„Für mich gehört der Zylinder zum Frack“

Dressurreiter zwiegespalten über neue Helmpflicht

Sie nimmt die neue Vorschrift pragmatisch: Ina Thalmann vom RV Heiligenfelde bevorzugte bisher in S-Dressuren einen Zylinder zum Frack.
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Sie nimmt die neue Vorschrift pragmatisch: Ina Thalmann vom RV Heiligenfelde bevorzugte bisher in S-Dressuren einen Zylinder zum Frack.
  • Der Zylinder hat ausgedient: Seit Jahresbeginn müssen auch erwachsene Dressurreiter einen Helm tragen.
  • Die Aktiven aus dem Kreis Diepholz denken unterschiedlich über die Vorschrift.
  • Eine Befürworterin erinnert an die Vorbildfunktion für die Jugend.

Diepholz – Bislang durften erwachsene Dressurreiter selbst entscheiden, ob sie in Prüfungen der Klasse S eine Reitkappe oder einen Zylinder tragen. Damit ist jetzt aus Sicherheitsgründen Schluss. Die FEI (Federation Equestre Internationale) hat zum 1. Januar eine Helmpflicht auf internationalen Turnieren eingeführt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) übernahm dies für nationale Wettbewerbe in ihrem Reglement.

Die Entscheidung der FEI hat bei den Aktiven zu einem unterschiedlichen Echo geführt.

Ein Freund der Wahlfreiheit: Jan-Dirk Gießelmann, bekanntester und erfolgreichster Dressurreiter im Kreis Diepholz, wählt manchmal den Helm und manchmal den Zylinder.

Der erfolgreichste Dressurreiter im Kreis Diepholz, Jan-Dirk Gießelmann aus Barver, hätte gern die Wahlfreiheit behalten. Der 37-jährige Pferdewirtschaftsmeister war auf Turnieren sowohl mit Helm als auch mit Zylinder anzutreffen. Gerade bei internationalen Veranstaltungen wie dem CHIO Aachen griff er zum Zylinder. „Dass Jugendliche mit Helm reiten, finde ich richtig“, sagt der Pferdesportler vom RV Wagenfeld. „In Grand-Prix-Prüfungen hätte es gern weiter der Zylinder als Alternative sein dürfen“, betont Gießelmann und ergänzt: „Ich gehe nicht davon aus, dass dort jemand stürzt, auch wenn immer etwas passieren kann.“

Kreisvorsitzender Stradtmann wählt längst die sichere Variante

„Auch in den hohen Klassen kann ein Pferd mal bocken oder zur Seite springen“, merkt Uwe Stradtmann an. Die Entscheidung der Dachverbände sei daher sicherlich richtig, urteilt der Vorsitzende des Kreispferdesportverbands Diepholz. Selbst reitet der Bassumer immer mit Kappe. „Früher habe ich schon mal Zylinder oder Melone aufgesetzt. Dass es jetzt immer die Reitkappe ist, hat sich bei mir so ergeben – ohne besonderen Anlass“, erklärt der Dressurreiter vom RFV Diek-Bassum.

Ina Thalmann vom RV Heiligenfelde gibt zu: „Ich bin in den letzten Jahren immer mit Zylinder geritten, weil ich das einfach schicker finde.“ Die neue Helmpflicht nimmt sie pragmatisch. „Damit kann ich auch leben.“ Die Befürworter einer generellen Helmpflicht kann die Ausbilderin und Mitarbeiterin einer Krankenkasse durchaus verstehen: „Es ist vernünftig, dass jetzt alle mit Reitkappe starten“, resümiert sie.

Er steht hinter der Helmpflicht: Uwe Stradtmann reitet immer mit einer Kappe.

Ein großer Zylinderfan in schweren Dressurprüfungen ist Miriam Stradtmann vom RFV Diek-Bassum. „Für mich gehört der Zylinder zum Frack“, betont die Twistringerin: „Ich hätte es gut gefunden, wenn jeder weiter selbst entscheiden kann.“ Schwere Stürze in einer S-Dressur sind ihr nicht bekannt. Wer aus Sicherheitsgründen eine Kappe aufsetzen möchte, dürfe das gern tun. Eine Kappenpflicht nur für die Siegerehrung könnte die 37-Jährige verstehen. Mit dem Verschwinden des Zylinders in den Prüfungen gehe für sie jedoch ein Stück klassisches Reiten und Tradition verloren. „Darüber bin ich sehr traurig“, sagt Miriam Stradtmann.

„Was bringt die Optik, wenn etwas passiert?“

Julia Bolte (Okeler Pferdesportgemeinschaft) kann die Argumente derer, die für eine Wahlfreiheit plädieren, nachvollziehen, aber auch die andere Seite. „Denn was bringt die Optik, wenn etwas passiert?“, fragt die Okelerin, die eine Kappe zum Frack genauso schick findet. Selbst setzt sie inzwischen immer einen Helm auf. „Früher bin ich auch mit Zylinder geritten. Als ich einen neuen hätte kaufen müssen, hatte ich gerade eine neue Kappe angeschafft, weil das in den Jungpferdeprüfungen Pflicht wurde. Zu dem Zeitpunkt habe ich entschieden: Ich mache alles mit Kappe“, berichtet Julia Bolte. „Gut finde ich, dass es jetzt eine einheitliche Lösung für alle gibt“, unterstreicht die Reiterin.

„Der Helm zum Frack ist für mich kein Stilbruch“, erklärt Katrin Eschenhorst (RSG Meeresberg). Bei den Helmen gebe es inzwischen sehr schicke Modelle. Sie selbst reite schon ewig mit Helm. „Nach der Jungpferdezeit habe ich entschieden: Die Kappe bleibt auf.“ Auch im Spitzensport seien die Pferde unterschiedlich. „Ich hatte zuletzt einen echt Frechen“, sagt die Pferdewirtschaftsmeisterin und lacht. Daneben spielt die Vorbildfunktion für die Ausbilderin eine Rolle. „Bei uns in der Reitschule gibt es das gar nicht anders, da reitet das ganze Team mit Kappe, um vor den Schülern mit gutem Beispiel voranzugehen“, unterstreicht die Dressurreiterin aus Ehrenburg-Heideloh.

Isabel Werth gegen die Helmpflicht, Ingrid Klimke dafür

Auf Bundesebene namhafteste Kritikerin einer Helmpflicht in den Vier- und Fünf-Sterne-Prüfungen ist Isabel Werth. Die erfolgreichste Dressurreiterin der Welt hat sich mit mehr als 100 Kollegen in einer Petition an die FEI gewandt. „Uns geht es darum, als erwachsener und erfahrener Dressurreiter die Wahlfreiheit zu haben“, erklärt die Dressurkönigin. Sie habe bis heute nicht davon gehört, dass es im Dressursport in der Grand-Prix-Klasse schon einmal einen schwerwiegenden Unfall gegeben hat.

Es gibt aber auch Aktive, die für eine komplette Helmpflicht sind. Sönke Rothenberger (Bad Homburg) reitet zum Beispiel nur mit Helm, und Vielseitigkeits-Europameisterin Ingrid Klimke (Münster) trägt in der Dressur ebenfalls immer eine Kappe. Im US-Verband ist der Helm schon lange Pflicht, was die WM-Zweite Laura Graves unterstützt. „Das ist, als wenn man den Sicherheitsgurt im Auto anlegt – und das stellt doch auch niemand infrage“, wundert sich Graves.

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