Frederik Hohnstedt glänzt im Tor der HSG Barnstorf mit „unorthodoxen Bewegungen“

„Freddy“ verwirrt alle

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Frederik Hohnstedt (rechts) hat einen Super-Saisonstart hingelegt und ist als Keeper der HSG Barnstorf/Diepholz kaum zu bezwingen.

Barnstorf - Von Malte Rehnert. Wenn man es ganz genau nimmt, ist der große Bruder Jannik schuld an der Hobby-Auswahl von Frederik Hohnstedt. „Er ist Fußballer in Twistringen – und damals im Garten hat er mich immer ins Tor gestellt“, erinnert sich der 22-Jährige. Nun, dabei ist es geblieben – auch wenn er die Sportart wechselte.

Von Fußball zu Handball. 2001 ging der kleine „Freddy“ zu seinem ersten Training bei der HSG Barnstorf/Diepholz, 16 Jahre später ist er Keeper beim Oberligisten und erhöht mit tollen Leistungen den Konkurrenzdruck auf die Nummer eins, Donatas Biras.

Beim Blick auf die ersten zwei Saisonspiele wird schnell klar, wie vorzüglich die Form des jungen Torwarts ist. Gegen Neerstedt (26:18) und zuletzt beim Vizemeister Hastedt (26:17) kam Hohnstedt jeweils für Biras rein. Bei seinem ersten Auftritt kassierte er in 20 Minuten drei Gegentore, beim zweiten in 35 Minuten nur sieben – gar nur vier in der zweiten Halbzeit. Hammer-Quoten! „Freddy hat sich sehr gut entwickelt“, lobt Trainer Dag Rieken.

Hohnstedts Aufstieg darf durchaus als rasant bezeichnet werden. Erst zu Jahresbeginn kam das Barnstorfer Eigengewächs von der „Zweiten“ in die „Erste“, weil sich Biras am Ellbogen verletzt hatte. In der Rückserie spielte er schon recht viel und gehört seit dieser Saison als fester Torwart zum Oberliga-Kader. „Ich empfinde tierische Freude, weil das immer mein Ziel war“, schwärmt Hohnstedt und erzählt: „Schon als kleines Kind stand ich in der Mühlenkamphalle und habe zu meinem Vater gesagt: ,Da will ich auch mal hin'. Und er sagte: ,Ja, Ja’.“ Der inzwischen verstorbene Fritz Hohnstedt war jahrelang immer dabei und unterstützte seinen handballbegeisterten Sohn. „Er wäre stolz auf mich“, sagt Frederik Hohnstedt und verrät: „Bei einem Siebenmeter blicke ich manchmal nach oben und sage: ,Hilf mir mal bitte’. Das hat gerade in Hastedt wieder gut geklappt.“

Da parierte er zu Beginn der zweiten Halbzeit „zwei, drei freie Bälle“ und eben einen Siebenmeter. „Wir haben da hinten mit einer super-guten Abwehr eine Wand aufgebaut“, beschreibt Hohnstedt. Und was da durchkam, fischte er weg – zum Teil mit den für ihn typischen „unorthodoxen Bewegungen. Ich habe kein klassisches Torwart-spiel“, urteilt Hohnstedt über sich selbst: „Auch meine Teamkollegen sagen manchmal nach dem Training, dass sie nicht wissen, was ich da mache.“ Weil die Gegner es auch nicht wissen, verzweifeln sie des Öfteren an dem blonden Mann, der Mattias Andersson von der SG Flensburg-Handewitt als sein großes Vorbild bezeichnet: „Er fasziniert mich, sieht gegen jeden Gegner gut aus. Ein Klassetyp mit außergewöhnlichen Reflexen.“

Gerne mit VW-Bulli zum Campen

Hohnstedts sind aber auch noch besser geworden – meint sein Trainer Rieken: „Er ist jetzt auch schneller draußen, weil er seine Physis verbessert hat.“ Das liegt vor allem an den vier Trainingseinheiten, die der 22-Jährige inzwischen pro Woche absolviert. „Ich hatte seit eh und je ein paar Problemchen mit meinem Gewicht“, gesteht er: „Aber momentan, nach der kompletten Vorbereitung, bin ich fit wie nie.“

Als seinen größten Trumpf sieht der gelernte Industriekaufmann, der bei einer Wagenfelder Molkerei im Einkauf arbeitet und mit seiner Freundin Stefanie Schädler (Kreisläuferin bei der HSG Phoenix) gerne im VW-Bulli zum Campen nach Frankreich fährt, aber sein Talent zur totalen Fokussierung. „Auf dem Feld bin ich in einem Tunnel, blende alles aus. Nur dann kam man über sich hinauswachsen“, meint Hohnstedt, der sich und seine Vorderleute stets lautstark pusht – und damit den Gegenpol zum eher ruhigeren Biras bildet.

Der mittlerweile 35-jährige Litauer ist noch der Platzhirsch zwischen den HSG-Pfosten, spürt aber Hohnstedts Atem. „Freddy ist unser Mann der Zukunft, ein feiner Kerl. Und sehr ehrgeizig. Wenn er so weitermacht, gibt es an ihm kein Vorbeikommen“, sagt Rieken. „Ich will hier irgendwann die Nummer eins sein“, betont Hohnstedt, „nicht in dieser Saison, aber vielleicht in der nächsten“.

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