Startnummer 15

Michael Wessel: Verlässlich, vorbildlich fair und unverletzlich

+
Startnummer 15: Michael Wessel

Rehden - Nach einer Hinrunde zum Abhaken saßen die Fußballer des BSV Rehden lange zusammen. „Und da“, erinnert sich Michael Wessel an jenen Abend im Dezember 2014, „haben wir den Grundstein für die Aufholjagd gelegt: Wir haben uns gesagt, dass wir uns alle richtig zusammenreißen müssen, wenn wir das kleine Wunder schaffen wollen.“ Und es hat geklappt!

Zwischen Februar und Mai 2015 gewann der zunächst akut abstiegsbedrohte Regionalligist acht von 14 Spielen und holte fünf Unentschieden. Wie bisher seit Sommer 2011 war Wessel stets mit dabei, fast immer in der Startelf. Der Innenverteidiger verhalf Rehden zu Rückrunden-Platz drei und zur drittbesten Abwehr der zweiten Saisonhälfte. Und kam ohne eine einzige Gelbe Karte aus.

Keine Verwarnung für einen Viertliga-Defensivmann in einer kompletten Serie – phänomenal. „Wahrscheinlich bin ich noch schnell genug, um Ball und Gegner ablaufen zu können, ohne die Grätsche auspacken zu müssen“, versucht sich der 28-Jährige an einer Erklärung. „Und mit Meckern oder Disziplinlosigkeiten hatte ich sowieso nie zu kämpfen. Vielleicht liegt das an meinem westfälischen Temperament“, vermutet der in Stemwede aufgewachsene 1,93-Meter-Mann grinsend.

Ein kleiner Makel in der Rubrik „Karten“ aus der Vorsaison ärgert ihn aber doch: Der Platzverweis gegen Cloppenburg, sein erster in seiner Rehdener Zeit, „war eine Fehlentscheidung!“ Zwar bestreitet er nicht, jedes Mal „mit 100 Prozent“ in die Zweikämpfe zu gehen. „Aber ich habe den Gegner sauber vom Ball getrennt.“ Offenbar sah es das Sportgericht nach Ansicht des Videomaterials ähnlich – und sperrte Wessel nur für ein statt wie üblich zwei oder drei Spiele.

Ansonsten stand der Abwehrrecke immer parat – täglich in jedem Training, wöchentlich in jedem Spiel. Verletzungen? Fehlanzeige! „Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht an den guten Genen“, sagt er mit Blick auf Vater Karl-Friedrich, Ex-Bundesliga-Profi von Werder Bremen sowie Zweitliga-Stammkraft beim VfL Osnabrück, und Mutter Karin, einst erfolgreiche Leichtathletin. „Sie hat mich als Kind auch zur Leichtathletik mitgeschleppt. Das habe ich ziemlich lange gemacht. Das hat den Körper wohl ganz gut aufgebaut.“

Trotz dieser permanenten Verfügbarkeit und imposanten Konstanz mit mehr als 100 Regionalliga-Spielen in vier Jahren fand sich Wessel Anfang 2015 auf der Bank wieder – beim 2:1 gegen FT Braunschweig. „Ein komisches Gefühl. Natürlich hatte der Trainer mit mir vorher gesprochen – aber als Spieler verstehst du das ja eh nie…“

Wessel motzte nicht, sondern biss sich auch unter diesem damals neuen Alexander Kiene durch, der wenig später schon die „große Seriosität“ des Innenverteidigers lobte. Fortan spielte er Woche für Woche 90 Minuten durch – wie unter Kienes Vorgängern Daniel Gunkel, Andreas Petersen, Björn Wnuck, Predrag Uzelac und – zu Beginn seiner Rehdener Zeit ab Sommer 2011 – Jürgen Stoffregen. „So viele Trainer – das ist natürlich ungewöhnlich“, räumt der zusammen mit Viktor Pekrul dienstälteste BSV-Akteur ein. Bei seinem vorherigen Club, Preußen Espelkamp, „hatte ich in all den Jahren nur einen!“ Doch der Linksfuß machte aus dieser Fluktuation das Beste – auch, als er im Herbst unter Interimscoach Franz Gerber auch mal den Linksverteidiger geben musste: „Man fängt eben unter jedem neuen Trainer bei null an und darf nicht nachlassen. Klar ist das anstrengend. Aber ich hatte

„Auch Abstiegskampf kann Spaß machen“

auch Glück. Stoffregen hat mich spielen lassen, obwohl ich jung war und aus der Landesliga Westfalen in die Oberliga Niedersachsen kam.“ Wessel zahlte zurück, trug im ersten Jahr einen großen Teil zum Regionalliga-Aufstieg bei und behauptete sich. Zu seinen weiteren schönen BSV-Momenten zählten zweifellos das DFB-Pokal-Spiel gegen seinen Lieblings-Club FC Bayern („ein Traum“) – und die sagenhafte Rückrunde 2015. „Da habe ich gemerkt, dass Abstiegskampf auch Spaß machen kann.“

Rehden kam als Elfter ins Ziel, die Anstrengungen hatten sich gelohnt. „Als es mal nicht so lief, kam man schon ins Grübeln, ob sich der Aufwand noch lohnt“, gibt der in Lübbecke angestellte Logistik-Sachbearbeiter zu, „und ohne den Rückhalt meiner Freundin Maree wäre das kaum machbar.“ Die begleitet ihn oft zu den Heimspielen und wartet im 45 Kilometer entfernten Bad Holzhausen nach dem täglichen Training. Und sie scheint sich damit abgefunden zu haben, dass Michael Wessel keinerlei Wechselgedanken hegt.

ck

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Familienurlaub in Grächen: Abfahrt mit dem Weltmeister

Familienurlaub in Grächen: Abfahrt mit dem Weltmeister

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Meistgelesene Artikel

Langläufer Sebastian Kohlwes verlässt Hansa Stuhr

Langläufer Sebastian Kohlwes verlässt Hansa Stuhr

Oliver Sebrantke und Jan Neubauer auf Hawaii vor Rennen ihres Lebens

Oliver Sebrantke und Jan Neubauer auf Hawaii vor Rennen ihres Lebens

Melchiorshausen verspielt in Überzahl 1:0-Führung

Melchiorshausen verspielt in Überzahl 1:0-Führung

Kreisliga: Mörsen demütigt Lahausen

Kreisliga: Mörsen demütigt Lahausen

Kommentare