„Ein lupenreiner Hattrick“

Marathon Bremen: Sebrantkes große Jubiläums-Show

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„Das habe ich mir so sehr gewünscht“, sagte der Stuhrer Oliver Sebrantke nach seinem erneuten Triumph in Bremen.

Bremen - Von Malte Rehnert. Gestern Mittag um 12.20 Uhr war er am Ziel seiner Träume. Oliver Sebrantke lächelte erst glücklich und überquerte dann beim elften Bremer Marathon nach 2:35,26 Stunden als Erster die Ziellinie. Anschließend schwärmte der noch ziemlich fit wirkende 39-Jährige: „Das habe ich mir so sehr gewünscht.“

Noch ein bisschen mehr sogar als sonst, denn es war sein insgesamt 50. Rennen über die 42,195 Kilometer. Und bei diesem Jubiläum schaffte der Marathon-Mann vom LC Hansa Stuhr nach 2009, 2011, 2013 und 2014 seinen fünften Bremen-Sieg und den dritten hintereinander. „Ein lupenreiner Hattrick“, grinste Sebrantke und fügte mit hörbarem Stolz in der Stimme an: „Das steht jetzt, das soll mir erst mal einer nachmachen.“

Als Sebrantke, ganz in Schwarz gekleidet und mit orangefarbenen Laufschuhen an den Füßen, die Zielgerade am Marktplatz erreichte, startete er bei 18 Grad und strahlendem Sonnenschein wieder seine große Sieger-Show – ein inzwischen gewohnter Anblick für die Bremer Zuschauer an der Strecke. Er breitete die Arme aus, imitierte ein Flugzeug und legte sich dann hin, um sich die letzten Zentimeter ins Ziel zu rollen. Anschließend lief er ein paar Meter zurück, um sich noch mal feiern zu lassen und dem zweitplatzierten Dennis Klusmann (LAZ Puma Rhein-Sieg/2:37,00) zu applaudieren. Fertig war Sebrantke damit aber noch lange nicht. Er forderte die Menschen auf dem Markplatz auf, sich hinzusetzen. „Ihr wisst, was jetzt kommt“, rief er – und stimmte eine „Humba“ an, bei der dann auch ein wenig die Stimme versagte.

Es wirkte fast so, als wären die Feierlichkeiten für den Bremer Seriensieger anstrengender als der Lauf, den er – mangels ernst zu nehmender internationaler und nationaler Konkurrenz – nach Belieben dominierte. „Ich hatte das Rennen die ganze Zeit unter Kontrolle“, meinte Sebrantke. Etwa nach der Hälfte der Distanz habe er „kurz angezogen“ – und „das reichte schon, um mich abzusetzen. Eigentlich wollte ich das erst bei Kilometer 30 oder 35 machen. Aber es lief so gut, da dachte ich: Dann eben jetzt.“

Bremen macht genauso weiter

Die Verfolger unter den rund 1200 Startern verloren den Stuhrer aus den Augen, hatten einige Kilometer vor dem Ziel bereits über zwei Minuten Rückstand – eine Vorentscheidung zugunsten Sebrantkes, der am Ende dann noch leichte Probleme bekam. „Ich hatte Krämpfe, aber da musste ich eben durch.“ Er konnte angesichts seines großen Vorsprungs sogar etwas Tempo rausnehmen – und lief dennoch nicht Gefahr, noch eingeholt zu werden.

Das schlug sich natürlich auf die Siegerzeit nieder, die für seine Verhältnisse eher schwach ausfiel. Zum Vergleich: 2012 hatte der 39-Jährige in Bremen in 2:29,20 Stunden gewonnen – bis heute seine persönliche Bestleistung. „Es war ein bisschen zu warm für eine Top-Zeit“, urteilte er, „zeitlich ist es nicht besonders gut, aber okay.“

Immerhin klappte sonst alles, was er sich vorgenommen hatte. Als der Veranstalter ihn vorher fragte, welche Starnummer er haben möchte, wählte er gleich die „5“ – schon im festen Glauben, seinen fünften Triumph in der Hansestadt herauslaufen zu können. Und dann legte er sich auch noch seinen Marathon-Terminkalender extra so, dass Bremen sein 50. war. „Ich habe Anfang August noch ein Rennen in Wellen (zwischen Bremen und Bremerhaven, d. Red.) eingeschoben“, sagte Sebrantke. Auch dort gewann er übrigens.

Deutlich mehr wert war aber der Erfolg gestern in Bremen. „Der Sieg, der am nächsten dran ist, ist immer der schönste“, urteilte er mit Blick auf seine vorherigen Bremen-Triumphe. Seinen fünften feierte Sebrantke, der im Training täglich einen Halbmarathon absolviert, wie immer. „Ich setze mich an die Schlachte und genieße“, kündigte er an. Ein großes Siegerbierchen wollte er sich genehmigen, vielleicht auch zwei: „Ich habe bestimmt fünf Liter Flüssigkeit verloren.“

Bilder vom Bremen-Marathon

Für heute hat sich Sebrantke („Zum ersten Mal nach einem Bremen-Marathon“) einen Tag Urlaub genommen. Zu viel gefeiert wurde jedoch nicht, denn der nächste Marathon steht vor der Tür. Am 25. Oktober startet der IT-Spezialist einer Bank bei den Deutschen Meisterschaften in seiner Wahlheimat Frankfurt.

Anita Ehrhardt schnellste Frau

Als Anita Ehrhardt die ersten Glückwünsche entgegengenommen und die ersten Interviews geführt hatte, griff sie erst mal zu ihrem Handy. „Mein Mann ist gerade in Dubai, mit dem möchte ich gleich telefonieren“, sagte die 38-Jährige von der SG Akquinet Lemwerder.

Und sie überbrachte ihrem Gatten tolle Nachrichten, denn in 3:11,49 Stunden war Ehrhardt die schnellste Frau beim elften Bremer Marathon gewesen – und das auch noch in einer neuen persönlichen Bestzeit, mit der sie sogar ihren Trainer überraschte: „Eigentlich sollte ich erst in drei Wochen so schnell sein. Da wird er etwas enttäuscht sein“, lachte Ehrhardt, die in Bremen ihren „ungefähr 40. Marathon“ lief: „Ich bin seit zehn Jahren dabei.“

Was sie nach dem Telefonat mit ihrem Mann tun wollte, wusste Ehrhardt im Zielbereich auch schon ganz genau: „Dann mache ich eine Flasche Champagner auf.“

Auf den Plätzen zwei und drei landeten mit deutlichem Abtstand Marie Henn (3:13,29) und Hella Schmidt (3:18,24). mr

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