Aufdruck drauf. Ein Kollege meinte neulich, wir könnten uns ja welche aus Tarnfleck machen – aber die Idee ist dann zum Glück doch nicht weiter verfolgt worden.

8. Mit wem würden Sie aktuell am wenigsten tauschen wollen?

Auf gar keinen Fall mit den Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen, die einen ganz harten Job haben. Aber auch nicht mit den Politikern, die fast täglich neu über Einschränkungen und Lockerungen für uns entscheiden müssen. Schon gar nicht mit denen auf Bundesebene, die mit den Forderungen und Alleingängen mancher Ministerpräsidenten in den Ländern umgehen und das alles moderieren müssen.

9. Wie groß ist die Lust auf Normalität?

Natürlich sehr groß! Vielleicht hilft uns diese Zeit aber auch, vieles in Zukunft mehr wertzuschätzen. Vor kurzem sind meine Frau und ich mal wieder Essen gegangen – nomalerweise nichts Besonderes, aber nach so vielen Wochen was anderes. Ein weiterer Schritt der Lockerung, noch etwas ungewohnt, aber schön.

10. Wenn morgen alles wie vorher wäre: Was würden Sie als Erstes machen?

Auf jeden Fall etwas mit der Familie unternehmen! Vielleicht stünde an erster Stelle, unseren Mallorca-Urlaub neu zu planen. Wir wollten im Juni dorthin, aber das fällt jetzt schon mal aus.

Steckbrief

Name: Torben Kolkhorst Alter: 44 Jahre Wohnort: Barnstorf Beruf: Stabsfeldwebel bei der Bundeswehr, eingesetzt im Personalwesen auf dem Fliegerhorst Wunstorf Größte sportliche Erfolge: Meister der damaligen Bezirksklasse und der Bezirksliga mit der SG Diepholz, Kreismeister und Kreispokalsieger mit dem TuS Wagenfeld, Ü 40-Niedersachsenmeister mit dem Barnstorfer SV Vereine: Barnstorfer SV, TuS Syke, SG Diepholz, TuS Wagenfeld, Barnstorfer SV Privates: verheiratet mit Sabrina, Töchter Carla (4) und Dana (fast 2)

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