Henze fürchtet Absteiger-Flut ab 2021

Saisonabbruch bei Fußballern in Niedersachsen fast fix: „Die Probleme kommen noch“

Viel Arbeit investiert, lange gewartet – und jetzt fast am Ziel: Wetschens Trainer Thomas Otte konnte sich über den fast sicheren Landesliga-Aufstieg durch den sich anbahnenden Verbands-Beschluss nicht überschwänglich freuen. „Aber wir stehen auf Platz eins – und dann gehen wir die Sache auch an“, sagt der Coach des Bezirksliga-Ersten.

Landkreis - Die Fortsetzung der aktuell nur unterbrochenen Fußballsaison in Niedersachsen ist seit Mittwochabend endgültig vom Tisch. „Dieses Thema haben wir ad acta gelegt“, bestätigte der Diepholzer Fußballkreis-Vorsitzende Andreas Henze nach der Online-Sitzung des Verbandsvorstands, an der er mit den 32 anderen Kreisverbands-Chefs und den Präsidiumsmitgliedern teilnahm.

Nicht einstimmig, aber laut Henze mit „sehr deutlicher Mehrheit“ einigten sich die Funktionäre darauf, während des außerordentlichen Verbandstags am 27. Juni für einen Abbruch der Saison mit Aufsteigern, aber ohne Absteiger zu plädieren. Diejenigen Teams mit dem jeweils besten Quotienten (Anzahl der Punkte geteilt durch absolvierte Spiele) steigen dann ebenso auf wie diejenigen Verfolger, die nach dieser Rechnung auf einem Relegationsplatz stehen.

Dass die Mehrheit der voraussichtlich 324 Delegierten beim Verbandstag dieser Variante zustimmt, scheint in Henzes Augen ziemlich sicher. Eine Dreiviertelmehrheit braucht es dafür nicht mehr, denn für den am weitesten reichenden Antrag, eine komplette Annullierung der Saison, würden schon 50,1 Prozent genügen. Populärer dürfte unter den Stimmberechtigten aber die Option der Teil-Wertung mit Aufsteigern sein.

Die Landesliga Hannover bestünde dann aus zwei Diepholzer Clubs – neben dem dort etablierten TuS Sulingen kehrt nämlich Bezirksliga-Spitzenreiter TSV Wetschen nach dreijähriger Abstinenz in die sechsthöchste Klasse zurück. Trainer Thomas Otte nahm diese Nachricht allerdings recht gefasst auf: „Zuerst muss ja noch der Verbandstag entscheiden. Aber wir stehen jetzt eben auf Platz eins – und dann gehen wir die Sache auch an.“ Die Euphorie des Noch-Coaches, der zur neuen Serie zum Sportlichen Leiter aufrückt, hält sich angesichts des Mehraufwands in der dann auf 19 Teams aufgestockten Liga in Grenzen: „Das bedeutet wieder einige Wochenspieltage mit vielleicht Anstoßzeiten um 19.00 Uhr im Kreis Hildesheim. Sportlich wäre es eine natürlich schöne Herausforderung, aber es ist mit viel mehr Arbeit für die Jungs verbunden.“ Der Vorstand habe bereits signalisiert, den Weg nach oben mitzugehen, aus der Mannschaft konnte Otte hingegen noch kein Meinungsbild in puncto Landesliga abfragen. Erst kommende Woche nehmen die Wetscher nach der Corona-bedingten Zwangspause wieder das Training auf. „Ich denke aber nicht, dass jetzt plötzlich die Hälfte der Spieler sagt: Wenn wir aufsteigen, bin ich weg“, schätzt Otte. Und er verspricht: „Wir werden das Unternehmen Landesliga nicht so blauäugig angehen wie beim letzten Mal.“

Wetschens Verfolger FC Sulingen würde in der Endabrechnung laut Quotientenregelung nun am Bezirksliga-Zweiten SV Heiligenfelde vorbei ziehen, die Vizemeisterschaft bringt den Nordsulingern aber nach augenblicklichem Stand der Dinge nichts: Eine Relegation sieht die Ausschreibung nur bei einer Unterschreitung der Sollzahl an Landesligisten vor. Und da auch dort niemand absteigt, rücken nur die vier Bezirksliga-Meister auf.

Die Kreisliga Diepholz darf hingegen zwei weitere Vertreter in die Bezirksliga entsenden – neben der schon länger enteilten TSG Seckenhausen-Fahrenhorst auch Verfolger SV Bruchhausen-Vilsen. So sieht es sowohl mit als auch ohne Quotientenregelung aus.

Aus der 1. Kreisklasse dürfen sich künftig Tabellenführer TSV Barrien und der Zweite TSV Brockum Kreisligist nennen. Während es in der Kreisliga dadurch bei 16 Teams bleibt, wächst die 1. Kreisklasse in der neuen Serie auf 18 Konkurrenten an – weil aus der 2. Kreisklasse Nord (Primus TSV Schwarme und Zweiter TSV Bassum II) und Süd (Spitzenreiter TSV Mellinghausen und Verfolger SG Diepholz II) insgesamt vier Vereine aufsteigen dürfen. „Mannschaften aus dieser Liga haben künftig mit den größten Mehraufwand“, weiß auch Henze. Eventuell könnte der Kreis dort wieder zu zwei Staffeln zurückkehren, „aber das muss der Spielausschuss entscheiden.“

Insgesamt seien bis hinauf zur Oberliga noch viele Fragen offen – allen voran die, wann überhaupt wieder gespielt werden dürfe. „Der Verband behält sich daher vor, Regelungen mit einer einfachen Runde ohne Rückspiele oder Staffel-Teilungen vorzunehmen“, schildert Henze. Ohnehin bliebe das Gros der Arbeit in den Spielausschüssen des Verbands, der Bezirke und der Kreise hängen, bedauert der Bassumer seine ehrenamtlichen Kollegen. Doch er weiß: „Für uns kommen die richtigen Probleme nicht unbedingt in der neuen Saison, sondern in den Jahren danach.“ Denn die Masse der Aufsteiger bedeute bei der vom NFV angestrebten Rückkehr zur Normalität ab 2021 zwangsläufig mehr Absteiger: Bei der nun angedachten Aufstockung der Bezirksliga auf 20 Mannschaften drohen den Diepholzern im nächsten Sommer vier bis fünf Absteiger, wenn es wieder zu einer 16er-Staffel kommen soll.

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