Kampf gegen Corona:

Plexiglas, Plastikstühle, Personal: Fußballclubs setzen Hygienekonzepte vielversprechend um

Masken aufsetzen und Abstand halten: Diese Gebote der Stunde zählen auch beim Fußballausflug im Landkreis.
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Masken aufsetzen und Abstand halten: Diese Gebote der Stunde zählen auch beim Fußballausflug im Landkreis.

Landkreis – Diepholz - Und schon ist fast die Hälfte der Hinrunde in den Corona-Ligen geschafft! Zeit für ein Zwischenfazit von den Fußballplätzen aus den größtenteils auf zwei Staffeln verteilten Ligen. Wie gehen die Clubs mit den Hygienevorschriften um? Wo setzen sie die Schwerpunkte, welcher personelle Aufwand steckt dahinter?

BSV Rehden

„Und auch die Presse trägt sich hier bitteschön ein“, schallt es dem Berichterstatter entgegen, noch ehe er den Gang zwischen den beiden Kassen der Waldsportstätten durchschritten hat. Der Chronist kann die barsche Aufforderung zum Ausfüllen des Zettels mit den Kontaktdaten richtig einordnen, es hat sich ein humoriger Unterton dazwischen gemischt – und es muss eben sein. Aber die Anspannung der Gastgeber ist ebenfalls unüberhörbar. Verständlich, denn als Regionalligist richten sich viele Augen auf den BSV – auch vom Norddeutschen Fußball-Verband.

Doch die Mühen der Schwarz-Weißen, das Hygienekonzept zu befolgen, sind überall sichtbar: deutlich mehr Ordner am Einlass und den Aufgängen zu den Tribünen; Wer keinen festen Sitzplatz mehr ergattert hat, bekommt ein Sitzkissen und muss sich auf den Stufen der Stehplatzbereiche niederlassen. Erst dann darf er auch den Mund-Nasen-Schutz abnehmen. Wer trotzdem steht, bekommt schnell Besuch von einem Ordner im gelben Leibchen, der freundlich, aber bestimmt zum Hinsetzen auffordert.

Mit Plexiglasscheiben verkleidete Getränke- und Imbiss-Stände, auch hier wachsame Aufpasser, die den Verzehr der Stadionwurst in unmittelbarer Nähe der Ausgabe schon vor dem ersten Bissen untersagen – viel mehr Vorsorge hätte der Viertligist kaum treffen können.

TSV Wetschen

Für den Landesliga-Aufsteiger kam es gleich am ersten Spieltag dicke – mit dem Derby gegen den TuS Sulingen. Bewährt hatte sich der Vorverkauf, durch den der TSV bereits die Kontaktdaten der Besucher „einsammeln“ konnte. Doch auch für Kurzentschlossene lagen genügend Formulare und Stifte zur einmaligen Verwendung bereit. Das Vereinsheim blieb sicherheitshalber geschlossen, stattdessen durften sich die Fans an verschiedenen, eigens errichteten Buden stärken. Positiv: Größere Gruppen wurden durch extra abgestellte Ordner zu den am besten geeigneten Stellen (ebenfalls allesamt Sitzplätze) mit ausreichend Abstand zu anderen Zuschauern geleitet.

Negativ – zumindest für bequeme Wetscher Fans, die bisher mit dem Auto entlang der Gegengeraden an der Bruchstraße halten und durch die Seitenscheibe gucken konnten: Der TSV hat einen hohen Schutzzaun errichtet und mit Werbung bepflastert. „Schwarzsehen“ ist nun unerwünscht – verständlich. Und das bleibt auch so, wie Phil Schwierking erläutert: „Die Behörden haben uns darauf hingewiesen, dass wir unsere Anlage auch wegen Corona nicht mehr so frei zugänglich lassen sollten“, schildert der TSV-Abwehrspieler, der sich mit weiteren Teamkollegen intensiv um Platzbau und -pflege kümmert.

SG Diepholz

Am Kassenhäuschen des Bezirksligisten empfangen den Gast jetzt deutlich mehr Ordner. Freundlich weisen sie auf das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes hin, gern erklären sie den Weg zu den Reihen der eigens aufgestellten Plastikstühle – beim Derby gegen den TuS Sulingen II nur zwei an einer Stelle, mit der gebotenen Distanz zu den nächsten beiden. Auch hier blieb die Vereins-Gaststätte tabu, am „To-Go-Verkauf“ aus dem Fenster dürfte es nichts zu meckern geben. Ungeplanter Zwischenfall am ersten Spieltag: ein heftiger Platzregen, der die Besucher in Scharen unters Vordach des Clubheims flüchten ließen. Mindestabstand? Fehlanzeige. Schuld hat da aber jeder einzelne Wasserscheue – übrigens auch der Reporter und Schreiber dieser Zeilen. . .

SV Heiligenfelde

Der Bezirksligist hat reichlich Vorräte an bequemen Plastikstühlen. Stapelweise stehen sie in unmittelbarer Nähe des mit Flatterband abtrassierten Eingangs. Rein kommt nur, wer sich einträgt – und eine Sitzgelegenheit mitnimmt. Wer es noch heimeliger mag, darf sich gern den eigenen Regie- oder Anglerstuhl von zu Hause mitbringen. Die eine oder andere Spielerfrau verband das Derby gegen den TSV Bassum da mit einem kleinen Sonnenbad.

Verbesserungswürdig: Die Enge vor dem wohl abwechslungsreichsten Imbiss auf den Plätzen im Kreis. Klar, dass die Schlange lang und die Abstände kurz waren. Und zur Halbzeit mussten da auch noch die Kicker auf dem Weg in die Kabinen kreuzen.

FC Sulingen

Der FC Sulingen gibt sich größte Mühe, um den Anforderungen gerecht zu werden. Natürlich kommt nur der rein, der sich auch in die entsprechende Liste einträgt, was zum Beispiel im Bezirksliga-Match der ersten Herren gegen den SV BE Steimbke von einem netten, älteren Herren kontrolliert wurde. Auch die Zuschauer, die nicht an eine Sitzgelegenheit gedacht hatten, mussten das Areal nicht verlassen. Ihnen wurden Klappstühle aus Holz gereicht, die sie nach der Partie wieder abgeben konnten. Mit Lautsprecherdurchsagen wurde zusätzlich auf den gebotenen Abstand hingewiesen. Der jedoch wurde bei den Bänken für die Ersatzspieler recht „sportlich“ ausgelegt.

Barnstorfer SV

Auch der Spitzenreiter der Kreisliga Staffel Süd hat das Hygienekonzept umgesetzt. Jeder Zuschauer muss sich in eine Liste eintragen, erhält gegen einen Pfand von zwei Euro einen Stuhl. Desinfektionsmittel für die Hände steht auch zur Verfügung. „Wir haben für die Mannschaften einen getrennten Duschraum, und der Gegner hat eine eigene Toilette. Nach dem Spiel gehen erst die Spieler und das Schiedsrichter-Team in einer Schleuse vom Platz. Die Zuschauer müssen warten. Wichtig ist dabei, dass der nötige Abstand gewahrt wird“, erläuterte Detlef Gehrke, stellvertretender Vorsitzender des Barnstorfer SV, am Rande der Partie gegen den SV Dickel. Nur im Tribünen-Bereich gab´s am Sonntag einen Verkaufsstand.

Brinkumer SV

Die Brinkumer haben es recht leicht mit der Umsetzung der Hygiene- und Abstandsregelungen. Am Eingang zwischen Haupt- und Kunstrasenplatz ist eine Station mit Desinfektionsmitteln und Listen zum Eintragen aufgebaut, die auch noch als Kassierer-Standort genutzt wird.

Mit der Abstandsregelung hat Brinkum deshalb so wenig Probleme, weil sich die meist überschaubare Anzahl von Besuchern eines Bremen-Liga-Spiels sehr schön auf die vor vielen Jahren installierten Schalensitze verteilen lässt. In „grauer Vorzeit“ konnte Brinkumes Förderer Dieter Burdenski diese Sitze mal beim SV Werder loseisen, weil sie dort auf Platz 11 nicht mehr benötigt wurden.

TSV Melchiorshausen

Spartenleiter Heiner Böttcher geht die Problematik eher gelassen an: „Bei uns kommen in der Regel ja nicht so viele Zuschauer. Deshalb ist es auf dem Platz auch kein großes Problem, die Abstände zu wahren. Allerdings muss ich sagen, dass es im Bremer Verband leider keine generellen Bestimmungen gibt, wo sich jeder dran halten kann.“

Spezielle Maßnahmen hat der Club dennoch getroffen. So gibt es zum Beispiel einen separaten Ein- und Ausgang. Bei der Bude von Heinz Lange geht’s rein und an der neuen Sporthalle wieder raus. Alles gekennzeichnet mit Schildern. Das Aufnehmen der Kontaktdaten erfolgt natürlich auch.  ck/töb/mbo

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