Fußballer des TuS Sulingen nehmen das Training auf / Verein vor einer großen Herausforderung

„Das schweißt uns zusammen“

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Trainer Maarten Schops schwört die Fußballer des TuS Sulingen auf die Vorbereitung ein. Alles andere sollen seine Spieler ausblenden.

Sulingen - Von Arne Flügge. „Lebbe gehd weider.“ Seinen berühmtesten Satz hat Trainer-Legende Dragoslav Stepanovic am 16. Mai 1992 in seiner wohl bittersten sportlichen Stunde gesagt. Mit einer 1:2-Pleite am letzten Bundesliga-Spieltag bei Absteiger Hansa Rostock hatte seine Frankfurter Eintracht gerade die sicher geglaubte Meisterschaft noch in den Sand gesetzt. Freilich ist das Frankfurt-Fiasko von damals in keinster Weise mit der Tragödie des TuS Sulingen vergleichbar, der am 13. Dezember nach einer Brandstiftung sein Clubhaus mit Sportfunktionsgebäude komplett verlor. Vor kurzem wurde dort erneut ein Brand gelegt. Doch auch für den Club heißt es jetzt: Das Leben geht weiter. „Wir werden doch das Fußballspielen nicht einstellen“, sagt TuS-Präsident Volker Wall trotzig.

Gleichwohl steht der Verein mit seinen insgesamt 18 Herren-, Damen- und Jugendmannschaften in den kommenden Monaten vor einem riesigen Aufgabenberg, einer unglaublichen Herausforderung, um den Trainings- und Spielbetrieb möglichst reibungslos und störungsfrei über die Bühne zu bekommen. Denn nichts ist mehr, wie es war. Ein Maßnahmenkatalog (siehe Kasten) soll helfen.

Als erste Mannschaft haben vor einer Woche die Landesliga-Fußballer das Training aufgenommen. Eine Laufeinheit auf der Tartanbahn war angesagt. „Das war schon ein richtiges Scheißgefühl, nach jeder Runde auf die Brandruine zu schauen“, sagt Abwehrchef und Co-Trainer Manuel Meyer. Auch für Kapitän Dennis Neumann hatte das Szenario etwas beklemmendes: „Ich kann immer noch nicht fassen, was da passiert ist.“

Der Schock sitzt bei den Spielern weiter tief. „Natürlich berührt es uns jedes Mal, wenn wir an der Ruine vor bei zum Trainingsplatz gehen. Das ist auch nicht wegzudiskutieren“, weiß TuS-Trainer Maarten Schops: „Aber ich denke, dass uns das Ganze noch weiter zusammenschweißt als zurückwirft. Ich glaube, das alles wird uns eine zusätzliche Kraft geben, um noch mehr Vollgas zu geben.“ Der Belgier schaut nach vorn. Und die bereits eingeleiteten und geplanten Maßnahmen „geben uns die Möglichkeit, uns auf das Sportliche, die Vorbereitung zu konzentrieren. Das ist wichtig. Alles andere müssen wir ausblenden. Wir können es nicht rückgängig machen.“

Das Flutlicht ist wieder repariert, so dass auf dem Kunstrasenplatz trainiert und gespielt werden kann. Die wichtigste Lücke ist damit geschlossen. Darüber hinaus „müssen wir jetzt alle mit anpacken, flexibel sein“, fordert Schops. Denn es muss vieles organisiert werden. Gerätschaften müssen ständig in den Sportpark transportiert werden. Jeder Trainer oder Betreuer hat irgendetwas im Kofferraum oder zu Hause. In der Firma von Teammanager Thorsten Neumann wurde ein Raum für Trainingsutensilien eingerichtet. Die Mannschaften müssen sich in der Edenhalle umziehen und dann zum Platz pendeln. „Aber hey“, sagt Maarten Schops, „das sind nun wirklich keine großen Probleme. Die Menschen, die im Clubhaus gewohnt haben, hat es doch viel, viel schlimmer getroffen. Das dürfen wir nicht vergessen. Wir sind in der glücklichen Situation, unser Zuhause noch zu haben. Die Leute müssen komplett bei Null anfangen. Das ist eine ganz andere Hausnummer.“

Einen weiteren Container für die Trainingssachen aufzustellen, hat der TuS Sulingen bislang vermieden. „Ich möchte hier nicht zu viel unbeaufsichtigt stehen haben“, erklärt Teammanager Neumann. Die Angst, es könne noch einen dritten Brandanschlag geben, ist allgegenwärtig. „Die Täter sind zwar ermittelt, aber die laufen ja frei rum“, sagt der Geschäftsmann.

Vereinspräsident Wall ist indes guten Mutes, „dass wir unsere – wenn auch nur provisorischen – Vorhaben so schnell wie möglich umsetzen können. Wir haben mit den Handballern gesprochen, und die sind wirklich sehr kooperativ. Das ist echt toll, denn sie müssen ja einige Abstriche hinnehmen.“

Wie sich dann alles entwickelt, werde man erst sehen, wenn es richtig losgeht, alle Teams im Spielbetrieb sind. „Wir haben ja gar keine Erfahrung, wie viele Mannschaften dann auf einen Schlag in die Edenhalle müssen. Das wird manchmal sicherlich ein richtiges Gedrängel. Aber da müssen wir gemeinsam durch“, fordert Wall.

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