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„Falsche Neun“: Can Ercan verhilft Brinkumer SV zu spielerischer Dominanz

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Von: Felix Schlickmann

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Can Ercan (Mitte)
Seinen besten Auftritt in der für Can Ercan bisher kurzen Rückrunde zeigte der zuletzt häufig verletzte Brinkumer gegen Arsten. © Schlickmann

An Virgil van Dijk und Roberto Firmino fühlt sich Brinkums Trainer Mike Gabel bei der Spielweise zwei seiner Fußballer erinnert. Wer das ist, verrät der Coach des Bremen-Ligisten vor dem Heimspiel gegen die BTS Neustadt am Sonntag (10.4.).

Brinkum – Irgendwas war anders an diesem Dienstagabend am Brunnenweg. Irgendwie lief der Ball wieder wesentlich besser beim Brinkumer SV in diesen ersten 45 Minuten als in den ersten Halbzeiten der vorherigen Spiele. Zwar stand es auch gegen Bremen-Liga-Konkurrent TuS Komet Arsten „nur“ 1:0 – aber es hätten mehr Tore sein können, sein müssen.

Doch was war der Grund für den spielerisch exzellenten Auftritt? Die Antwort könnte lauten: Can Ercan. Der technisch feine Fußballer, von den Anlagen her ein klassischer Zehner, spielte im Angriffszentrum. Er gab allerdings keinesfalls einen klassischen Mittelstürmer. Vielmehr intepretierte Ercan die Rolle wie von Coach Mike Gabel vorgegeben als „falsche Neun“ – und verhalf seinem BSV so zu diesem fußballerischen Übergewicht. Für Gabel zweifelsohne eine wichtige Erkenntnis mit Blick auf die kommenden Wochen – beginnend mit dem Heimspiel gegen die BTS Neustadt (Sonntag/14.00 Uhr).

BSV-Coach Gabel orientiert sich am Liverpooler Spielstil

Die Spielanlage erinnerte stark an den FC Liverpool. „Falsche Neun“, zwei blitzschnelle Flügelstürmer, ein technisch gutes Zentrum, aggressives Gegenpressing, sogar BSV-Abwehrchef Esin Demirkapi hat – dem Niveau entsprechend angepasst – tatsächlich etwas von Virgil van Dijk. „Die beiden haben sogar die gleiche Frisur“, erkennt Gabel grinsend. Und tatsächlich verrät er auch, dass seine Idee auf der Meistersaison 2019/20 der von Jürgen Klopp trainierten „Reds“ basiert. „Ich habe geschaut, wie sie gewisse Situationen lösen“, sagt der Brinkumer Trainer: „Ich orientiere mich daran.“

Und der Schlüsselspieler heißt eben – gerade in den Ballbesitzpassagen – Ercan. „Er spielt das ein bisschen anders als Bo (Wang, d. Red.) und (Oriyama) Nao“, meint Gabel über die beiden eher klassischen Stürmer. Das Problem über weite Strecken der Saison: Ein Innenbandriss setzte Ercan außer Gefecht, und als er sich in der Rückrunde wieder in die Mannschaft spielen wollte, kam eine Zerrung dazwischen. Bei Yassin Bekjar, der „alternativen falsche Neun“ (Gabel) war der Ablauf mit Oberschenkelproblemen und Corona ganz ähnlich.

Can Ercan in der „Roberto-Firmino-Rolle“

Nun sind beide wieder fit, und während Bekjar auf dem Flügel überzeugt, glänzte Ercan im ersten Versuch seit Monaten in der „Roberto-Firmino-Rolle“, wie es Gabel formuliert. „Die Position kommt mir entgegen, ich kann dort auf Außen ausweichen“, erzählt Ercan, der „am liebsten auf der Zehn“ spielt. Diese Position gibt es in Gabels 4-3-3 aber nun mal nicht, die „falsche Neun“ passe daher in dieser Formation „am besten“ zu Ercan.

Die Alternative wäre eine der beiden Achten, dort allerdings „bist du immer auf einer Seite gebunden“, erklärt der Student des Bauingenieurwesens: „Ich mache das aber gerne, wenn ich da benötigt werde.“

Gegen Neustadt könnte es so sein, Xiancheng Li fehlt schließlich gelb-gesperrt, Hyoungbin Park ist privat verhindert, und Kevin Artmann hat sich gegen Arsten einen Meniskusanriss zugezogen. „Das muss operiert werden“, berichtet Gabel, beim spielenden Co-Trainer deutete alles auf „das Saisonaus“ hin.

Verletzungen an den Bändern sind eigentlich schlimmer als Brüche. Du hast immer diese Angst und fragst dich: Wie verhalte ich mich im Zweikampf?

Can Ercan, zuletzt häufig von Verletzungen geplagter Brinkumer

Um Ercan doch wieder in seiner Paraderolle einsetzen zu können, hätte Gabel noch die Möglichkeit, „Esin nach vorne zu ziehen“, Corona-Rückkehrer Claas Bauer könnte innen übernehmen. Abwehrpartner Eugen Uschpol ist allerdings ebenfalls gelb-gesperrt.

„Ich denke, Mike wird da wie immer ein bisschen nach dem Gegner aufstellen“, glaubt Ercan mit Blick auf die beiden Ansätze in der vorderen Zentrale. Das sei aber auch das einzige, was sich an Neustadt orientiert. „Wenn wir unser Ding durchziehen, ist der Gegner egal“, weiß der Offensivspieler.

Gabel lässt „die Jungs in allen möglichen Situationen aufs Tor ballern“

Gabel warnt trotzdem gerne. „BTS macht sehr gute Arbeit“, lobt er – und spricht dann doch wieder lieber über seine Mannschaft. „Wir werden im Training an den Defiziten arbeiten“, kündigt der Coach an – und meint damit natürlich die Chancenverwertung: „Ich lasse die Jungs in allen möglichen Situationen aufs Tor ballern.“

Auch Ercan sieht dort den Schlüssel zum Erfolg. „Wir haben gesehen, dass es spielerisch viel besser war“, sagt er über den Dienstag und dann mit Blick auf Sonntag: „Die Frage ist nur, wie wir es vor dem Tor machen.“

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