Junge Talente mittendrin in Werder-Welt

Louis, Tom und Noah: Drei Gesseler und der große Traum von der Profi-Karriere

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Ein Traum der drei Gesseler Talente: Tom Köppener, Louis Lord und Noah Wallenßus (von links) auf dem Rasen des Bremer Weserstadions – hier würden sie irgendwann allzu gerne für Werder spielen.

Es ist ein bisschen was los am verabredeten Treffpunkt. Vor dem Eingang unter der Ostkurve, direkt neben der Fanwelt des Weserstadions, haben sich ein paar überwiegend ältere Herrschaften eingefunden und warten, dass ihre Führung durch die Heimspielstätte von Werder Bremen beginnt. Als dann an diesem regnerischen und dunklen Nachmittag nacheinander Noah Wallenßus, Louis Lord und Tom Köppener eintrudeln, gucken die Besucher neugierig.

Gessel/Bremen – Erkannt haben sie die drei Talente aus dem Bremer Nachwuchsbereich vermutlich nicht – aber das kann ja noch kommen. Die Jungs aus Syke-Gessel arbeiten zumindest mit viel Eifer darauf hin. Sie schlendern an der Gruppe vorbei, steuern einen der Interviewräume in der Mixedzone an, lassen sich auf die bequemen und recht neuen grauen Sessel plumpsen – und sprechen, nach einer kurzen Fotosession auf dem Rasen des Stadions, über ihre große Leidenschaft: Fußball. Für Köppener und Wallenßus ist es der erste Pressetermin bei Werder Bremen überhaupt, Lord ist ein wenig erfahrener. 

„Mein Vater sagt, dass ich viel mehr Talent habe als er.“ Noah Wallenßus

Für alle Drei gilt: Sie wirken ehrgeizig, aber nicht überdreht, selbstbewusst, aber nicht überheblich. Wallenßus ist Stürmer in der U15 und mit etwa 1,90 Meter schon ein ziemlicher Hüne. Er besucht die neunte Klasse des Gymnasiums Links der Weser in Bremen-Obervieland – eine Partnerschule von Werder Bremen. Von dort kam der 14-Jährige, der neben Werder auch noch Sympathien für Borussia Dortmund hegt und Robert-Lewandowski-Fan ist („Der beste Stürmer der Welt“), direkt zum Stadion. 

„Tom entwickelt sich bei uns kontinuierlich weiter. Er ist auf einem sehr guten Weg.“ U17-Trainer Christian Brand über Tom Köppener.

Torwart Lord und Mittelstürmer Köppener, beide ähnlich groß gewachsen und Stammkräfte in der U17, waren diesmal bei der Fahrgemeinschaft aus Gessel – gibt es wegen der inzwischen etwas individuelleren Trainingssteuerung nicht mehr so oft – nur zu zweit. „Wenn wir zusammen fahren, ist die Stimmung immer ganz witzig“, findet Lord. Wer den Fahrservice übernimmt, klären meistens die Mütter. „Sie haben da eine WhatsApp-Gruppe“, erzählt Teamkollege Köppener. 

Alle begannen beim FC Gessel-Leerßen

Die Eltern der drei Jung-Werderaner (insgesamt spielen aktuell knapp 200 Talente in den zwölf Bremer Nachwuchsteams von der U8 bis zur U23) kennen sich schon lange. Ihre Söhne waren alle im Kindergarten „Gesseler Feldmäuse“ und begannen alle beim FC Gessel-Leerßen mit dem Fußballspielen. „Noah hat damals schon bei uns mitgespielt“, erinnert sich der zwei Jahre ältere Lord und fügt mit einem Schmunzeln an: „Er ist ja offenbar relativ talentiert.“ Gleiches gilt natürlich auch für die anderen zwei Gesseler. Insgesamt lässt sich sagen, dass der sportliche Weg des Trios vorgezeichnet war – ein bisschen zumindest.

„In Gessel war es früher meistens so: Ich habe den Ball gehalten und lang nach vorne gehauen – dort hat ihn Tom meistens versenkt. Jetzt funktioniert es leider nicht mehr so häufig.“ Louis Lord mit einem Schmunzeln über das Zusammenspiel mit Tom Köppener

Köppeners Vater Oliver spielte einst in der Jugend auch mal bei Werder Bremen, ehe ihn eine schwere Knieverletzung ausbremste und er nicht mehr richtig herankam. „Damals gab es noch die Position Libero, da hat er, so hörte ich, ordentlich abgeräumt“, berichtet Köppener. Ob sein Vater besser war als er? Der 16-Jährige lacht: „Das kann ich nicht beurteilen. Er sagt zumindest, dass ich auf jeden Fall den größeren Ehrgeiz habe.“ Wallenßus’ Vater Ralf war ebenfalls ein aktiver Fußballer. „Er war auch in der Landesauswahl und hätte in ein Leistungszentrum wechseln können – aber es kam nicht dazu“, sagt Sohn Noah. Dass Lord mal Torwart bei Werder wird, musste fast so kommen: „Meine Eltern haben sich 1999 beim Pokalfinale zwischen Werder und Bayern im Stadion kennengelernt.“ 

„Noah ist sehr talentiert – zudem charakterlich top und unheimlich lernwillig. Ich bin froh, dass er bei uns ist und sicher, dass wir noch einiges von ihm erwarten können.“ U15-Trainer Markus Fila über Noah Wallenßus

Und: Seine Mutter war mal Torhüterin (wenn auch beim Handball). Der junge Lord, der auch für die deutsche U 17 zwischen den Pfosten stehen darf, hat bereits erste Erfahrungen bei den Profis („alle meganett“) gemacht. Coach Florian Kohfeldt ließ ihn kürzlich zweimal mittrainieren. „Vorher war das alles ungreifbar, ich habe die Profis fast nur im im TV gesehen. Nun kenne ich sie ein bisschen, das macht alles noch familiärer.“ Lords Eindruck von den ersten Einheiten: „Es ist alles schneller als bei uns. Wenn mal so ein Philipp Bargfrede draufhaut, hat das eine ganz andere Wucht.“ Dass er gerne bald wiederkommen und irgendwann auch Profi werden würde, ist klar. „Das erträumt sich doch jeder“, meint Lord: „Wenn man bei Werder spielt, hat man diese Perspektive im Kopf.“ 

„Louis ist ein absoluter Rückhalt für uns. Für sein Alter ist er bereits sehr weit und stärkt die Mannschaft ungemein.“ U 17-Trainer Christian Brand über Louis Lord.

Auch die anderen beiden träumen von einer Profikarriere. „Wenn man hier die Chance bekommt, muss man alles dafür tun“, findet Köppener. „Ich möchte möglichst lange im Verein bleiben und irgendwann den Sprung schaffen“, ergänzt Wallenßus, der zur neuen Saison einen Fördervertrag bis zur U 17 (einschließlich) bekommen wird, den Lord und Köppener bereits haben. Alle Drei sind bereit, auf dem Weg zu ihrem großen fußballerischen Ziel auch weiterhin viel zu investieren. Nach der Schule geht es für die Gesseler beinahe täglich zum Training, meistens sind sie erst gegen 20.00 Uhr wieder zu Hause. 

„Wenn man durch den Spielertunnel geht und das Weserstadion vor sich sieht: Das ist schon sehr beeindruckend.“ Tom Köppener

„Der Alltag ist stressig“, urteilt Köppener, der – genau wie Lord – die zehnte Klasse des Syker Gymnasiums besucht und in Schulmannschaften auch mal gegen ihn spielt. „Aber wir haben alle großen Spaß am Fußball“, betont Lord: „Deshalb empfinde ich es nicht als Belastung. Ich gehe immer mit einem Strahlen auf den Platz – und denke, die anderen auch.“ Köppener und Wallenßus nicken.

Zur Person: Tom Köppener 

Alter: 16 Jahre 

Position: Stürmer 

Bei Werder seit: Januar 2017 

Team: U 17, Bundesliga Nord/Nordost (seit Saisonbeginn)

Saisonstatistik: 14 Spiele – neun Tore 

Aktuelle Platzierung: Dritter (32 Punkte – ein Spiel weniger als Spitzenreiter Hamburger SV/35) 

Bisherige Vereine: FC Gessel-Leerßen, TuS Sudweyhe

Zur Person: Noah Wallenßus 

Alter: 14 Jahre

Position: Stürmer

Bei Werder seit: 2018/2019 

Team: U 15, Regionalliga Nord (seit Saisonbeginn) 

Saisonstatistik: Zwölf Spiele – sechs Tore 

Aktuelle Platzierung: Erster (34 Punkte – genau wie der ärgste Verfolger VfL Wolfsburg) 

Bisherige Vereine: FC Gessel-Leerßen, TuS Sudweyhe

Zur Person: Louis Lord

Alter: 16 Jahre

Position: Torwart

Bei Werder seit: 2015/2016 

Team: U 17, Bundesliga Nord/Nordost (seit Saisonbeginn) Saisonstatistik: 13 Spiele – 14 Gegentore, siebenmal zu Null 

Aktuelle Platzierung: Dritter (32 Punkte – ein Spiel weniger als Spitzenreiter Hamburger SV/35) 

Bisherige Vereine: FC Gessel-Leerßen, TV Stuhr

Interview mit Björn Schierenbeck von Werder Bremen

„Wir schicken niemanden nach einem Jahr weg“

Ab welchem Alter startet Werder im Jugendbereich mit dem Scouting? 

Wir haben einen Sichtungskader für die U 9, von der U 10 bis zur U 13 gibt es in jedem Jahrgang unter anderem ein Talent-Team. Das bedeutet, die Spieler bleiben zunächst in ihren Heimatvereinen, kommen aber alle vier bis sechs Wochen zu uns und nehmen etwa an Turnieren teil. Dort sammeln wir Eindrücke. Die Sichtung kann zwei, drei Jahre dauern, ehe eine Entscheidung fällt. Ab der U 14 zählen ausgewählte Spieler als Perspektivspieler zum Kader. 

Worauf wird geachtet? 

In den jüngeren Jährgängen zum Beispiel auf Bewegungstalent, Spielintelligenz, Schnelligkeit und technische Grundvoraussetzungen. Da kommen viele Dinge zusammen.

Wer entscheidet, ob ein Talent verpflichtet wird? 

Mindestens vier Personen. Der aufnehmende Trainer, der Trainer des nächsthöheren Jahrgangs, ein Scout (Werder hat 20 für den Junioren- und Seniorenbereich, je zehn in Voll- und Teilzeit, d. Red.) und der Sportliche Leiter für den jeweiligen Bereich. 

Was bietet Werder – außer der Chance, sich bestmöglich sportlich zu entwickeln? 

Ab der U 13 haben wir einen Fahrservice, um die Eltern zu entlasten. Zudem garantieren wir, dass Spieler zwei Jahre bleiben dürfen. Wir schicken niemanden aus sportlichen Gründen nach nur einem Jahr weg. 

In welchen Jahrgängen liegt der Scouting-Schwerpunkt? 

Wir versuchen, schon vor der U 16 ein Gerüst für die Zukunft aufzubauen. Man kann sagen: Wer bei uns die Hürde U 15 genommen hat, besitzt gute Perspektiven. 

Wie groß ist der Radius bei der Sichtung? 

Mit zunehmendem Alter wird er größer. Von der U 9 bis zur U 11 eher regional, ab der U14, U 15 haben wir die Möglichkeit, Spieler in Gastfamilien oder in unserem Internat unterzubringen, wo aktuell 21 Spieler wohnen. Ab der B-Jugend schauen wir national und auch europaweit. 

Welche Voraussetzungen muss ein Jugendspieler erfüllen? 

Die sind festgelegt und auf unserer Internetseite nachzulesen. Er sollte etwa zum Kreis einer regionalen Auswahlmannschaft gehören. 

Was braucht man, um es zu den Profis zu schaffen? 

Ganz viel Fleiß, Disziplin, Talent und auch ein Quäntchen Glück. Es ist ein steiniger Weg.

Zur Person

Ex-Profi Björn Schierenbeck (45/16 Bundesliga-Spiele für Werder Bremen), der beim TSV Leeste mit dem Fußball begann, ist seit 2013 Direktor des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) von Werder Bremen.

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